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Freitag, 12.10.2018

Das letzte Herbstfest im Naturwissenschaftlich-Technischen Kinder- und Jugendzentrum?

Von Silke Richter

Die Zwillinge Anna-Lena (links) und Vanessa-Lynn, (hier mit Natz-Mitarbeiterin Elena Korotkov), hatten viel Spaß beim Herbstfest. Die Mutter der beiden Mädchen, Susanne Hannuschka, würde es sehr bedauern, wenn es das Natz nicht mehr geben würde.Foto: Silke Richter
Die Zwillinge Anna-Lena (links) und Vanessa-Lynn, (hier mit Natz-Mitarbeiterin Elena Korotkov), hatten viel Spaß beim Herbstfest. Die Mutter der beiden Mädchen, Susanne Hannuschka, würde es sehr bedauern, wenn es das Natz nicht mehr geben würde. Foto: Silke Richter

Hoyerswerda. Alles scheint wie immer beim Herbstfest des Natz, bei dem Familien gemeinsam Zeit mit Spielen, Basteln und Knobeln verbringen können. Kinderlachen und zufriedene Gesichter. Vereinsvorsitzende Ulrike Müller hingegen macht gute Miene zu besorgtem Spiel. Denn die Tage des Natz sind scheinbar gezählt.

Nach dem Weggang der ehemaligen Leiterin Dana Küchler Anfang 2017 standen Ulrike Müller und ihr Team vor der Herausforderung, das Natz allein zu leiten. Mit ein paar ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern und einem Kollegen, der auf geringfügiger Basis beschäftigt wurde, galt es, die zahlreichen Angebote aufrechtzuerhalten. Schon damals beschlich viele Menschen die Angst, dass die Kinder- und Jugendeinrichtung Einrichtung bald schließen müsse – eine Institution, die mehr als fünf Jahrzehnte offene Bildungsarbeit leistete. Das Schlimmste konnte damals abgewendet werden. Im Sommer 2017 gelang es, zwei neue hauptamtliche Mitarbeiter einzustellen, die sich seitdem um die Bereiche Umwelt, Naturwissenschaft, Holz, Mineralogie und Technik kümmern. Ein Kraftakt – oder eine Galgenfrist. Denn beide wurden über das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Leben gerufene Programm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ finanziell gefördert. Kann doch das Natz die Bezahlung allein mit Vereinsgeldern nicht stemmen. Das Projektes läuft aber Ende 2018 aus. Dann fällt für das Natz das Geld weg. Heißt: Ab Januar 2019 sind die beiden Kernbereiche nicht mehr abgesichert. Zudem ist der Altersdurchschnitt des Vorstandes sehr hoch. Es wird dringend Nachwuchs gebraucht. Für Vereinsvorsitzende Ulrike Müller (71) steht definitiv fest: „Ich bin nicht mehr die Jüngste und habe auch noch ein paar persönliche Wünsche. Ich stehe im März nächsten Jahres bei der Wahl nicht mehr zur Verfügung. Dann ist für mich definitiv Schluss.“

Dana Küchler hat die Kündigung ihrer Vereinsmitgliedschaft vor zwei Wochen abgegeben. Somit zählt das Natz zum Ende des Jahres mindestens ein Mitglied weniger. Die ehemalige Natz-Geschäftsführerin hatte sich 2017 beruflich neu orientiert blieb aber Vereinsmitglied, weil ihr der Erhalt des Natz am Herzen liegt und sie ihren Nachfolgern gern mit Rat und Tat zur Seite stehen wollte. „Ich habe aber gespürt, dass meine Hilfe scheinbar nicht benötigt wurde.“ Im Laufe der letzten Monate erkannte die heutige Oberstufenlehrerin auch immer mehr, dass sie sich mit der Entwicklung der offenen Kinder- und Jugendarbeit im Natz nicht mehr identifizieren könne. Dennoch fiel der Schlussstrich Dana Küchler nicht leicht. Zwei Wochen hat sie überlegt. Aber dann kam sie zu der Überzeugung: „Das NATZ ist in einer Sackgasse gelandet. Deshalb ist das mein Entschluss!“

Die Einrichtung brauche eine offene, ehrliche, einladende Atmosphäre für alle Gäste. Ein sozial eingestelltes, motivierendes und motiviertes Team. Die Pflege von Kontakten und Bildung von Kooperationen mit anderen Einrichtungen wie Schulen. Handlungsspielräume für die Mitarbeiter. Und einen Vorstand, der fair und offen mit allen Beteiligten des Natz umgehe.

„Ich wünsche dem Natz viel Kraft zur Umsetzung seiner Aufgaben. Fairness, ein gutes Miteinander für alle und vor allem Eines: Eine neue, dauerhafte Zukunft! Bei der letzten außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende August hatten einige jüngere Menschen ihr Interesse an einer Mitarbeit im Verein gezeigt. Das könnte ein neuer, anderer Anfang sein.“