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Donnerstag, 09.08.2018

Das Rätsel um die Inschrift im Felsen

Die SZ suchte nach Zeitzeugen aus dem Jahr 1949. Mit Erfolg. Sie wussten noch, wer oder was hinter „JP“ stand.

Von Anja Weber und Klara Ermisch

Sie waren hier am Sandloch. Die Jungen Pioniere aus dem Stolpener Ortsteil Helmsdorf. Es war eine erste Tour, der noch viele folgen sollten.
Sie waren hier am Sandloch. Die Jungen Pioniere aus dem Stolpener Ortsteil Helmsdorf. Es war eine erste Tour, der noch viele folgen sollten.

© privat

Sächsische Schweiz. Eine einfache Ritzerei an einem Felsen im sogenannten Sandloch in den Affensteinen bei Bad Schandau stieß bei Günther Brille aus Niedersachsen auf besonderes Interesse. Er entdeckte die Inschrift „JP Helmsdorf 2. bis 4. August 1949“ bei einer Wanderung in der Sächsischen Schweiz. Und genau wie er fragte sich auch die SZ, wie diese dahin gekommen sein könnte.

Allerdings war es gar nicht so einfach, direkte Zeitzeugen aufzuspüren. Immerhin schien aber sicher, dass die Bezeichnung JP für die Jungpionier-Organisation der DDR stand. Der entscheidende Hinweis kam dann letztlich von Marianne Jedrzejak aus dem Stolpener Ortsteil Helmsdorf. In einem Brief an die SZ schrieb sie: „An diese Ferienaktion, die Wanderfahrt einer Pionier-Gruppe unserer Schule erinnere ich mich noch gut. Der Initiator dieser Fahrt, Günter Endler, ist vor acht Jahren gestorben. Nur ich lebe noch. Auf den Klassentreffen, die in zweijährigen Abständen stattfinden, ist diese Tour auch immer wieder Thema.“ Und deshalb sind Marianne Jedrzejak auch einige Einzelheiten bekannt, obwohl sie selbst bei dieser Tour nicht mit dabei war. Sie war wie Günter Endler Lehrerin an der Helmsdorfer Schule. Für diese Route wurde eine Gruppe Jung-Pioniere aus verschiedenen Jahrgängen zusammengestellt. Zelte und Proviant wurden eingepackt und ab ging es in das Affensteingebiet. Die Zelte wurden im Felsengebiet am Dom aufgeschlagen. Lehrer Endler hatte es sich zum Ziel gesetzt, mit den Schülern die Landschaft zu erkunden. Und eben die Gruppe war die erste, die mit auf Tour gehen durfte.

Alles sei recht abenteuerlich gewesen, weiß Marianne Jedrzejak aus den Berichten. Aber die Schüler und auch ihr Lehrer seien allesamt total begeistert gewesen. Und damit sollte das Jahr 1949 in die Geschichte eingehen. Denn von da ab gab es immer wieder solche wunderschönen Ferientouren. Später wurden diese von Marianne Jedrzejak organisiert, die auch Pionierleiterin an dieser Schule war. Die Lehrer mussten sie nur noch ausführen. Sie selbst erinnert sich daran, dass die Schüler von diesen Ausflügen immer glücklich und entspannt zurückkamen. Das Leben in der Natur hätten sie genossen. Und nicht zuletzt haben die Helmsdorfer so auch ein Stück Heimat kennengelernt.

Als Erinnerung an diese erste Zelttour hat Günter Endler die Inschrift in den Felsen geritzt. Sozusagen als bleibendes Zeichen. Auch hat Marianne Jedrzejak viele Erinnerungen an die Schulzeit. Sie war insgesamt 42 Jahre im Schuldienst, davon 25 Jahre an der Helmsdorfer Schule. Als diese mit Stolpen zusammengelegt wurde, wechselte sie mit in die Burgstadt.