• Einstellungen
Donnerstag, 09.08.2018

Das haben sie in 15 Jahren Feuerwehr nicht erlebt

Beim Großbrand im Basteigebiet wurde Außergewöhnliches geleistet. Der Einsatz ist noch nicht beendet.

Von Gunnar Klehm

Brand nicht totzukriegen

Bild 1 von 2

Sebastian Jendrolek und Maik Scholz gehörten zu dem Feuerwehrtrupp, der als erstes an der Brandstelle eingetroffen ist. Schnell mussten sie erkennen, dass sie tief in den Wald mussten. Am Donnerstag standen sie stellvertretend für alle Einsatzkräfte noch mal im Rampenlicht, als Kamerateams des MDR auch für die Sendung Kripo Live am Sonntag drehten.
Sebastian Jendrolek und Maik Scholz gehörten zu dem Feuerwehrtrupp, der als erstes an der Brandstelle eingetroffen ist. Schnell mussten sie erkennen, dass sie tief in den Wald mussten. Am Donnerstag standen sie stellvertretend für alle Einsatzkräfte noch mal im Rampenlicht, als Kamerateams des MDR auch für die Sendung Kripo Live am Sonntag drehten.

© SZ/Gunnar Klehm

Nationalparkleiter Dietrich Butter (2.v.r.) bedankt sich bei den Lohmener Feuerwehrleuten Sebastian Jendrolek (r.), Maik Scholz (l.), Jens Schlesinger und alle anderen Einsatzkräften für ihren bedingungslosen Einsatz.
Nationalparkleiter Dietrich Butter (2.v.r.) bedankt sich bei den Lohmener Feuerwehrleuten Sebastian Jendrolek (r.), Maik Scholz (l.), Jens Schlesinger und alle anderen Einsatzkräften für ihren bedingungslosen Einsatz.

© Marko Förster

Sächsische Schweiz. Müde und mit rußgeschwärzten Gesichtern schleppen sich Norbert Märten und Jens Leuner den aufgewühlten Hang im Wald hinauf. Der Sand unter ihren Füßen gibt immer wieder nach. Der Wasserkanister, den sie tragen, ist leer. „Gerade haben wir wieder ein Glutnest entdeckt“, sagt Märten. Es riecht streng nach verbranntem Holz.

Eigentlich wäre er jetzt mit der Reparatur von Waldwegen beschäftigt. Doch am Donnerstag waren die beiden Nationalpark-Mitarbeiter die zuständige Brandwache im Basteigebiet. Hier hatte es mitten in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz auf etwa 15 000 Quadratmetern gebrannt. Doch auch eine Woche danach glimmt es im Boden zwischen den Felsen noch vor sich hin.

Jetzt sind auch Sebastian Jendrolek und Maik Scholz noch mal am Basteifelsen. Sie gehörten zu jenem Trupp von acht Feuerwehrleuten, der vorige Woche als Erstes vor Ort war. Da hieß es in der Erstmeldung, dass es gegenüber des Kioskes an der Bastei brennt. Von der Zentrale wurde der Einsatz als Brand „mittel“, also nicht sehr außergewöhnlich, eingestuft. Doch es sollte der schwierigste Einsatz werden, den sie in 15 Jahren bei der Feuerwehr in Lohmen erlebt haben. Sie und weitere Kameraden wurden nun ins Basteihotel eingeladen, weil sich ein Vertreter des Umweltministeriums und ein Vertreter des Innenministeriums sowie Sachsenforst, Nationalpark und Bürgermeister bei Feuerwehr und Bergwacht bedanken wollten. Nach den netten Worten und einer Tasse Kaffee schilderten sie noch mal ihre Eindrücke vom Einsatz.

Brand nicht totzukriegen

1 von 6

Am Donnerstag, 2. August, wurde kurz nach 13 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Rund 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Bergwacht schafften es nicht, bis zum Einbruch der Dunkelheit das Feuer zu löschen. Der Einsatz wird unterbrochen.

Am Freitag wurde gegen 6.30 Uhr wieder ausgerückt. Mit 180 Feuerwehrleuten waren es noch mehr Einsatzkräfte. Die wurden zur Ablösung der ausgepowerten Kameraden auch aus weiter entfernten Feuerwehren herangezogen. Es wird sowohl auf dem Felsriff als auch unterhalb gelöscht. So kann verhindert werden, dass sich der Brand Richtung Kurort Rathen ausbreitet.

Gegen 17 Uhr verkündet die Feuerwehr am Freitag: Feuer aus! Eine Notleitung, die von der Elbe über mehrere hundert Meter durch Felsspalten verlegt wurde, bleibt liegen. Der Nationalpark hält die Brandwache.

Jeden Tag mussten seitdem wieder auflodernde Glutnester gelöscht werden. Mehrmals mussten Feuerwehren ausrücken.

Bisher waren 500 Einsatzkräfte beteiligt. Drei verletzten sich beim Einsatz. Drei Kilometer Schläuche wurden im Wald verlegt.

Die Gemeinde Lohmen, die für die Kosten aufkommen muss, bittet um Spenden. Ostsächs. Sparkasse Dresden, IBAN: DE78850503003000061842; Stichwort: Waldbrand Bastei 2018.

Nach der Alarmierung vorige Woche liefen die beiden zur Erkundung von der Basteistraße am Kiosk vorbei bis an die Felskante. Unter ihnen tat sich der Hirschgrund auf. Einen Weg hinüber gibt es nicht. Doch genau auf dem gegenüberliegenden Felsriff, der sogenannten Kraxelbrüderscheibe, stieg eine Rauchfahne hoch, mitten in der Kernzone, die nicht betreten werden darf und keine Wege aufs Riff führen. „Dass dann trotzdem schon zwei Stunden nach Alarm Wasser an den Brandherd geschickt werden konnte, ist eine unglaubliche Leistung“, sagt Steffen Pilz. Der stellvertretende Kreisbrandmeister war kurz danach auch am Brandort, stufte den Brand sofort hoch und übernahm die Einsatzleitung.

Jetzt führt Nationalparkleiter Dietrich Butter noch mal interessierte Journalisten an die abgelegene Brandstelle. Obwohl er schon mehrmals dort war, dauert der Fußweg vom Steinernen Tisch fast 20 Minuten. Man muss über umgestürzte Bäume steigen, die in der Kernzone bekanntlich liegen bleiben. Es geht durch einen schmalen Felsspalt, durch den kein Feuerwehrmann mit Atemluftflasche passen würde. Jeder Baum, an dem man sich abstützt, hinterlässt kohlschwarze Hände. Fast auf dem Hosenboden rutschend gelangt man schließlich bis ans vorderste Riff. „Und das haben die Kameraden, 30 Kilo schwere Schläuche schleppend, auch gemacht“, sagt Kreisbrandmeister Karsten Neumann dem staunenden Reporter. „Das hat niemand überblickt, wie schwierig es ist, in dem Gelände genügend Wasser zur Verfügung zu stellen“, sagt Nationalparkchef Butter. Sie schafften es sogar, Wasser von der Elbe etappenweise hier hochzupumpen.

Vorn auf dem Riff kann man im Blick durch die verkohlten Bäume erahnen, wie romantisch es war, hier zu sitzen. Man kann auf die Elbe und Niederrathen schauen. Vor einem bauen sich Lilienstein und Königstein auf. Doch das ist vorbei. Die Felsen sind mit einer dicken Schicht Sand bedeckt. Was sollte hier brennen? Dietrich Butter zeigt auf einen Nachbarfelsen, der mit Streu und Kraut überwuchert ist und sagt: „Vor dem Brand sah es hier genauso aus“. Dass es keinen Wipfelbrand gab, ist für ihn unerklärlich. Die uralten Riffkiefern müssen großen Widerstand geleistet haben. Die Nadeln sind braun, der Tod dieses Riffkiefern-Urwalds ist sichtbar.

Täglich zweimal macht die Brandwache Rundgang. Die Feuerwehr hat auf der einzigen ebenen Fläche ein Wasserbecken aufgestellt. „Hoffentlich reichen die zwei Kubikmeter“, sagt Märten.