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Dienstag, 11.09.2018

Der etwas andere Verein

International Leipzig stellt eine Weltauswahl mit einem Trainer, der sieben Sprachen spricht. Was weiter fehlt, ist ein Heimstadion.

Von Frank Müller und Jürgen Schwarz

Im Februar bestritt die „Weltauswahl“ aus Leipzig ein Testspiel bei Stahl Riesa. Aimable Nzabahoza – im Duell mit Nico Födisch (l.) – stammt aus Belgien.
Im Februar bestritt die „Weltauswahl“ aus Leipzig ein Testspiel bei Stahl Riesa. Aimable Nzabahoza – im Duell mit Nico Födisch (l.) – stammt aus Belgien.

© Ronny Belitz

Der FC International Leipzig ist ohne Zweifel ein etwas anderer Verein. Ganze vier Jahre ist der Fußball-Oberligist alt. Aus dem Nichts erwarb er 2014 das Sachsenliga-Spielrecht des SV See. Das war gemäß den Regularien des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) damals noch möglich, sorgte aber für allerhand böses Blut. Der Verband hat die Regelung, die eigentlich zur Rettung der Nachwuchsabteilungen insolventer Vereine gedacht war, modifiziert. Ein derartiger Erwerb der Spielklasse wäre heute nicht mehr möglich. Inter wird wegen des umstrittenen Einstiegs in der sechsthöchsten Klasse bis heute immer wieder angefeindet.

Man kann davon halten, was man will, die Leipziger stiegen vor drei Jahren aber sogar in die Oberliga auf, wo sie seitdem in der Spitzengruppe mitmischen. Und sie wollen weiter hoch. Bleibt die Frage, wie macht das ein so junger Verein, der über keine eigene Heimstatt und kein Heimstadion verfügt? Die unterschiedlichen Trainingsorte und die weit entfernte Spielstätte ziehen einen großen logistischen Aufwand nach sich.

Heiner Backhaus, der Trainer, muss meist selbst den Transport organisieren, die Truppe wirkt mitunter wie ein Umzugsunternehmen, wenn sie mit Bällen und Trainingsutensilien herumfährt. „Ich hoffe, das haben wir in etwa einem Jahr endlich gelöst, denn es kostet enorm Kraft“, sagt der 36 Jahre alte Coach. Seit vier Jahren plant Inter ein eigenes Stadion. Das soll auf dem Gelände des alten Leipziger Postbahnhofs entstehen. Doch das ist bislang über die Planungsphase nicht hinausgekommen. Das liegt laut Hauptsponsor, einer Immobilienfirma, am langwierigen Genehmigungsverfahren.

Über die Motivation des Immobilien-Entwicklers, den FC International zu unterstützen, gehen die Meinungen auseinander. Manche sagen, die im Geschäftsgebaren für ihre durchaus raue Gangart bekannte Firma wolle sich damit ein soziales Mäntelchen umhängen. So haben sich Sponsor wie Verein die Integration ausländischer Kinder und Jugendlicher auf die Fahnen geschrieben. Deshalb rekrutiert der FCI viele Nachwuchskicker in und um die Leipziger Eisenbahnstraße, die zu einem sehr bunten Stadtteil geworden ist – im Guten wie im Schlechten.

Die erste Männermannschaft wird dem Vereinsnamen ebenfalls gerecht, doch die Akteure hierfür werden ganz anders gefunden. Trainer Backhaus war als Spieler ohne Zweifel das, was man einen Wandervogel nennt. Er spielte in seiner aktiven Zeit für über 15 Profivereine, unter anderem in Australien, Saudi-Arabien, Hongkong, Zypern und Griechenland. So wurde er zum Kosmopoliten, spricht sieben Sprachen und ist international glänzend vernetzt. Backhaus ist das Gesicht des Vereins. „Die Idee fand ich sofort interessant“, betont er. Er gehörte quasi zu den Mitgründern des FC International und stellte sich 2014 in kürzester Zeit eine damals für die Landesliga taugliche Truppe zusammen. Aus vielen Ausländern, aber auch ein paar Deutschen.

Echte Rekrutierungsprobleme hatte er nie, Berater bieten ihm offenkundig fortwährend Talente aus vielen Ländern an, die den Sprung in den Profibereich schaffen wollen. Deshalb stellen sie sich gern bei Inter für relativ kleines Geld – sie bekommen in der Regel einige hundert Euro neben sachwerten Leistungen wie eine mietfreie Wohnung – buchstäblich „ins Schaufenster bei uns“, wie es FCI-Sportvorstand Christopher Siebenhüner formuliert. Egal, ob Belgier, Japaner, Spanier, Grieche, Albaner oder Südkoreaner, sie können Leistungsfußball unter einem qualifizierten Trainer spielen und sich für Profi-Ligen empfehlen.

So wurde erst kürzlich Innenverteidiger Salvatore Paul Russo, ein Grieche mit australischen Wurzeln, aus der serbischen zweiten Liga geholt. Und Bastian Strietzel kam von Borussia Mönchengladbach (U23) an die Pleiße, nachdem er in der Jugend von RB Leipzig gespielt hatte. Einige bei Inter haben den nächsten Schritt bereits vollzogen. Der finnische Torjäger Kimmo Hovi und der argentinische Mittelfeldspieler Santiago Aloi heuerten vor dieser Saison beim Chemnitzer FC an.

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