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Montag, 17.09.2018

Das Stahlwerk wird weiblicher

Das gab es bei Feralpi in Riesa noch nicht: Erstmals hat eine Frau eine Ausbildung als Verfahrenstechnologin begonnen.

Ausbildung von der Pike auf: Am Qualifizierungszentrum Region Riesa lernen die Lehrlinge von Feralpi die Grundlagen der Metallbearbeitung. Als Frau ist Jessica Wehner dort bislang eine absolute Ausnahme.
Ausbildung von der Pike auf: Am Qualifizierungszentrum Region Riesa lernen die Lehrlinge von Feralpi die Grundlagen der Metallbearbeitung. Als Frau ist Jessica Wehner dort bislang eine absolute Ausnahme.

© Lutz Weidler

Riesa. Na klar arbeiten im Stahlwerk Frauen: in der Personalabteilung etwa oder in der Buchhaltung. Aber in der staubbedeckten Werkhalle, wo es kracht, poltert und im Sommer ziemlich heiß wird? Das ist bislang eine ziemliche Männerdomäne – auch wenn man in der Verladehalle auch einer weiblichen Kranfahrerin begegnen kann (SZ berichtete). Aber eine Frau, die im Stahlwerk eine Lehre als Verfahrenstechnologin beginnt? Das gab es bei Feralpi noch nie. Bis jetzt: Seit August ist Jessica Wehner mit dabei.

Sie gehört zu zehn jungen Leuten, die der Stahlhersteller für eine Ausbildung in einem der modernsten Stahlwerke Europas begeistern konnte. Seit sechs Wochen gehören sie zu Feralpi in Riesa. Eine angehende Industriekauffrau ist darunter. Drei Männer, die Maschinen- und Anlagenführer werden wollen. Zwei Herren, die Elektroniker für Betriebstechnik lernen. Drei männliche angehende Verfahrenstechnologen – und Jessica Wehner. „Zum ersten Mal erhält eine junge Frau im Stahlwerk eine spannende berufliche Perspektive inmitten imposanter Produktionsprozesse und mächtiger Urgewalten, die beim Schmelzen von Schrott zu flüssigem Stahl im 1 600 Grad Celsius heißen Elektrolichtbogenofen wirken“, teilt das Unternehmen mit. Mit ihrer Entscheidung für das Berufsbild der „Verfahrenstechnologin für Eisen- und Stahlmetallurgie“ mache sie den Weg für noch mehr Frauen in der vermeintlichen Männerdomäne des Stahlwerks frei.

Zu ihrem Berufsbild gehört es, die Prozessabläufe bei der Roheisen- und Stahlerzeugung zu steuern und zu überwachen. Dreieinhalb Jahre sind für diese Ausbildung vorgesehen, danach winken Jobs in Hütten-, Hochofen- und Stahlwerken, die sich der Roheisen- und Stahlerzeugung widmen – und in Gießereien.

Wobei man es bei Feralpi in Riesa natürlich am liebsten sähe, wenn die Lehrlinge dem Unternehmen erhalten blieben. Das gilt auch für die drei neuen Azubis mit Migrationshintergrund, die das Unternehmen mit italienischen Wurzeln beschäftigt. Sämtliche Neulinge durchlaufen ihre Ausbildung in Kooperation mit dem Qualifizierungszentrum Region Riesa an der Alleestraße, wo auch andere große Industriebetriebe der Region ihren Nachwuchs schulen lassen. „Ziel ist es, die Mädchen und Jungen in eine sichere und feste Anstellung zu bringen und ihnen damit eine Zukunft in der Region Riesa zu ermöglichen“, so Feralpi.

Alle vier Ausbildungsjahre zusammengerechnet, bildet Feralpi damit derzeit 38 Nachwuchskräfte aus. „Ausgeschöpft sind unsere Ausbildungskapazitäten damit nicht“, erklärt Personalleiter Kai Holzmüller. „Auch für Industrie- oder Zerspanungsmechaniker und Berufskraftfahrer in spe haben wir interessante Lehrstellen anzubieten.“ Deshalb empfiehlt das Unternehmen allen Schülern, sich ab sofort mit dem Endjahreszeugnis der Klasse 9 für einen Ausbildungsplatz 2019 zu bewerben.

Um herauszufinden, ob Feralpi der richtige Ausbildungspartner ist, bietet das Unternehmen die Möglichkeit eines ein- bis zweiwöchigen Praktikums, zum Beispiel in den Oktoberferien. Dann könnte der Lehrvertrag schon Weihnachten abgeschlossen sein. Für Jessica Wehner wird die Lehre laut Plan bis Februar 2022 gehen. (SZ)

Weitere Informationen: Luisa Schade, 03525 7491557, www.feralpi.de, Bewerbungen an: [email protected]

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