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Dienstag, 07.08.2018

Der Erbe des Comandante

Er sieht eine Verschwörung gegen sich und seine Regierung: Staatschef Nicolas Maduro geht nach dem angeblichen Anschlag in die Offensive. Foto: dpa/Miraflores Presse
Er sieht eine Verschwörung gegen sich und seine Regierung: Staatschef Nicolas Maduro geht nach dem angeblichen Anschlag in die Offensive. Foto: dpa/Miraflores Presse

© dpa

Zweifel an der Attentatsversion kamen schon kurz nach dem Zwischenfall auf. Angeblich war Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro am Sonnabend Ziel eines Anschlags, der mit Drohnen während einer Militärparade verübt wurde. Die Opposition befürchtet, dass der autoritäre Machthaber den Vorfall als Vorwand für noch mehr Repressionen nutzen könnte. Sicherheitskräfte leiteten eine Großfahndung nach den Tätern ein. Sechs Verdächtige seien bereits festgenommen worden, hieß es. Der Staatschef beschuldigte den scheidenden kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos sowie „ultrarechte Kreise“ in Venezuela und den USA der Tat.

Maduro ist in Venezuela ein steiler Aufstieg gelungen. Vom Busfahrer und Gewerkschafter schaffte er es bis zum Präsidenten des ölreichen südamerikanischen Landes. Als sein Idol Hugo Chávez 2013 mit 58 Jahren an Krebs starb, wurde Maduro dessen Nachfolger. Das Charisma des „Comandante“ hat er nie erreicht.

Der Mann mit dem Schnauzbart engagierte sich schon als Schüler politisch. Später agierte er als Studentenführer, obwohl er mangels Hochschulreife gar nicht studieren konnte. Der 1,90-Meter-Mann soll auch als Leibwächter für politisch aktive Genossen gewirkt haben. Als Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr gründete er die Gewerkschaft der Metro von Caracas.

Als der damalige Oberstleutnant Chávez 1992 nach einem gescheiterten Putschversuch im Gefängnis landete, kämpfte Maduro wie andere Genossen für dessen Freilassung. Dabei lernte er seine heutige Ehefrau kennen, Chávez‘ Anwältin Cilia Flores. Als Chávez Ende 1998 demokratisch zum Präsidenten gewählt wurde, zog Maduro als Abgeordneter ins Parlament ein. 2005 wurde er Parlamentspräsident, 2006 Außenminister und 2012 Vizepräsident. Als solcher gab er am 5. März 2013 den Tod des Präsidenten bekannt.

Begleitet von einem beispiellosen wirtschaftlichen Niedergang entwickelte sich Venezuela unter Maduro immer stärker in Richtung einer Diktatur. 2015 gewann die Opposition die Mehrheit im Parlament. Maduro ließ es aber durch eine neu gewählte verfassunggebende Versammlung entmachten. Die Präsidentenwahl im Mai dieses Jahres wurde von großen Teilen der Opposition boykottiert. (dpa)

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