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Dienstag, 13.03.2018

Der Biathlon-Streit eskaliert

Die Frauen müssen sich an neue Bosse gewöhnen. Assistenzcoach Tobias Reiter hört auf. Über die Zukunft des Cheftrainers Gerald Hönig debattiert der Skiverband.

Von Volker Gundrum

Tobias Reiter nimmt sich aus der Schusslinie.
Tobias Reiter nimmt sich aus der Schusslinie.

© dpa/Sven Hoppe

Im Trainer-Team der deutschen Biathletinnen um Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier gibt es Veränderungen. Tobias Reiter, der Assistent von Frauen-Chefcoach Gerald Hönig, verabschiedet sich nach Angaben des Deutschen Skiverbandes auf eigenen Wunsch nach dem Olympia-Winter aus der Weltcup-Auswahl. Der Bayer bleibe dem deutschen Biathlon aber erhalten. Besonders die reiseintensive Weltcup-Betreuung mache dem 32-Jährigen zu schaffen, gab der DSV bekannt.

Doch das ist möglicherweise nicht die einzige Umbesetzung. Bei der nach der Saison anstehenden üblichen Trainerklausur diskutiert der DSV vermutlich auch über Hönigs Zukunft. Er geriet nach dem überraschenden Debakel der als Goldfavorit gehandelten Frauenstaffel in Pyeongchang auch mannschaftsintern in die Kritik. Sie belegte Platz acht. Besonders Franziska Hildebrand äußerte ihren Unmut in ungewöhnlich scharfer Form. „Ich hätte die Staffel anders aufgestellt und das Goldquartett von 2017 laufen lassen“, sagte die 30-Jährige. „Die Betreuer- und Trainerdebatte führt erfahrungsgemäß der Deutsche Skiverband in einer sehr seriösen Art nach der Saison“, sagte der 59-Jährige. Da würden die Weichen für die nächsten Jahre gestellt.

Planmäßig läuft sein Vertrag wie der seines unumstrittenen Männer-Kollegen Mark Kirchner mit dem Olympia-Zyklus aus. Nach den Winterspielen sei erfahrungsgemäß immer „ein wenig ein Wechsel da – in der Mannschaft, was Betreuer betrifft und so weiter“, mutmaßte die zweifache Olympiasiegerin Laura Dahlmeier bereits in Südkorea. „Da sind wir einfach mal gespannt, was passiert.“ Es ist gut möglich, dass die 24-jährige Garmisch-Partenkirchenerin in der nächsten Saison auf einen neuen Boss hören muss. Vom Tisch scheint zu sein, dass die siebenfache Weltmeisterin ihre Karriere beendet.

Es erscheint möglich, dass der DSV bei der Nachfolgersuche ins Ausland blickt und ein Auge auf einen Trainer wirft, der in der Fremde erfolgreich arbeitet. In Schweden formte der 63-jährige Ruhpoldinger Wolfgang Pichler in diesem Winter sensationell Olympiasieger. Für Kanada holte der 56-jährige Ruhpoldinger Matthias Ahrens genauso überraschend WM-Medaillen. Aufgrund ihrer fleißigen und fachkundigen Arbeit dürften auch der für Russland tätige dreifache Olympiasieger Ricco Groß (47) aus Bad Schlema und der für die Schweiz arbeitende Jörn Wollschläger (40) aus Suhl in den Fokus rücken. Außerdem sollte man den 41-jährigen Bernhard Kröll, der nicht nur Dahlmeier als Heimtrainer, sondern auch die 31-jährige Magdalena Neuner aus Garmisch-Partenkirchen zum Biathlon-Star machte, nicht vergessen. (dpa mit SZ)

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