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Donnerstag, 09.08.2018

Den Landwirten geht das Tierfutter aus

Die Lage ist angespannt, bestätigen Bauern im Görlitzer Umland. Es gibt nur noch wenige Reserven.

Auf den Kuhweiden wächst kein frischer Grashalm mehr. Die Bauern müssen Futter rausbringen oder die Tiere im Stall lassen.
Auf den Kuhweiden wächst kein frischer Grashalm mehr. Die Bauern müssen Futter rausbringen oder die Tiere im Stall lassen.

© Brühl

Görlitz. Hitze und Trockenheit schmälern nicht nur Ernteerträge. Wie Markus Büttner vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bestätigt, ist mit Ausfällen zu rechnen, die sich beim Getreide je nach Art und Ort zwischen 30 und 50 Prozent bewegen. Besonders angespannt ist die Lage jedoch bei den Betrieben mit Tierhaltung. Ihnen geht das Futter aus. Das ist auch im Görlitzer Umland so. Selbst die lehmhaltige Erde, die das Wasser viel besser speichert als die sandigen Böden weiter nördlich bei Niesky, kann da nichts mehr ausrichten. Die anhaltende Dürre hinterlässt Spuren. Die SZ trägt mit Hilfe von Landwirten aus Friedersdorf, Sohland und Pfaffendorf zusammen, welche Probleme sich daraus ergeben.

Das sind die fünf Probleme der Bauern

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Problem eins: Große Einbußen bei den Grünschnitten

Im Jahresverlauf planen die Bauern normalerweise vier Schnitte auf ihrem Grünland ein. Das Gras wird von den Wiesen geerntet, um es als Frischmasse, Heu oder Silage zu verfüttern. In diesem Jahr sind bislang aber nur ein bis zwei Grünschnitte zustande gekommen. Und auch bei diesen gab es bereits weniger Erträge infolge der Witterung, sagt Lutz Frohberg von der Agrargenossenschaft in Sohland. Der Betrieb benötigt das Futter für seine Rinder. Aber nach dem zweiten Schnitt sei gar nichts mehr gewachsen. Ansgard Mauermann von der Budissa Agrarbetrieb Friedersdorf GmbH bestätigt: „Wo das fehlende Futter herkommen soll, weiß im Moment niemand.“ Künftig müssten noch mehr Reserven angelegt werden, um für solche extremen Sommer gewappnet zu sein. Auch die Landwirte vom Pfaffendorfer Lindenhof haben nur einen Schnitt auf ihrem Grünland eingefahren. Angesichts der Situation dürfen die Bauern zwar Brachen, die als ökologische Vorrangflächen ausgewiesen sind, und Randflächen zur Futtergewinnung oder direkten Beweidung mit Tieren nutzen. Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn es mindestens eine Woche ergiebig regnen würde, könnte das die Lage etwas entspannen. Ein Grünschnitt wäre auch noch im September und Oktober denkbar, vorausgesetzt, dass das Gras bis dahin wieder wächst.

Problem zwei: Die meisten Weiden sind fast vollständig abgefressen

Dort, wo Bauern noch Kühe oder Schafe auf ihren Weiden stehen haben, reicht das wenige Grün, das noch da ist, aber längst nicht mehr aus. „Es ist ja fast alles vertrocknet“, sagt Lutz Frohberg aus Sohland. „Wir müssen zufüttern.“ Nach Ansicht von Ansgard Mauermann brauchen die Betriebe dadurch ihre Reserven auf. Der Landwirtschaftsbetrieb auf dem Lindenhof hat seine Milchkühe in den Stall geholt, sagt Anton Schönfelder. Draußen sind nur noch die Schafe und das Rote Höhenvieh am Berzdorfer See. Dort nutzt der Lindenhof acht Flächen. Das Rote Höhenvieh ist ein sehr guter Rohfaserverwerter und gibt sich mit dem, was am Westufer des Sees wächst, zufrieden. Anders als die Milchkühe, die nicht so genügsam sind. Um für die Kühe auf dem Hof Frischfutter zu beschaffen, wurden selbst ein Brennnesselfeld abgemäht und eine Hecke runtergesägt, um das Grün der Pflanzen mit zu verfüttern.

Problem drei: Der Boden ist viel zu hart, um neue Saaten auszubringen

Der Lindenhof bearbeitet den harten Boden zurzeit nicht, um weitere Schäden zu vermeiden. Allerdings müsste jetzt, nach der Getreideernte, die Saat für die Zwischenfrüchte in die Erde, sagt Anton Schönfelder. Diese könnten später auch wieder verfüttert werden. Dieser Sommer ist auch für erfahrene Landwirte wie Ansgard Mauermann ein besonderer: „Ich habe das noch nie erlebt, dass Anfang August schon die Getreideernte abgeschlossen war“, sagt er. Durch die zeitige Ernte haben die Bauern zwar einen Zeitpuffer gewonnen. Er geht jedoch wieder verloren, weil Folgearbeiten in der Warteschleife hängen. Lutz Frohberg aus Sohland sagt deshalb: „Momentan heißt es vor allem, die Nerven zu behalten.“ Doch die Wettervorhersagen sind im Moment oft ungenau. Die Aussichten schwanken innerhalb von Stunden. Hinzu kommen stark lokale Wetterereignisse. Die Wiesen am Rotstein, die die Agrargenossenschaft in Sohland bewirtschaftet, sind durch die Hanglage besonders von der Trockenheit betroffen. Denn kurze Schauer, wie bei einem Gewitter, spülen den Regen nur über die steinharte Oberfläche hinweg.

Problem vier: Die Entscheidung über die Maisernte hängt vom Regen ab

Der Friedersdorfer Agrarbetrieb und die Sohländer sind in diesen Tagen am Überlegen, ob sie mit dem Maishäckseln anfangen sollen. So könnten sie wenigstens die Pflanzen und mageren Fruchtstände als Futter retten. „Wenn es ausgiebig regnen würde, dann könnten die Kolben aber auch noch zulegen“, sagt Lutz Frohberg. Eine schwere Entscheidung.

Problem fünf: Wasserversorgung für die Tiere ist in Gefahr

Wenn es weiterhin so trocken bleibt, wird auch die Wasserversorgung der Tiere zum Problem, sagt Lutz Frohberg. Denn die Wasserstände in den Brunnenanlagen sinken ebenso wie die Pegel in den Flüssen.

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