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Samstag, 10.11.2018

Das wär‘s für immer

Thomas Beland leistet Freiwilligendienst im Tierpark Weißwasser. Bei den Tieren hat er seine Bestimmung gefunden.

Von Constanze Knappe

Die Ziegen warten jeden Morgen schon auf Thomas Beland. Er füttert sie und mistet das Gehege aus. Dabei fällt manche Streicheleinheit ab.
Die Ziegen warten jeden Morgen schon auf Thomas Beland. Er füttert sie und mistet das Gehege aus. Dabei fällt manche Streicheleinheit ab.

© J.Rehle

Eine kleine Ziege stupst Thomas Beland am Ärmel. Er schmunzelt. Auch der Ziegenbock schien auf das Heu in seinem Arm nur gewartet zu haben. Wenn es den Tieren gut geht, ist es auch für Thomas Beland ein schöner Tag. Der 29-Jährige leistet Bundesfreiwilligendienst (BFD) im Tierpark in Weißwasser. Der Zufall wollte es, dass er durch Vermittlung einer Freundin zu einem Praktikum in den Zoo kam. Zwei Wochen war er da – und überzeugte sofort. So wurde er gefragt, ob er nicht Lust hätte, wiederzukommen. Er hatte Lust. Über den Bundesfreiwilligendienst bot sich ab August auch die Gelegenheit dazu.

Inzwischen hat sich Thomas Beland gut eingearbeitet. Jeden Morgen um Sieben startet er zur ersten Fütterrunde. Er versorgt Ponys, Alpakas, die Bentheimer Schweine, Ziegen und Schafe im Streichelgehege und auch den Emu. Nach der täglichen Morgenbesprechung ist die nächste Runde dran: Ausmisten. Da fällt ganz nebenbei die eine oder andere Streicheleinheit für die Vierbeiner ab. Wenn das erledigt ist, füllt er Wasser und Heu auf. Dann ist es für diesen Tag auch schon wieder geschafft. Vier Stunden täglich ist er im Zoo zugange. Tierparkchef Gert Emmrich ist froh, dass er ihn hat.

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht und damit dem Wegfall des Zivildienstes wurde 2011 der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Es hatte sich sehr schnell gezeigt, dass viele soziale Einrichtungen, auch Verbände und Vereine ohne die Zivis nicht über die Runden kamen. Das sei auch im Tierpark Weißwasser so, sagt Gert Emmrich. Im Unterschied zu den Teilnehmern des Freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres dürfen Bufdis, wie sie landläufig genannt werden, auch über 27 Jahre alt sein. Bis zu drei Plätze gibt es dafür im Zoo. Einen in der Verwaltung für das Organisieren von Veranstaltungen und zwei im gärtnerischen und im tierpflegerischen Bereich. Thomas Beland sei in beiden Bereichen flexibel einsatzbar. „Die Freiwilligen sind eine Ergänzung, kein Ersatz für die Tierpfleger“, betont Gert Emmrich ausdrücklich. Schließlich gilt wie zuvor bei den Zivis auch für die Bufdis der Grundsatz der Arbeitsmarktneutralität. Der Einsatz ist über das Bundesamt für Familien und zivilgesellschaftliche Aufgaben geregelt und nach dem Willen des Gesetzgebers auf das Allgemeinwohl ausgerichtet. Die Frauen und Männer bekommen ein Taschengeld und sind sozialversichert.

Eigentlich habe er ja Verkäufer gelernt, erzählt Thomas Beland. Aber schon während der Ausbildung sei ihm klar gewesen, dass es das für ihn nicht ist. Einen Job bekam der Boxberger nach der Lehre nicht. Nach acht Jahren ohne Berufserfahrung als Verkäufer ist es mit dieser Perspektive aber ohnehin vorbei. Das sieht man wohl auch von Amts wegen so. Thomas Beland würde am liebsten Tierpfleger werden. Er weiß, dass Lehrstellen dafür heiß begehrt sind. Große Zoos erreichen nicht selten 1 000 Bewerbungen um die wenigen Ausbildungsplätze. Ihm wurde empfohlen, erst einmal ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) zu machen. Er war auf einem Alpakahof. „Wenn es danach ginge, was ich am liebsten machen würde, dann ist es der Umgang mit Tieren“, erklärt er.

Thomas Beland sagt, dass sein Opa Förster war. Er habe ihn zwar nie selbst kennengelernt, aber sein Vater habe ihm viel davon erzählt. Daher komme wohl seine Tierliebe, vermutet er. Einen Tag war er auch in der Futterküche des Tierparks. Jeden Tag dort zu stehen, das wäre nicht so sein Ding. Er ist viel lieber draußen. Auch wenn das in dieser Jahreszeit bedeutet, ohne Ende Laub zu harken. Im Tierpark Weißwasser, der im wahrsten Sinne des Wortes ein schöner Park ist, gibt es eine Menge davon. Aber auch das gehöre nun mal dazu. Im Zoo gefallen ihm besonders die Alpakas, weil sie so knuffig sind. Auch die Hirsche findet er toll. „Wenn die sich kabbeln, da ist schon ganz schön Action“, sagt er. Ein Lieblingstier habe er im Tierpark nicht.

Wenn er nach Hause kommt, warten Hund und Katze auf ihn. Früher spielte er Fußball. Aber derzeit habe er so ein richtiges Hobby nicht. Er würde gern den Freiwilligendienst verlängern. Aber noch mehr wünscht er sich, dass sein Einsatz im Tierpark Weißwasser ein Sprungbrett zu einem richtigen Job in der Tierpflege wird.

Tierpark Weißwasser , Teichstraße 56. Geöffnet ist in der Saison täglich 9 bis 18 Uhr. Tel. 03576 208366.