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Freitag, 09.11.2018

Der einzige Araber

Anass Halime aus Marokko engagiert sich in der Feuerwehr Zittau. So etwas gibt es in Sachsen bisher nicht.

Von Jan Lange

Anass Halime hat seine Grundausbildung zum Feuerwehrmann erfolgreich abgeschlossen. Der junge Marokkaner ist bei der Feuerwehr Zittau der erste Kamerad, der aus dem arabischen Raum stammt.
Anass Halime hat seine Grundausbildung zum Feuerwehrmann erfolgreich abgeschlossen. Der junge Marokkaner ist bei der Feuerwehr Zittau der erste Kamerad, der aus dem arabischen Raum stammt.

© Rafael Sampedro

Am Sonnabend steht noch die praktische Prüfung an. Wenn Anass Halime die besteht, hat er die Grundausbildung zum Feuerwehrmann erfolgreich absolviert. Seit Mitte Oktober hat der junge Marokkaner insgesamt 70 Unterrichtsstunden hinter sich gebracht. Schon einige Zeit trainiert er mit den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Zittau. Künftig kann er auch bei Einsätzen dabei sein.

Der 22-Jährige ist der erste Ausländer, der sich in der Zittauer Löschtruppe engagiert, erklärt deren Leiter Uwe Kahlert. Und der Feuerwehrchef fügt hinzu, dass Anass Halime auch der einzige Feuerwehrmann in Sachsen ist, der aus dem arabischen Raum stammt. Der Landesfeuerwehrverband Sachsen führt zwar keine Listen über die Mitglieder der einzelnen Stadt- und Ortswehren, aber den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle sind zumindest keine anderen Feuerwehrmänner mit arabischen Wurzeln bekannt.

Anass Halime ist im Frühjahr nach Deutschland gekommen, um an der Hochschule Zittau/Görlitz zu studieren. Er will Informatiker werden. Bereits in seiner Heimat hatte er mit dem Informatik-Studium begonnen. Nun will er es hier fortsetzen und abschließen. Da er in Marokko an einer französischen Hochschule eingeschrieben war, hätte er auch nach Frankreich gehen können. Doch Anass Halime entschied sich für Deutschland, da das Land seiner Meinung nach eine Dominanz in Informatik habe. Hier könne er sehr gute Erfahrungen sammeln.

Der junge Marokkaner will aber nicht nur tagein, tagaus büffeln, sondern sich auch freiwillig einbringen. Als er sich bei einer Hochschulmitarbeiterin nach den Möglichkeiten erkundigte, schlug die ihm vor, mal bei der Feuerwehr nachzufragen. Und so stand er gut einen Monat, nachdem er in Deutschland eingetroffen war, in der Zittauer Feuerwache und wollte wissen, ob denn auch Ausländer in der Truppe mitmachen können. Ein bisschen geplättet sei er gewesen, erzählt Zittaus Feuerwehrchef Uwe Kahlert, als er von der Pforte angerufen wurde, dass ein junger Mann aus Marokko vor der Tür stehe, der gern Feuerwehrmann werden möchte. „Aber es hatte wie die Faust aufs Auge gepasst“, fügt er hinzu. Denn Kahlert hatte zuvor erst eine Weiterbildung zum Thema „Umgang mit Migranten“ besucht. Er habe im ersten Gespräch schnell das Gefühl gehabt, dass Anass Halime nicht nach zwei Wochen wieder aufhört. Das ist einer, der länger bleiben will, war sich Uwe Kahlert sicher. Und die vergangenen Monate haben ihm recht gegeben.

Nach der Grundausbildung soll Anass Halime noch als Atemschutzträger und am Funk ausgebildet werden. Ziel sei es, so der Feuerwehrchef, diese beiden Lehrgänge im nächsten Jahr zu besuchen. Die Zittauer Wehr ist in diesem Fall darauf angewiesen, dass es freie Plätze gibt. „Umso eher er diese Ausbildungen absolviert, umso besser“, meint Kahlert. Gerade Atemschutzträger sind wichtig bei Einsätzen. Bis es soweit ist, wird der 22-jährige Marokkaner am Löschfahrzeug agieren oder Schläuche verlegen.

Auch wenn er nach dem Studium wahrscheinlich die Wehr wieder verlassen wird, so ist doch Uwe Kahlert froh, dass er mitmacht. „Er kann auch fünf Jahre eine große Hilfe sein“, findet der Feuerwehrchef.