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Montag, 13.08.2018

Der Berufswunsch stand mit 13 Jahren fest

Der langjährige Tierpark- und Zooleiter Dr. Werner Jorga feierte seinen 75. Geburtstag.

Von Martin Schmidt

Dr. Werner Jorga vor dem Zoo-Eingang, nach der Einweihung des neuen Schriftzuges.
Dr. Werner Jorga vor dem Zoo-Eingang, nach der Einweihung des neuen Schriftzuges.

© Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Was wünscht man einem Mann, der bereits seit einem dreiviertel Jahrhundert mit kaum nachlassendem Eifer, dafür mit stetig wachsender Kenntnis den kleinsten Lebewesen in Wasser und Erde bis zu den größeren in den Lüften folgt? Dr. Werner Jorgas Wissensdrang erlischt nicht. Ihn fasziniert die Vielfalt des Lebens auf der Erde, das genau so viel Achtung beansprucht wie es Schönheit zu bieten hat.

Mancher hörte bewundernd zu, wenn Werner Jorga mit seinen Kollegen Zoodirektoren, darunter einige der berühmtesten der Welt, im Zoo Hoyerswerda fachsimpelte. Ihn beschäftigten wie sie der nicht ausreichend verwirklichte Natur- und Tierschutz. Es war nicht Sehnsucht nach einem Paradies, sondern der Wunsch, dass menschliche Vernunft, „die Achtung vor dem Leben“, wie auch Albert Schweitzer sie bereits seit Anfang des vorigen Jahrhunderts forderte, gestalten könne. „Seit etwa vier Jahrzehnten hat das Aussterben von wildwachsenden Pflanzen und wildlebenden Tieren ein Ausmaß angenommen, so dass es dringend erforderlich ist, diesen Prozeß zu stoppen“, schrieb Dr. Werner Jorga 1991 in dem Heimatbuch „Hoyerswerda – Geschichte und Geschichten aus Dörfern und Städten“.

Ein Vierteljahrhundert später ist die Situation nicht besser, höchstens noch bedenklicher geworden. Nicht nur für den Zoodirektor, Forscher und engagierten Naturschützer Werner Jorga , sondern für alle Natur- und Heimatfreunde ist diese Erkenntnis schmerzlich, doch der Biologe gibt nicht auf.

1943 in Pethau bei Zittau geboren und in Neusalza-Spremberg aufgewachsen, lehrte Werners Vater ihm bereits in früher Kindheit Pflanzen und Tieren seiner oberlausitzer Heimat zu entdecken bzw. zu beobachten. Als dreizehnjähriger Schuljunge schrieb er dem in aller Welt bekannten Direktors des Frankfurter Zoo Professor Bernhard Grzimek einen Brief und gestand seine Liebe zu den Tieren. Dieser Vielbeschäftigte antwortete ihm mit einer Einladung zu drei Wochen unentgeltlichem Besuch des Zoos der Stadt am Main. Der Knabe war jeden geschenkten Tag im Zoo und beobachtete die ihm unbekannten Tiere. Sodass auch der Zoo-Direktor ihn begrüßen kam. Die Antwort auf die Frage „was er werden wolle?“ lautete „Zoo-Direktor“. Dieser Wunsch erfüllte sich 1984. Die Stufen dazu hießen Berufsausbildung zum Tierpfleger, Studium der Biologe, zehn Jahre Arbeit bei der Wasserwirtschaft Bad Liebenwerda und drei Jahre als Kurator im Zoo Cottbus schlossen sich an, ehe er 1984 Leiter des Tierparks Hoyerswerda wurde. Diese von Günter Peters gegründete, von Dr. Klaus-Dieter Hohmann wissenschaftlich geführte und erweiterte Einrichtung, führte sie Dr. Werner Jorga mit seinem Team, bis er sie aus Alters-Gründen 2008 in andere Hände geben musste.

Die Erweiterung des Zoogeländes, Gründung einer Zooschule, Zuchterfolge, Förderung des Naturschutzes seien als einige wenige Stationen genannt, die sich auch heute noch mit seinem Namen im Zoo Hoyerswerda verbinden.

Werner Jorga selbst besuchte in aller Welt die Heimat der Tiere, die er einst in Hoyerswerda betreute. Kaum einen Kontinent ließ er aus, einige besuchte er mehrfach. Doch Hoyerswerda blieb seine Heimat. Gestern feierte der Altstädter seinen 75. Geburtstag.