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Freitag, 18.05.2018

Da tut sich was im Pückler-Park

Die Sanierung des Viadukts am Herrenberg auf polnischer Seite steht kurz bevor. Auch zur Baumschule gibt es Neuigkeiten.

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Die Sanierung des Viadukts auf polnischer Seite im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau beginnt demnächst. Ende September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Die Sanierung des Viadukts auf polnischer Seite im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau beginnt demnächst. Ende September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

© Christian Köhler

Dr. Renata Stachanczyk ist zuständig für die historische Wiedergestaltung des Pückler-Parks auf polnischer Seite.
Dr. Renata Stachanczyk ist zuständig für die historische Wiedergestaltung des Pückler-Parks auf polnischer Seite.

© Jost Schmidtchen

Bad Muskau. Große Ereignisse werfen schon jetzt ihre Schatten voraus. Wirksam werden sie zwar erst Ende September, doch bis dahin gibt es seitens des Nationalen Instituts für Denkmalpflege (NID) in Warschau im Muskauer Pückler-Park noch viel zu tun. Mehr darüber weiß Dr. Renata Stachanczyk, Landschaftsarchitektin und beim NID zuständig für die historische Wiedergestaltung des Pückler-Parks auf polnischer Seite.

Frau Dr. Stachanczyk, das Viadukt am Herrenberg im Fürst-Pückler-Park soll mithilfe von Interreg-Fördermitteln saniert werden, ein großes Projekt. Wie ist da der Stand der Dinge?

Für die Sanierung des Viadukts hatten wir eine lange Vorbereitungszeit. Der Vertrag zur Sanierung des Bauwerkes konnte erst im Herbst 2016 unterzeichnet werden. Anfang 2017 waren wir damit in der Lage, mit den Planungen zu beginnen. Die zogen sich mit den Ausschreibungen in die Länge.

Warum?

Sie müssen wissen, dass die Ausschreibungsmodalitäten in Polen nicht wie in Deutschland funktionieren. Bekommt bei uns ein Anbieter den Zuschlag und ein anderer, der erst einmal ausgeschieden ist, legt Widerspruch ein, weil er meint, bessere Referenzen zu haben, dann kommen in einem erneuten Bieterverfahren diese Referenzen auf den Tisch und werden nach einem vorgegebenen Punktesystem bewertet. Dabei spielt nicht das Geld die übergeordnete Rolle, sondern die fachliche Qualität. Die Sanierung des Viaduktes am Herrenberg ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Also haben wir demgemäß entschieden.

Wann beginnen die Arbeiten?

In den nächsten Tagen. Bau-Ende wird zum Apfelbaumfest am 29. September sein. Parallel zur Bauwerkssanierung wird auch die Umgebung des Viadukts in Ordnung gebracht. Beispielsweise sind im Umfeld bereits wild gewachsene Bäume abgeholzt worden und es wird weitere Pflegemaßnahmen im Naturbereich geben. Als Höhepunkt des Apfelbaumfestes wird die Übergabe des Viaduktes mit einem Open-Air-Festkonzert „Musik unter den Apfelbäumen“ gefeiert. Dazu erklingt klassische Musik aus dem 19. Jahrhundert.

Was kostet die Sanierung des Viadukts?

130000 Euro, 85 Prozent davon stammen aus der EU-Förderung.

Das Viadukt am Herrenberg hat Sie viele Jahre beschäftigt. Parallel dazu gab es das Baumschulenprojekt, das inzwischen von Touristen gut angenommen wird. Wie ist der heutige Wissensstand um die einstige Baumschule Pücklers?

Es ist uns gelungen, die ursprüngliche Baumschule so wiederzuerkennen, wie sie einmal war. Das war nicht einfach, weil vor allem von der früheren Gebäudesubstanz nichts mehr da ist.

Die Baumschule hat wissenschaftliche Prioritäten gesetzt. Wie wurden Sie der ehemaligen baulichen Grundzüge wieder habhaft?

Auf mehrfache Weise. Wir haben uns als NID mit verfügbaren finanziellen Mitteln aus dem Interreg-Programm in die staatlichen Mittel der Republik Polen „eingeklinkt“. Man muss wissen, dass die Baumschule nicht zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Trotzdem sehen wir das Projekt aber als unterstützungsfähig an. Es gehört ganz einfach zum Gesamt-Areal dazu.

Welche Maßnahmen haben Sie in der letzten Förderperiode für die Baumschule umgesetzt?

Die waren recht zahlreich. Sie umfassten das Apfelbaumfest anlässlich „200 Jahre Fürst-Pückler-Park Muskau“, welches seit 2014 alljährlich im Herbst stattfindet, inzwischen an jedem letzten Septemberwochenende. Es soll das Publikum auf vielfältige Weise mit der Baumschule bekannt machen. Aus dem Interreg-Programm konnten wir eine Reihe von Vorhaben finanzieren, so die Geländevermessung, die Dokumentation des Baumbestandes, die Einholung dendrologischer Gutachten, Baumpflegemaßnahmen; und, was ganz wichtig war: die archäologische Untersuchung hin auf Relikte der gärtnerischen Bebauung wie Wohngebäude und Gewächshäuser. Zum Parkjubiläum wurden in des Fürsten Baumschule 2014 und 2015 insgesamt 200 neue Apfelbäume gepflanzt – von Politikern, Sponsoren und Vertretern staatlicher Institutionen. Auch das NID Warschau hat sich daran beteiligt, ebenso der heutige sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und die ehemalige Oberbürgermeisterin von Weißwasser, Helma Orosz. In diesem Frühjahr haben die jungen Apfelbäumchen erstmals geblüht. Sie sind gut angewachsen.

Wo haben Sie geforscht und recherchiert?

In einschlägigen Archiven, aber auch Zeitzeugen haben berichtet. So hat eine ehemalige Mitarbeiterin der Baumschule, die bis 1945 dort gearbeitet hat, ihr Wissen der Parkstiftung auf deutscher Seite bekannt gegeben, das hat uns sehr weitergeholfen. Ich möchte sagen: Zum Apfelbaumfest werden wir eine offene Ausstellung zur Baumschule gestalten. Und dazu ein interessantes Programm.

Vorher findet aber das deutsch-polnische Parkfest statt. Was wird am letzten Maiwochenende auf dem Festplatz am Blockhaus geboten?

Sehr viel, alle sind schon heute eingeladen.

Fragen: Jost Schmidtchen