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Mittwoch, 11.07.2018

Der Arzt aus der Finsternis

Richard Harris ist Arzt und Taucher. Bei der Rettung der Kinder aus einer Höhle in Thailand war er federführend beteiligt. Warum der Australier Glückwünsche für die Rettung dennoch ablehnt.

Von Willi Germund

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Der australischen Arzt Richard Harris (r) und sein Tauchpartner.
Der australischen Arzt Richard Harris (r) und sein Tauchpartner.

© -/DEPARTMENT OF FOREIGN AFFAIRS/AAP

Mae Sai Nein, Glückwünsche will Richard Harris nicht annehmen an diesem Mittwochmorgen in einem Hotel der thailändischen Stadt Mae Sai nahe der Grenze zum Nachbarland Myanmar. Der Grund der Bescheidenheit: „Zur Hälfte gelang die Rettung aus purem Glück.“

Man kann sich den hünenhaften und breitschultrigen australischen Mediziner kaum in den engen Winkeln der Tham Luang Höhlen vorstellen, in denen die zwölf Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren mehr zwei Wochen eingeschlossen waren. Der fröhliche und freundliche Harris kommt erst Recht nicht als potenzieller Herr über Leben und Tod rüber.

Der Arzt tauchte am vergangenen Wochenende in die kleine Grotte, in der die jungen Fußballspieler sich verkrochen hatten und auf Hilfe warteten. Harris entschied, welche Jungen zuerst evakuiert werden sollten. Die Kräftigsten zuerst, hieß es draußen vor dem Eingang der Höhle. Harris schickte die vier ältesten im Alter von 14 bis 16 Jahren hinaus, denen es auch schlechtesten ging. Zwei von ihnen erblickten mit Lungenentzündungen zum zweiten Mal in ihrem Leben das Licht der Welt.

Wie richtig die Entscheidungen des australischen Anästhesisten waren, zeigte sich am letzten Tag der Rettung. Drei der evakuierten Jungen im Alter von elf bis 13 Jahren verließen die Höhle lieber so wie sie hereingekommen waren: Sie krabbelten über das Gestein zum Eingang und marschierten auf eigenen Füßen aus der Höhle zu wartenden Sanitätern.

Harris war erst Ende der vergangenen Woche aus Australien zu den anderen 19 Mitgliedern der australischen Streitkräfte und Polizei gestoßen. Zuvor hatten die beiden britischen Taucher, die in der vergangenen Woche die vermisste Gruppe fast zufällig vier Kilometer innerhalb des Höhlenlabyrinths entdeckt hatten, verlangt, dass der Australier geholt werden müsse. Bis dahin war Harris nur einigen wenigen Eingeweihten in der verschworenen und über die ganze Welt verteilten Gruppe von Höhlentauchern und Rettungsexperten bekannt.

Harris überlegte nicht lange, bestand aber bei seiner Zusage auf der Begleitung durch seinen Tauchbuddy Craig Challen. Nichts ist in der pechschwarzen Dunkelheit von Höhlen im undurchsichtigen Wasser so wichtig wie ein Tauchpartner, auf den blinder Verlass ist.

Die beste Antwort auf die Frage, warum Menschen sich ein so ausgefallenes und lebensgefährliches Hobby betreiben, kann oder will Harris nicht wirklich beantworten. Das hat vor ihm schon der Brite John Volanthen, der die Kinder fand, erledigt. „Ich habe mich oft nach dem Sinn gefragt und ob mein Höhlentauchen zu etwas gut ist“, erklärte er während der Rettungsaktion, „die Zeit hier hat mir beim Kampf um das Leben der Kinder die Antwort gegeben.“

Denn das Risiko ist hoch. Harris, dessen Vater am Dienstag starb, zögert etwas bei der Frage, warum die kleinen Fußballer von Moo Pa (Wildschweine) in Wirklichkeit echte Glücksschweine sind. „Das Wetter, der Regen“, sagt er schließlich. Mit Wasser gefüllte Höhlengänge hatten erst die Suche nach den Vermissten erschwert. Dann schienen die Helfer einen aussichtslosen Kampf gegen steigendes Wasser zu führen. Denn der Regen in den Hügel rund um die Höhle versickerte im Gestein und sammelte sich in der Tham Luang Höhle.

Drei Stunden nach der Rettung des Trainers der Fußballkicker schallten plötzlich Alarmschreie durch die Katakomben. Die wichtigste Wasserpumpe war ausgefallen und seither steigt der Wasser in Tham Luang schier unaufhörlich wieder an. Ob die Überschwemmung das kleine U-Boot erreichte, dass der schwerreiche Elektroautoproduzent Elon Musk kurz vorbeigebracht hatte, wissen die australischen Taucher nicht. „Benutzt haben wir es jedenfalls nicht“, sagt einer von ihnen.

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Kanonikus

    Werte Redaktion! Bitte noch einmal im 7. Absatz den letzten Satz und im 8. Absatz den 2. Satz überprüfen. Ich mache auch Fehler bei der Verwendung unserer Sprache, aber ich verdiene damit kein Geld. (Danke für den Hinweis & Grüße aus der Redaktion)

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