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Freitag, 12.10.2018

Den Nutzen haben beide Seiten

Das Ehepaar Fuhrmann bewirtschaftet seinen Landwirtschaftsbetrieb bei Weißkeißel im Einklang mit dem Naturschutz.

Von Rolf Ullmann

Nicole Fuhrmann und Martin Helgert-Fuhrmann mit einer Gallowaykuh.
Nicole Fuhrmann und Martin Helgert-Fuhrmann mit einer Gallowaykuh.

© Rolf Ullmann

Weißkeißel. Häufig kollidieren wirtschaftliche Interessen landwirtschaftlicher Betriebe mit Erfordernissen des Naturschutzes. Die Erhaltung der Artenvielfalt insbesondere von gefährdeten Pflanzen- und Tierarten sind dabei mitunter schwer in Einklang zu bringen. Dass diese jedoch gelingen kann und beide Seiten, sowohl der Bewirtschafter als auch die Natur, davon profitieren, beweist das Beispiel des Landwirtschaftsbetriebes Fuhrmann bei Weißkeißel. Das Ehepaar Nicole Fuhrmann und Martin Helgert- Fuhrmann bewirtschaftet hier rund 120 Hektar Nutzfläche, zumeist Weideland. Die beiden haben sich vor nunmehr zwei Jahren entschlossen, gemeinsam mit insgesamt 40 Landwirtschaftsbetrieben in ganz Sachsen am Programm „Gesamtbetriebliches Engagement zur ökologischen Aufwertung landwirtschaftlicher Betriebe“ des Freistaates Sachsen teil zu nehmen. Dieses Programm wird zudem durch die EU gefördert. Im Verlauf der zweijährigen Beratung wurden nicht nur einzelne Bereiche im Betrieb der Fuhrmanns einer Betrachtung unterzogen. Gemeinsam mit den Naturschutzberatern Birgit Fleischer und Sven Büchner entstand eine Zustandsanalyse, die den Landwirtschaftsbetrieb in seiner Gesamtheit widerspiegelt. In einer Karte wird der Ist-Zustand dabei erfasst. Zugleich wird in der Analyse auf Verbesserungswürdiges aufmerksam gemacht, und außerdem werden dafür mögliche Lösungsansätze geliefert. Wie das funktioniert und warum beide Seiten daraus Nutzen ziehen, zeigt ein Beispiel. So haben die Berater dem Ehepaar das Anlegen von Hecken empfohlen. Durch diese Maßnahme werden Lebensräume für mehrere Tierarten geschaffen. Zugleich bieten die Hecken den Galloway-Rindern im Sommer Schatten und Windschutz insbesondere in der kühleren Jahreszeit. Das Ehepaar Fuhrmann nennt eine Herde von immerhin 82 Kühen und Bullen dieser besonderen Rinderart ihr Eigen. Auch die geplante Anpflanzung von Solitäreichen wird ihre positive Wirkung durch den Schutz vor dem Austrocknen des Bodens im Verlauf der kommenden Jahrzehnte entfalten. „In unserem Betrieb bewirtschaften wir Flächen, zum Beispiel im Hammerlugk, die unwirtschaftlich sind, aber für den Naturschutz eine große Rolle spielen,“ erklärt Martin Helgert-Fuhrmann. So wurde während der Bestandsanalyse festgestellt, dass hier zum Beispiel solche geschützten Tierarten, wie die Kreuzotter oder der Moorfrosch, einen geeigneten Lebensraum sowie eine sichere Zuflucht gefunden haben. Christian Hoffmann vom NABU Weißwasser unterstützt das Programm von Beginn an. Er macht darauf aufmerksam, dass sich auch einige seltene Vogelarten, die gleichfalls unter Schutz stehen, hier offenbar wohlfühlen. Dazu zählen der Weißstorch, der Wiedehopf, das Braunkehlchen ebenso wie das Rebhuhn.

Das Engagement des Ehepaares Fuhrmann ist umso bemerkenswerter, da sie ihren Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb führen. Nicole Fuhrmann ist beruflich als Gynäkologin im Kreiskrankenhaus Weißwasser tätig. Martin Helgert-Fuhrmann stellt als Rettungsassistent seine Bereitschaft zur Hilfe für andere Menschen unter Beweis. Den Betrieb haben die beiden schrittweise und seit 2017 insgesamt von Karlheinz Fuhrmann, dem Vater von Nicole, übernommen. Beide machen anderen Betrieben in der Landwirtschaft Mut, sich ebenfalls einer solchen gesamtbetrieblichen Beratung zu stellen. „Die Beratung ist kostenlos. Was wir investieren mussten, das war die Zeit für die Beratungen sowie für die Vor-Ort-Termine. Doch diese Investition hat sich gelohnt. Vieles können wir jetzt effektiver anpacken“, zieht die junge Frau ein Resümee der letzten zwei Jahre. Die Anerkennungsplakette für die Teinahme am Programm erhält natürlich einen gut sichtbaren Ehrenplatz im Betrieb.