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Montag, 11.06.2018

Das heißeste Duell des Jahres

Von Maik Schwert

Schwergewicht Phillip Most kühlt sich auf seine Art ab. Foto: Arvid Müller
Schwergewicht Phillip Most kühlt sich auf seine Art ab. Foto: Arvid Müller

© Arvid Müller

Immer wieder greifen die Dresden Monarchs zur Flasche. Außerdem legen sie sich ein nasses Handtuch über den Kopf. Es herrscht eine drückende Wärme. Dennoch entscheiden sich 1 740 Menschen am Sonnabend für American Football statt Freibad. Sie füllen die schattigen Plätze im Steyer-Stadion und bereuen ihr Kommen nicht. Die Besucher sehen ein 35:0 der Dresdner gegen die Hildesheim Invaders. Auf dem Heinz-Field herrscht Monarchie. So steht es auf einem Transparent auf der Nordtribüne. Die Abwehrspieler lassen den Angreifern der Gäste keine Chance. „Sie wollten ja auch etwas beweisen“, sagt Trainer Ulrich Däuber. „Die Gefahr, dass die Hildesheimer punkten könnten, bestand nie.“

Ruppig geht es dennoch zu. Es gibt Spieler, die dem Gegner ein Bein stellen oder in dessen Gesichtsgitter greifen. Einer reißt einen Schiedsrichter um. Der steht wieder auf und schüttelt sich. Weiter geht’s. Helme stoßen aneinander, Körper auch – erhitzte Gemüter auf beiden Seiten. Kein Wunder: Die Sonne knallt auf den Rasen. „Auszeit ist Cheerleader- und Trinkzeit“, wiederholt der Kommentator immer wieder seinen Hinweis. „Denkt dran, es ist heiß. Trinken ist jetzt wichtig.“ Die Monarchs beherzigen den Tipp und trotzen der Schwüle. „Sie macht dem Gegner doch genauso zu schaffen wie uns“, sagt Däuber. Seine Schützlinge setzen der Wärme etwas entgegen und auf dem Platz das um, was er von ihnen fordert. „Darauf trainieren wir hin – hart, schnell, viel laufen. Das zahlt sich aus.“ Sie vermeiden Fehler, arbeiten konzentriert, erzwingen keine Chancen, sondern kreieren sie und schließen ihre Spielzüge ab – effiziente Arbeit statt Show. Runningback Yazan Nasser erläuft im Auftaktviertel den ersten Touchdown. Florian Finke macht den Extrapunkt. Im zweiten Abschnitt schlagen die Dresdner doppelt zu – erst Mike Schallo, dann Mitchell Paige und beide Male Finke. Im Schlussdurchgang legen sie noch zweimal nach – zunächst erneut Paige, schließlich Manuel Behrends mit seinem ersten Touchdown in der German Football League nach Pass von Quarterback Ferras El-Hendi und jeweils Finke. Sie feiern den Arbeitssieg nach einem zwar nicht spektakulären, aber überzeugenden Auftritt und genießen die Abkühlung durch den heftigen Regenguss kurz nach Ende des Spiels.

Behrends und El-Hendi gehören zu den Ersatzspielern, denen der Trainer gegen das Schlusslicht eine Chance gibt. Beide nutzen sie. „Wir hätten zur Pause schon 28:0 führen müssen“, meint Däuber. „In der ersten Halbzeit fehlte, dass wir sagen: ,Jetzt legen wir das Ei da hinten mal rein.‘ Dann hätten wir auch früher einige Backups bringen können.“ Ein paar Dinge probiert er dennoch aus. Laufen statt Passen lautet sein Motto: „Es gab einige Spielzüge, bei denen ein weiter Pass möglich gewesen wäre, aber genau das wollten wir eben nicht. Wir sind dann bewusst ins Laufspiel gegangen und haben ja trotzdem noch ausreichend Pässe gespielt.“

Am nächsten Sonnabend gastieren die Monarchs bei den Kiel Baltic Hurricanes, die am Sonnabend bei den Berlin Rebels mit 28:24 gewannen. Die Dresdner siegten vor zwei Wochen gegen Kiel mit 56:21 und verloren vor einer Woche in Berlin mit 7:30. Die Wiedergutmachung dafür gelang. Däuber verlangt auch in Kiel Druck von Anfang an und erneut ein fehlerfreies Spiel.

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