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Freitag, 20.07.2018

Der Berg ruft zum 40. Mal

Von Reiner Seifert

Auf der vier Kilometer langen Bergstrecke haben die Teilnehmer des Lückendorfer Bergrennens – hier ein Seitenwagengespann – einen Höhenunterschied von 209 Metern zu erfahren.Foto: Rafael Sampedro
Auf der vier Kilometer langen Bergstrecke haben die Teilnehmer des Lückendorfer Bergrennens – hier ein Seitenwagengespann – einen Höhenunterschied von 209 Metern zu erfahren. Foto: Rafael Sampedro

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Der Lückendorfer Berg ruft am 4./5. August zur 19. Auflage des Lückendorfer Bergrennens der Neuzeit und damit zur insgesamt 40. Veranstaltung auf der traditionsreichsten und ältesten Naturrennstrecke Deutschlands. Das zweitägige Motorsport-spektakel wartet in diesem Jahr mit einer Neuerung auf. Beim einzigen vom DMSB lizenzierten Bergrennen für Motorräder werden nicht wie seit 2014 nur für Rennge-spanne, sondern für alle Motorradklassen, außer der Klasse eins (bis Bj. 1946), Geschwindigkeitsrennen ausgetragen.

Darüber hinaus gibt es wie bisher in allen Klassen auch eine Wertung im Gleichmäßigkeitsfahren. Während bei den Geschwindigkeitsrennen die schnellste Zeit entscheidet ist es bei den Gleichmäßigkeitsfahrten die geringste Zeitdifferenz zwischen zwei Wertungsläufen. Die Erstplatzierten trennen oft nur Zehntel- oder Hundertstelsekunden. Für das beste Ergebnis im Vorjahr sorgte der Großschweidnitzer Hagen Kaufmann im Ford Mustang Fastback (Bj. 1965, 5 000 ccm) mit einer Zeitdifferenz von 0,001 Sekunden. „Um die Differenz gering zu halten, musst du die Ideallinie sowie die richtigen Brems- und Schaltpunkte auf der Strecke finden und dabei möglichst schnell fahren. Nicht unwesentlich ist natürlich auch das erforderliche Gefühl für das gleichmäßige Fahren“, erklärt der 75-jährige Kaufmann, der mit seinem schwarzen, 250 PS starken Mustang überall für Aufsehen sorgt. In den Motorradklassen erwiesen sich der Riesaer Ekkehard Aurich auf einer Norton Dominator (Bj.1956, 500 ccm) mit 0,038 Sekunden und Steffen Drenske aus Neuenhagen mit einer Honda 500 Eigenbau (Bj. 1973, 460 ccm) mit 0,064 Sekunden als die Besten.

Zu den Höhepunkten des Lückendorfer Bergrennens zählen die Finalläufe für Renngespanne bis Baujahr 1989 um den Internationalen Deutschen Bergpreis (IDB), der in drei verschiedenen Klassen ausgefahren wird. „Gemeldet haben 23 Teams aus Österreich, Frankreich, Tschechien, Serbien, der Schweiz und Deutschland“, informierte IDB-Cheforganisator Klaus Riedel. Darunter sind mit Matthias Ansorge/ Dirk Lüttke und Jiri Huml/Vojtech Huml zwei vom Team „Riedel Motorsport“ aus Dürrhennersdorf. „Wir liegen noch aussichtsreich im Meisterschaftsrennen. Vater und Sohn Huml halten in der Klasse zwei die Pole Position. Matthias Ansorge rangiert in der Klasse drei auf Platz vier, sechs beziehungsweise zehn Punkte hinter dem Dritten und Zweiten“, hat Altmeister Riedel zwei Podestplätze im Visier.

IDB-Meister und Streckenrekordhalter Fritz Behringer kann in diesem Jahr leider nicht starten. Der Passauer und sein Co-Pilot Joachim Reichert mit ihrem Busch/König-Gespann (Bj. 1974/680 ccm/110 PS) stehen mit einer Zeit von 1:37,8 Minuten (132,4 km/h) in den Rekordlisten. Alter Rekordhalter war Willy Lehmann, der 1966 im SEG Wartburg einen Durchschnitt von 131,7 km/h erreichte. Für die Tagesbestzeit im Vorjahr sorgten Peter Gierlinger/Helga Gierlinger im Haller-Rotax Gespann (Bj. 1982, 670 ccm). Das Ehepaar aus Bayern legte die vier Kilometer lange Strecke von Eichgraben nach Lückebdorf in 1:41,35 Minuten (128 km/h) zurück.

Die zu erwartenden mehr als 10 000 Zuschauer können sich auf zwei interessante und spannende Renntage im Zittauer Gebirge freuen. „Die Garantie dafür geben die rund 250 Fahrer aus sechs Ländern mit ihren Renn- und Sportfahrzeugen der Baujahre 1927 bis 1994. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, im offenen Fahrerlager hautnah die Rennatmosphäre zu schnuppern und mit den Fahrern ins Gespräch zu kommen“, lädt Rennleiter Frank Liebich vom MC Robur Zittau zum Bergrennen ein.

Auf dem Programm stehen Rennen in zehn Motorrad-, drei Gespann- und drei Automobilklassen (Renn und Sportwagen bis 1990, Renntourenwagen ab 1946 bis 1994, Tourenwagen und Seriensport-Pkw. Neben den IDB-Wertungsläufen geht es auch im ADMV-Classiccup, in der Histo Bergmeisterschaft und im Trabant 600 RS-Cup um Meisterschaftspunkte. Zu den prominentesten Startern gehört Heinz Rosner, der an den Motorrad-Weltmeisterschaften von 1964 bis 1969 teilnahm und 1968 den dritten Platz in der 250-ccm-Klasse belegte. Der als „Mr. MZ“ bekannte Erzgebirgler startet mit seiner WM-MZ beim Lückendorfer Bergrennen in der Motoradklasse sechs (bis 500 ccm und Bj. 1978).

Der Start zum ersten Lückendorfer Bergrennen erfolgte am 3 Juni 1923. Nach dem siebenten Bergrennen schrieb das Berliner Tageblatt: „40 000 Leute in Aufruhr, kein Zimmer, kein Parkplatz mehr zu bekommen. Der Marktplatz und der „Reichshof“, Hauptquartier der Fahrer und Presse, umlagert. Von 5 Uhr an wird Schlange gestanden. Auf der Strecke Zeltlager. Zeitungsverkäufer übertrumpfen sich. Die Menschen strömen. Als die ersten Motorräder angedonnert kommen, erreicht die Spannung ihren Höhepunkt.“ (Auszug aus dem Artikel vom 19. Mai 1931). 1934 fand das vorerst letzte Rennen statt. Zwischen 1961 und 1970 wurden neun Rennen ausgetragen, ehe nach 30-jähriger Pause am 12. August 2000 mit Gleichmäßigkeits- und Demonstrationsfahrten ein Neuanfang erfolgte. 14 Jahre später wurden zum ersten Mal nach 44 Jahren wieder Geschwindigkeitsrennen gestartet.