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Freitag, 15.12.2017

„Da, wo wir stehen, gehören wir auch hin“

Die Eislöwen gehen als Tabellenvierter in die Rückrunde. Das entspricht ihrer Leistung, erklärt Kapitän René Kramer.

Von Maik Schwert

Können diese Augen lügen? Jedenfalls hat Eislöwen-Kapitän René Kramer die Play-offs als erstes Saisonziel fest im Blick und betont: „Dort ist dann alles möglich.“
Können diese Augen lügen? Jedenfalls hat Eislöwen-Kapitän René Kramer die Play-offs als erstes Saisonziel fest im Blick und betont: „Dort ist dann alles möglich.“

© Thomas Kretschel

René Kramer nimmt am Donnerstag aus gutem Grund in der Loge Platz. Er ist Kapitän der Eislöwen und als solcher am besten in der Lage, Halbzeitbilanz zu ziehen – außer Coach Franz Steer natürlich, der daher auch neben ihm sitzt. „Wir arbeiten hart, können mit unserer bisherigen Leistung sehr zufrieden sein“, meint der Spielführer. Die Blau-Weißen belegen in der Deutschen Eishockey-Liga 2 nach 26 von 52 Duellen Position vier. „Da, wo wir stehen, gehören wir auch hin. Das entspricht unserer Leistung. Diesen Rang möchten wir behalten“, erklärt der Verteidiger die direkte Play-off-Qualifikation zum ersten Saisonziel. „Dafür müssen wir weiter kontinuierlich Punkte gegen alle Klubs holen. Egal, ob der Konkurrent Dritter oder Achter ist – wir wollen gegen jede Mannschaft unser Spiel durchziehen, um immer etwas mitnehmen zu können.“

Er sagt das so dahin. Passenderweise gastieren die Dresdner am Freitag tatsächlich bei den drittplatzierten Kassel Huskies und empfangen am Sonntag den auf Position acht liegenden ESV Kaufbeuren. „Kassel ist unser leichtestes Auswärtsduell“, scherzt der Trainer mal wieder. „Die Huskies haben daheim zehn Partien hintereinander gewonnen. Sie agieren sehr effizient. Also Spaß beiseite: Uns erwartet eine schwere Aufgabe – vom Papier her.“ In den Statistiken gehören die besten Kassel-Profis zu den erfolgreichsten DEL-2-Spielern. Mit Braden Pimm und James Wisniewski stehen Spitzen-Scorer und -Verteidiger der Liga bei den Huskies unter Vertrag. „Wir haben zwar keinen Top-Ten-Feldspieler, dafür aber mit Marco Eisenhut den stärksten Goalie“, meint der Coach. „Bei mir ist die Mannschaft der Star – in der Summe aus Einstellung, Kampfgeist, Spieldisziplin und Willen. Ich brauche keinen Superstar.“

Der Kapitän macht das besonders an der kritischen Phase in dieser Serie fest. „Gerade in der Zeit, als wir mit vielen Ausfällen zu kämpfen hatten, sind wir als Team zusammengerückt“, sagt er. „In Unterzahl sind wir gut unterwegs.“ In dieser DEL-2-Tabelle liegen die Elbestädter auf Platz drei. „Dieser Fakt spricht auch für den Charakter der Mannschaft. Egal, ob Stürmer oder Verteidiger – wir blocken unglaublich viele Schüsse. Das steht aber nirgendwo schwarz auf weiß.“

Dafür landen die Sachsen in Überzahl nur auf Position elf. Kramer gibt zu: „Bei der Umsetzung unseres Powerplays haben wir noch Luft nach oben.“ Er sieht einen Grund dafür in fehlender Abstimmung sowie mangelnden Automatismen und begründet das mit den zahlreichen Verletzten, die entsprechende Wechsel in den Blöcken erforderlich machen. Steer findet das Spiel seiner Schützlinge mit einem Mann mehr auf dem Eis „sicherlich ausbaufähig“ und weiß, warum er mit seinem Spielführer so häufig einer Meinung ist – jedenfalls öffentlich: „Wir sprechen uns vor der Pressekonferenz ab, was wir sagen. Wir arbeiten eben extrem professionell.“ Da gibt der Trainer wieder den Gute-Laune-Bären.

Seine ausgezeichnete Stimmung rührt daher, dass mit Martin Davidek „ein herausragender Überzahl-Stürmer“ nach gut dreiwöchiger Zwangspause ins Aufgebot zurückkehrt. „Wir wollten nach seiner Gehirnerschütterung kein Risiko eingehen“, betont der Coach. „Im Leben hat man lediglich eine Gesundheit. Jetzt ist er so weit wieder fit.“ Dennoch bleibt die Liste der Ausfälle lang: Petr Macholda fehlt aufgrund seiner Schulterluxation eventuell bis zum Ende der Spielzeit. Auf Harrison Reed müssen die Eislöwen wegen seiner Knöchelfraktur möglicherweise bis Januar verzichten. Für den am Knie verletzten Sebastian Stefaniszin haben sie Keeper Henning Schroth geholt. Für Gustav Veisert gehört erneut Verteidiger Arne Uplegger zu ihrem Kader. Er hat am vergangenen Freitag zu Hause beim 4:2 gegen die Lausitzer Füchse sein Debüt gegeben und „seine Aufgabe sehr gut gemacht“, betont Steer.

Die Eislöwen müssen an diesem Wochenende auch noch ohne Timo Walther auskommen. Der Stürmer ist seit mehr als zwei Wochen mit der deutschen U-20-Auswahl unterwegs, spielt derzeit bei der WM in Frankreich und dort eine gute Rolle. „Er ist schon mal als bester Spieler ausgezeichnet worden“, lobt der Trainer. Er betrachtet sich als Nachwuchsförderer. „Wir gehen ordentlich mit unseren Talenten um und integrieren sie. Bei uns sind sie nicht die Deppen“, erklärt der Coach. Er setzt die Jungen nicht nur in der dritten oder vierten Reihe ein, sondern steckt sie mit guten Leuten in die ersten beiden Blöcke. „Das macht jeden Spieler besser und bringt uns als Mannschaft weiter“, meint Steer.

Auch Kramer sieht, dass der Nachwuchs große Sprünge macht: „Die Jungs bekommen sehr viel Eiszeit, entwickeln sich dadurch weiter und lernen aus ihren Fehlern – der eine schneller, der andere langsamer.“ So bauen die Eislöwen ihre Schwächen ab und ihre Stärken auf. Außerdem verschaffen die Talente den Erfahrenen Auszeiten. „Wir haben drei oder vier Reihen auf ähnlichem Level“, sagt der Trainer. „Bei uns erzielen alle Blöcke ihre Tore.“ Kramer dient ihm als bestes Beispiel, warum die Routiniers ihre Pausen benötigen: „Wenn René auf 28 Minuten Eiszeit kommt, geht das an die Substanz, steht er immer unter Strom, und es erhöht die Verletzungsanfälligkeit.“ Neue Ausfälle brauchen die Eislöwen aber am allerwenigsten.

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