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Freitag, 14.09.2018

Das „dritte Geschlecht“

Die Stadt schreibt eine Stelle an der Oberschule Reichenbach nicht nur für Frauen und Männer aus.

Von Constanze Junghanß

Das Rathaus Reichenbach sucht jemanden für das Sekretariat in der Schule und verwendet dazu neuerdings auch das „d“ als Geschlechterbezeichnung.
Das Rathaus Reichenbach sucht jemanden für das Sekretariat in der Schule und verwendet dazu neuerdings auch das „d“ als Geschlechterbezeichnung.

© Constanze Junghanß

Reichenbach. Ein kleingeschriebener Buchstabe in der Stellenanzeige vom aktuellen Amtsblatt Reichenbach sorgt für Verwunderung. „Die Stadtverwaltung sucht einen Mitarbeiter (m/w/d)“, ist da abgedruckt. Gesucht wird jemand für das Sekretariat der Oberschule. In Klammern stehen dazu die Abkürzungen für das Geschlecht: m für männlich, w für weiblich. So ist das auch den meisten Menschen bekannt und geläufig. Nun steht noch ein dritter Buchstabe in der Anzeige dabei. Bewerben können sich Menschen, die sich „d“ zugehörig fühlen. Das „d“ als Geschlechterbezeichnung taucht weitere dreimal in der Stellenanzeige bei den Berufen auf, die als Mitarbeiter für das Schulsekretariat künftig infrage kommen könnten: beim „Kaufmann“ ebenso wie beim „Verwaltungsfachangestellten“ und beim „Büroassistenten“.

Doch wofür steht die Abkürzung? „D“ ist die Abkürzung für „divers“. Damit werden Menschen bezeichnet, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen können oder wollen.

Die Schulleiterin der Oberschule, Karin Schnaubelt, sagt, dass es zwar bereits mehrere Bewerbungen für die Stelle gab. „Nach dem „d“ hat aber noch niemand in der Schule nachgefragt“, sagt sie. Im Zusammenhang mit einer Stellenanzeige ist das erst seit einigen Monaten öfter in Annoncen zu lesen. Deshalb stellen sich immer wieder Bewerber die Frage, was das „d“ eigentlich heißt. Auch der Schulleiterin sei die Bedeutung des Buchstabens so noch nicht wirklich bewusst gewesen, sagt sie.

Hintergrund für die erweiterte Geschlechtsbezeichnung ist ein Entschluss vom Bundesverfassungsgericht zum sogenannten „dritten Geschlecht“. Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann sehen, soll ein passender Eintrag im Geburtenregister möglich werden. Das kann dann auch arbeitsrechtlich von Bedeutung sein. Bis Ende 2018 soll das umgesetzt werden.

Das „d“ wird aktuell nur von wenigen Arbeitgebern in der Region bei den Stellenausschreibungen tatsächlich genutzt. Die Stadtverwaltung Reichenbach gehört mit zu den Vorreitern, ebenso wie zum Beispiel das Klinikum Görlitz oder auch der ASB-Ortsverband Löbau, die den Buchstaben ebenfalls bei den Stellenangeboten einfügen.

Beim Oberlausitzer Jobportal taucht der Buchstabenzusatz sechsmal bei rund 50 der jüngeren Stellenanzeigen auf. Einige Unternehmen verzichten offensichtlich ganz auf Abkürzungen. So sucht die TVS Fenstertechnik GmbH Reichenbach beispielsweise für das Bauleitungsteam schlicht einen oder eine „Mitarbeiter/in“.

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