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Samstag, 10.11.2018 Aus dem Gerichtssaal

„Das wird das Schwein nicht überleben!“

Ein 47-jähriger Polizist steht wegen Beleidigung eines Kollegen vorm Landgericht. Der Fall hat eine Vorgeschichte.

Von Helene Krause

© Symbolfoto: dpa

Am späten Vormittag des 6. Dezember 2016 gab es im Polizeirevier in Döbeln lautes Geschrei. Ein Mitarbeiter des Reviers, der kurz zuvor von seiner Versetzung erfahren hatte, brüllte laut durch das Haus: „Das wird das Schwein nicht überleben!“ Dabei soll er in die Richtung des Zimmers eines Kollegen geschaut haben. Der vermutlich gemeinte Kollege und der Revierleiter Andrèe Wagner erstatteten Anzeige. Der 47-jährige Polizist erhielt einen Strafbefehl. Er sollte eine Geldbuße zahlen. Dagegen ging er in Einspruch. Der Fall kam vor das Amtsgericht Döbeln. Richter Janko Ehrlich verurteilte den Angeklagten am 15. Juni 2018 zu einer Geldstrafe von 625 Euro. Dagegen ging der Beschuldigte in Berufung. Es kam am Freitag zur Verhandlung vorm Landgericht Chemnitz.

Schon seit 2014 hatten der Angeklagte und sein Kollege immer wieder Streit. Der Geschädigte hatte dem Beschuldigten die Lebensgefährtin ausgespannt. Weil beide und auch die Lebensgefährtin in einer Dienststelle tätig waren, kam es immer wieder zu Konflikten zwischen ihnen. Mehrfach fühlte sich der Angeklagte von seinem Rivalen provoziert. Im Zuge der Streitigkeiten kam es sogar zu einer Körperverletzung. Der Angeklagte hatte seinen Kollegen geschlagen. Da der Täter Waffenträger war, hatte das Opfer vor ihm Angst und musste psychologisch behandelt werden. Auch ein Verfahren vor dem Zivilgericht gab es. Im Zuge des Gewaltschutzgesetzes durfte sich der Angeklagte dem Opfer nicht nähern. Dadurch war es nicht mehr möglich, die beiden Polizisten in einem Revier arbeiten zu lassen. Es kam zur Versetzung des Angeklagten.

Der Beschuldigte, der seit 26 Jahren bei der Polizei ist und sich bisher nichts zu Schulden kommen ließ, verteidigt sich in der Berufungsverhandlung selbst. Gegen das Urteil vom Amtsgericht Döbeln ging er nur in Einspruch, weil er die Geldstrafe nicht zahlen kann und deswegen in Haft will. So schildert er es vorm Berufungsgericht. Auch den Hinweis der vorsitzenden Richterin, das Verfahren gegen eine Geldauflage zugunsten einer Hilfsorganisation einzustellen, verwirft er. „Ich will das Geld nicht bezahlen“, sagt er. „Ich will in Haft.“Dass er etwas gebrüllt hat, gibt er in der Verhandlung zu. Jedoch soll es nicht der Satz gewesen sein, der in der Anklageschrift steht. „Er ist für mich ein Kameradenverräter“, sagt er und meint: „damit ein Kameradenschwein“.

Drei Polizeibeamte schildern als Zeugen den Tathergang so, wie er in der Anklageschrift steht. Dass der Beschuldigte mit dem Wort Schwein nicht seinen Rivalen gemeint hat, glauben sie nicht. Alle im Revier wussten von den Streitigkeiten der beiden.

Richterin Karin Troxler verwirft die Berufung des Angeklagten. Damit ist das Urteil des Amtsgerichts Döbeln gültig. Der Beschuldigte muss die 625 Euro zahlen oder ersatzweise in Haft.

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