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Mittwoch, 07.09.2016

Das WhatsApp-Dilemma

Widerspruch gegen die neuen Regeln für die App bewirkt weniger als gedacht. Alternative Dienste haben Zulauf.

Von Andreas Rentsch

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Die beiden Logos von Facebook und WhatsApp symbolisieren den umstrittenen Umgang mit User-Daten.
Die beiden Logos von Facebook und WhatsApp symbolisieren den umstrittenen Umgang mit User-Daten.

© dpa

Auf „Zustimmen“ tippen oder nicht? Die neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzregeln bei WhatsApp verunsichern nach wie vor viele Anwender. Unter anderem sollen sie dem US-Unternehmen erlauben, Daten wie die Mobilfunknummer eines Nutzers an die Konzernmutter Facebook weiterzugeben. Was viele noch nicht wissen: Der Datentransfer lässt sich nicht verhindern, sondern nur einschränken. Alternative Messenger-Apps wie Threema oder Signal bieten zwar mehr Datenschutz, für manche Nutzer kommen sie aber dennoch nicht infrage.

Was passiert, wenn ich die neuen WhatsApp-Regeln ablehne?

„Stimmen Sie den neuen Datenschutzregeln und Nutzungsbestimmungen nicht zu, sind Sie raus bei WhatsApp“, sagt Jo Bager von der Fachzeitschrift c‘t.

Ich kann doch aber der Weitergabe von Daten an Facebook widersprechen?

Ja. Doch damit verweigert man seine Einwilligung nur auf einer Ebene: Die Weitergabe der Daten zum Zwecke der personalisierten Werbung wird unterbunden. Übermittelt würden die Daten an Facebook aber trotzdem, betont Julian Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Jurist verweist auf eine WhatsApp-Erklärung, in der es heißt, Firmen der Facebook-Gruppe erhielten die geteilten Informationen noch zu anderen Zwecken – zum Beispiel, um Spam bekämpfen oder die technische Infrastruktur der Dienste verbessern zu können.

Wie stelle ich in der App ein, dass ich der Datenübertragung widerspreche?

Wer die Datenweitergabe zum Zwecke personalisierter Werbung verhindern will, muss in den Einstellungen der App am
Menüpunkt „Meine Account-Info teilen“ einen Schieberegler schließen (Apple iOS) oder einen Haken entfernen (Google Android). Sollte jemand den neuen Bedingungen voreilig seine Zustimmung erteilt haben, kann diese „Opt-Out“ noch bis 25. September nachgeholt werden.

Was gehört neben der Mobilnummer noch zu den Account-Informationen?

Zu den Account-Informationen zählen neben Rufnummer und Aktivitätsdaten auch Profilfotos, -namen sowie Statusmeldungen. Diese Angaben würden „im Moment“ nicht an Facebook weitergegeben, teilt WhatsApp mit. „Die Formulierung impliziert natürlich, dass sich dies eines Tages auch ändern kann“, erklärt Jo Bager.

Landen auch lokal gespeicherte Kontakte bei Facebook?

Davon ist nicht die Rede. Allerdings räume sich WhatsApp das Recht dazu bereits ein, sagt Verbraucherschützer Julian Graf.

Was, wenn Nummern ohne Erlaubnis der Betroffenen übermittelt werden?

Dann ist das ein datenschutzrechtlicher Verstoß. WhatsApp scheint allerdings bemüht zu sein, die Verantwortung für die Weitergabe auf die Nutzer der App abzuwälzen. So heißt es jetzt in den aktualisierten Datenschutzbedingungen: „Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern in Deinem (...) Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von Deinen sonstigen Kontakten. Du bestätigst, dass Du autorisiert bist, uns solche Nummern zur Verfügung zu stellen.“ Theoretisch müsste nun jeder Nutzer alle Kontakte seines Telefonbuchs vor der weiteren Nutzung um Erlaubnis bitten, schreibt der Fachanwalt Christian Solmecke in einem Blogbeitrag. In der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat vergangene Woche angekündigt, die gesamte Problematik prüfen zu wollen.

Kann Facebook die Inhalte der WhatsApp-Chats mitlesen?

Nein. Verwenden Nutzer eine Version der App, die nach dem 2. April veröffentlicht wurde, greift die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Damit können weder WhatsApp noch Dritte Inhalte mitlesen. Allerdings hat WhatsApp nach wie vor Zugriff auf die sogenannten Metadaten. Aus denen geht unter anderem hervor, wer sich mit wem austauscht und wie lange das dauert.

Wird WhatsApp jetzt mit Werbung zugepflastert?

Nein, behauptet die Firma. „Wir möchten nicht, dass Du das Gefühl hast, Spam zu erhalten.“ Auch künftig werde es keine Werbebanner von Dritten in der App geben. Stattdessen sei angedacht, Informationen wie den Flugstatus für eine bevorstehende Reise oder Zahlungsbelege für gekaufte Artikel zu übermitteln. Etwaiges Marketing solle laut WhatsApp „Angebote zu etwas enthalten, das Dich interessiert“.

Welche Alternativen zu WhatsApp gibt es?

Einige. Threema als wohl bekannteste ist jedoch kostenpflichtig. Sowohl bei Google als auch bei Apple werden pro Download regulär 2,99 Euro fällig, momentan kostet die App nur die Hälfte. Alternativ seien Gratis-Dienste wie Telegram und Signal zu empfehlen, sagt Jo Bager. Der Umstieg auf einen anderen Messenger als WhatsApp sei übrigens durchaus machbar, wenn ihn ein Freundeskreis oder eine Gruppe gemeinsam beschließe, findet Julian Graf. „Es geht hier ja nicht nur um die eigenen, sondern auch die Daten Dritter.“ Fakt ist: Die Mitbewerber profitieren von der Kritik am Marktführer. Anfang vergangener Woche vermeldete Threema eine Verdreifachung der täglichen Downloads. Bei den absoluten Nutzerzahlen ist allerdings noch Luft nach oben. Zuletzt war von vier Millionen die Rede. Zum Vergleich: WhatsApp hat Anfang 2016 die Milliarden-Marke geknackt.

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Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

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  1. Thomas

    SIMSme wäre auch noch eine deutsche Alternative.

  2. Mighty

    Es mangelt ganz sicher nicht an Alternativen, aber genau da liegt auch das Problem. Man muss in der Gruppe wechseln. Leider sind die meisten nicht zu überzeugen für eine App Geld zu bezahlen. Man regt sich dennoch auf was Whatsapp nun tut. Dabei ist es doch nur logisch. Keine Firma kann etwas kostenlos anbieten. Die Frage ist womit man bezahlt. Mir persönlich missfällt der Gedanke das Firmen, bei denen ich bestimmte Dienste nutze, mehr über mich wissen als ich selber und mich am Ende manipulieren. Das zu verhindern ist nahezu unmöglich, man kann es nur einschränken. Gibt es bald Adressbücher bei denen man den Kontakten einen Schutz vor Weitergabe anhaken kann? Das würde ich mir wünschen. Aber es würde wohl schon viel gewonnen sein wenn man versteht wieviel Gewinn die Anbieter sozialer Netzwerke/Dienste aus den Nutzerdaten "erwirtschaften". Dann erscheinen 2 oder 3 Euro auf einmal nicht mehr so viel für den eigenen und den Datenschutz seiner Kontakte.

  3. TinyGrasshopper

    Ich kann mich meinem Vorredner Mighty nur anschliessen. Leider sind die meisten Menschen nicht zum Wechseln bereit, noch verfügen Sie über die notwendige Sensibilität.

  4. HB

    Es wäre mal schön, wenn folgende Frage beantwortet wird: Was ist mit WhatsApp-Usern, die kein Facebook haben? Ich bin nämlich so einer der wohl seltenen Spezies und ich finde diesen überall empfohlene "Widerspruchseinstellung" in der App bei mir nämlich nicht.

  5. Roberto

    @TinyGrasshopper Dann muss man eben Aufklärungsarbeit leisten. Als ich zu Threema gewechselt bin (und WhatsApp gelöscht habe), sind auch nicht alle von alleine mitgekommen, sondern man musste gewisse Kontakte sensibilisieren. Aber einfach über WhatsApp lästern und nichts dagegen tun, ist keine gute Lösung des Problems.

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