• Einstellungen
Samstag, 11.08.2018

Der Höhenflug in Berlin – und dann?

Ex-Hochspringer Raul Spank erlebte im Olympiastadion 2009 seinen größten Auftritt.

Von Michaela Widder, Berlin

Raul Spank hält sich jetzt oft an Zahlen fest, nicht mehr an Höhen.
Raul Spank hält sich jetzt oft an Zahlen fest, nicht mehr an Höhen.

© dpa

Ein Unwetter hatte den Zeitplan durcheinandergewirbelt. Fünfeinhalb Stunden waren die Hochspringer bei der WM 2009 in Aktion, ein junger Dresdner kam mit der Situation und dem nassen Anlauf im Olympiastadion mit am besten zurecht. Raul Spank setzte in Berlin zum Höhenflug an, der ihm später bei einem Großereignis nicht noch einmal gelang.

Der damals 21-Jährige landete auf Rang drei, gemeinsam mit Sylwester Bednarek aus Polen. „So eine Lautstärke habe ich davor und auch danach nie wieder erlebt, das war einmalig – trotz des beschissenen Wetters“, erzählt Spank. Mehr als 42 000 Zuschauer waren im Stadion, als der Russe Jaroslaw Rybakow Gold holte vor dem Zyprer Kyriakos Ioannou, die auch jeweils 2,32 Meter meisterten, aber weniger Fehlversuche als Spank hatten. „Im Vorfeld war das alles nicht so schön“, erinnert er sich, „weil ich mir selbst Druck gemacht habe, dass es unbedingt eine Medaille sein muss.“

Er galt noch als jugendlicher Draufgänger, oft mit einem frechen Spruch auf den Lippen – aber mit seinem fünften Platz bei den Sommerspielen in Peking ein Jahr zuvor auch schon als Mann für neue Höhenflüge. Er träumte nicht nur vom Olympiasieg, er sprach auch offen davon. Noch im WM-Sommer steigerte Spank beim Hochsprung-Meeting in Eberstadt seine Bestleistung auf 2,33 Meter. Danach bremsten ihn jahrelang Verletzungen aus. Auch ein Wechsel, erst nach Berlin und dann zum Dreisprung, brachte nicht den erhofften neuen Impuls. 2016 war Schluss.

Am Wochenende kehrt Spank als Zuschauer ins Olympiastadion zurück. Der deutsche Verband hat seine WM-Medaillengewinner eingeladen. „Klar will ich mir auf jeden Fall den Hochsprung anschauen.“ Im Finale am Samstagabend stehen mit Mateusz Przbylko und Eike Onnen auch zwei Deutsche. Mit dem Duo kann Spank natürlich nicht mehr mithalten, fit ist er trotzdem noch. Erst kürzlich überquerte er die Hochsprunglatte immerhin bei 2,10 Metern. „Vielleicht darf ich Ende August beim Meeting in Eberstadt außer der Wertung mitspringen“, hofft er auf einen Start.

Nach seinem Karriereende hielt sich der Prozessmanager eines Online-Versandhandels noch mit Jedermann-Zehnkämpfen mehr als nur in Form, doch mit einer 40-Stunden-Arbeitswoche sei er nun oft zu müde für hartes Training. In seine Heimat Dresden zieht es den Wahl-Berliner vorerst nicht. Die ausbleibenden Erfolge seiner früheren Klubkollegen Lars Hamann und Jenny Elbe, die verletzt die Saison abgebrochen haben, verfolgt er nur noch aus der Ferne. Die letzte internationale Medaille eines Leichtathleten vom Dresdner SC gewann Spank – vor neun Jahren in Berlin.

Desktopversion des Artikels