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Mittwoch, 15.11.2017

Das Haus der 1 000 Möglichkeiten

Das Netzwerk für Jugendarbeit hat im neuen Sitz am Bischofswerdaer Lutherpark deutlich mehr Platz – und will das noch besser nutzen.

Von Nicole Preuß

Die ersten Schmiedearbeiten wurden noch mühevoll in Handarbeit hergestellt. Ein Schmiedehammer soll die Arbeit für viele Kreative aber in Zukunft erleichtern. Das Netzwerk und Sebastian Mikus wollen die Werkstatt im Werk Zwo deutlich erweitern.
Die ersten Schmiedearbeiten wurden noch mühevoll in Handarbeit hergestellt. Ein Schmiedehammer soll die Arbeit für viele Kreative aber in Zukunft erleichtern. Das Netzwerk und Sebastian Mikus wollen die Werkstatt im Werk Zwo deutlich erweitern.

© Steffen Unger

Bischofswerda. Die Halle ist nicht sehr groß, aber sie bietet eine Menge Möglichkeiten. Eine Ecke ist fürs Basteln reserviert, eine andere fürs Schmieden. Die lange Werkbank beherbergt die Werkzeuge für die Holzverarbeitung und bald wird auch noch ein Bereich für die Keramik freigeräumt. Das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit hat in seinem Werk Zwo am Lutherpark eine Menge Platz, um allerhand Fähigkeiten zu entfalten. Und diese Möglichkeiten sollen nun noch ausgebaut werden.

Der Verein will mit Hilfe von Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds „Soziale Stadt“ ein ständiges kreatives Angebot etablieren. Dazu gehört auch, dass er einen Keramikofen, einen Schmiedehammer und verschiedene andere Gerätschaften für die Eisen- und Holzverarbeitung anschafft. „Der Schmiedehammer soll es zum Beispiel möglich machen, dass auch die schmieden können, die nicht die entsprechende Kraft dazu haben“, sagt Birgit Pietrobelli vom Netzwerk. Die Sozialarbeiterin und Betriebswirtin denkt dabei auch an Kinder und Frauen. „Wir wollen in der Halle ein offenes, ständiges Angebot etablieren, das jeder nutzen kann.“

Die kleine Halle auf dem Gelände bietet dafür optimale Voraussetzungen. Sie gab es sozusagen dazu, als der Verein 2014 die einstigen Gebäude einer Dachdeckerfirma und später einer Beschäftigungsgesellschaft kaufte. Das Haupthaus wird vor allem von der Verwaltung genutzt. Die 110 Freiwilligen, die in diesem Jahr ein Freiwilliges Soziales Jahr unter der Trägerschaft des Netzwerks in ganz Ostsachsen absolvieren, kommen aber auch regelmäßig zu ihren Seminaren ins Haus. Die räumlichen Möglichkeiten im Kulturhaus, in dem das Netzwerk bis zum Umzug Räume gemietet hatte, waren lange nicht so vielfältig.

„Wir hatten erst einmal keine Bestimmung für die kleine Halle, aber wir entwickelten bald den Plan, dass man doch dort einfach frei werkeln könnte“, sagt Birgit Pietrobelli. 2016 starteten sie einen Testballon mit einem vorweihnachtlichen Werkeln am Buß- und Bettag. Die Besucher konnten sich in vielen möglichen Handwerken ausprobieren und das kam an. 300 bis 400 Leute fanden den Weg ins Netzwerk. „Wir haben uns gefreut, dass so viele da waren und wir anscheinend wirklich den Nerv der Leute getroffen haben.“

Die Mitarbeiter im Netzwerk entwickelten ein Konzept. Der Verein stellt so in der kleinen Halle verschiedene Gerätschaften und vor allem den Platz zur Verfügung. Er beginnt mit Schnupperangeboten, zum Beispiel zum Thema Schmieden oder Töpfern. Im Idealfall bleiben dann die Bischofswerdaer dabei, probieren sich aus oder leiten auch andere an. Es gibt im Netzwerk bereits eine Schmiedegruppe um zwei professionelle Schmiede, die zum Beispiel erst vor wenigen Wochen einen Schiebock zum Stadtjubiläum zusammengeschweißt haben. Der steht nun auf dem Gelände des Netzwerks. „Es können noch weitere Skulpturen entstehen“, sagt Birgit Pietrobelli. „Oder man schafft anderes.“ Langzeitarbeitslose können auf diese Weise auch kreativ werden. „Wir wollten bewusst nicht zwei Leute für 40 Stunden dafür anstellen. Wir wollen das so etablieren, dass aus Teilnehmern Anleiter werden.“

Das soll dem Projekt auch helfen, über die Förderperiode hinaus weiter zu bestehen. 2020 soll der Zuschuss nämlich geplant auslaufen. Noch gibt es keine Zusage über die Fördermittel. Birgit Pietrobelli ist jedoch guter Hoffnung, dass das klappen könnte. Der Mitarbeiter, der die Werkstatt stundenweise koordiniert, hat schon mit seiner Arbeit begonnen.

Die Bischofswerdaer können die Halle schon am kommenden Buß- und Bettag kennenlernen. Das Netzwerk will das vorweihnachtliche Werkeln wiederholen. Die Burkauer Keramikerin Karla Grziwa wird mit den Besuchern Tassen bemalen. Kinder und Erwachsene können Reifentiere schnitzen. Der Drechsler Lajos Vaga wird seine Arbeit zeigen und die Schmiede Uwe Böhme und Sebastian Müller mit den Besuchern Schmuck gestalten. Gestecke können zusammengestellt werden. Zudem gibt es eine Wichtelwerkstatt und einen Verkaufsstand für Besucher, die gern Fertiges mit nach Hause nehmen. Birgit Pietrobelli hofft, dass ähnlich viele ab 14 Uhr kommen wie 2016. „Wir wollen an den Interessen der Leute anknüpfen“, sagt sie.