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Donnerstag, 15.02.2018

„Das war phänomenal“

Dreifach-Olympiasieger Ulrich Wehling findet mehrere Gründe, warum Frenzel ein Siegertyp ist.

Mit 19 Jahren wurde Ulrich Wehling 1972 Olympiasieger.
Mit 19 Jahren wurde Ulrich Wehling 1972 Olympiasieger.

© AFP/Getty Images

Eric Frenzel befindet sich auf den Spuren von Ulrich Wehling. Dem einstigen Oberwiesenthaler war das olympische Novum gelungen, dreimal in Folge bei Winterspielen die Nordische Kombination zu gewinnen. In Oberhof verfolgte am Mittwoch Wehling am Bildschirm Frenzels Triumph von Pyeongchang.

Ulrich Wehling, wann waren Sie sich sicher, dass Eric Frenzel gewinnt?

Als er auf der letzten Runde angetreten war, die Lücke gerissen hat und sich absetzen konnte. Das war phänomenal. Die Hoffnung auf seinen Sieg hatte ich aber schon früher.

Was macht Eric Frenzel zu einem Siegertypen?

Eric ist in der Lage, sich bei Höhepunkten zu konzentrieren, auf den Punkt sein Optimum abzurufen. In diesem Winter war seine Springerei bisher nicht so überwältigend. Aber als es nötig war, hat er es drauf. Und er ist inzwischen taktisch geschult durch die vielen Jahre im Weltcup. Er weiß genau, was er will und was er kann.

Lässt sich so etwas lernen?

Durch hartes Training. Man muss sich die Fähigkeit aneignen, jeden Moment noch etwas draufsetzen zu können. Und er ist ein Typ, der sich im Rennen nicht versteckt und weiß, wann er das Letzte aus sich herausholen kann.

Wurden Sie unruhig, als es vor den Spielen in den Weltcups für die Nordischen Kombinierer nicht richtig lief?

Na ja, man war durch die vorolympische Saison verwöhnt, wie das alles so erfolgreich lief. Das schien mir für die anderen Nationen dramatisch zu sein. Ich hatte vermutet, dass die Norweger stärker aufholen. Ganz so sicher, dass alles wie am Schnürchen läuft, war ich mir generell nicht.

Beneiden Sie die heutige Generation für die mehrfachen Medaillenchancen? Bei Ihnen gab es ja nur einen Wettbewerb.

Genau, verteilt auf zwei Tage, eine Nacht dazwischen. Da hat man mehr gerechnet als geschlafen. Die Welt dreht sich aber weiter. Dass es zu mehr Wettbewerben kam, daran durfte ich mitarbeiten. Diese Entwicklung wurde zielgerichtet angegangen, um die Attraktivität der Disziplin zu erhöhen. Wenn sich ein junger Athlet für diesen Sport entschieden hat, dann soll er sich auch gut präsentieren können – nicht nur mit einem Wettkampf aller vier Jahre.

Wie haben Sie sich dabei eingebracht?

Im Frühjahr 1989 wurde ich im internationalen Verband Referent für Regeln und Wettkampfkontrolle. Da ist einiges passiert und dazugekommen mit Sprint, Verfolgung und Teamwettbewerb.

Kommen in diesen Tagen auch eigene olympische Erinnerungen wieder?

Da gab es viele. Seit 1972 war ich dreimal als Athlet und danach – bis auf 1992 und jetzt Südkorea – im Auftrag des Ski-Weltverbandes bei den Winterspielen, in Sotschi auf Einladung der Organisatoren.

Haben Sie einen olympischen Moment?

Es gab drei. 1972 hatte ich mich als Vierter für die Spiele qualifiziert, war unbedarft in eine andere Kultur nach Sapporo gefahren. An Gold war nicht zu denken. In Innsbruck 1976 war der Druck schon relativ groß, weil ich etwas zu verteidigen hatte. Und 1980 in Lake Placid stand die Frage, ob ich es noch mal schaffe.

Sie sind 65, arbeiten Sie noch?

Ich bin Geschäftsstellenleiter des Thüringer Skiverbandes. Mein Vertrag läuft noch bis November.

Es fragte Jochen Mayer.

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