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Montag, 23.07.2018

„Da herrscht schon mal Atemnot“

Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus spricht nach dem Trainingslager über Neuzugänge, die Torwart-Frage und das Saisonziel. Und er redet von der Bundesliga.

Aufmerksam verfolgt Trainer Uwe Neuhaus die Übungen seiner Schützlinge auf dem Trainingsplatz in Herxheim. Jetzt bleibt für Dynamo in Dresden noch einiges zu tun.
Aufmerksam verfolgt Trainer Uwe Neuhaus die Übungen seiner Schützlinge auf dem Trainingsplatz in Herxheim. Jetzt bleibt für Dynamo in Dresden noch einiges zu tun.

© Lutz Hentschel

Eine Woche kann verdammt kurz sein, jedenfalls, wenn man so viel vor hat wie Dynamo Dresden im Trainingslager in Herxheim. Wenn man allein auf das Ergebnis des abschließenden Testspieles gegen den 1. FC Kaiserslautern schaut, könnte man zu dem Schluss kommen, wirklich weitergekommen sei der Fußball-Zweitligist in der Pfalz nicht. Doch Uwe Neuhaus ordnet das 1:2 – alle drei Tore erzielte der Gegner – gegen den Zweitliga-Absteiger der Vorsaison sachlich ein. Im Fazit-Gespräch mit den Journalisten erklärt der Cheftrainer, warum er mit dem Trainingscamp trotzdem zufrieden ist – und was jetzt bis zum Saisonstart noch besser werden muss.

Herr Neuhaus, wie sauer sind Sie nach der 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern zum Abschluss?

Warum sollte ich sauer sein? Aus Prinzip, weil wir verloren haben?

Nein, weil Sie die Leistung nicht zufriedengestellt haben dürfte.

Ja, das stimmt. Ich glaube, dass es Kaiserslautern richtig gut gemacht hat. Sie waren spritzig, und wir haben vor allem nach vorn zu wenige Lösungen gefunden. Das ärgert mich ein klein wenig, weil ich mir mehr erhofft hatte. Für die Mannschaft war es nach den intensiven Trainingseinheiten jedoch schwierig, die Beine waren schwer, der Kopf müde. Nach dem Rückstand wollten es die Jungs besonders gut machen, haben aber die Ordnung verloren. Das darf uns nicht passieren.

Wie fällt Ihr Fazit des Trainingslagers insgesamt aus?

Das ist komplett positiv: von der Bereitschaft, von der Aufmerksamkeit, vom Willen, die Dinge auch in den Spielen umzusetzen. Wir haben aber schon nach dem Test gegen Huddersfield gesagt, dass im neuen System der Spielfluss nach vorne noch nicht da ist. Wir werden in den nächsten 14 Tagen viel daran arbeiten, Lösungen zu finden, um gegen gut und tief gestaffelte Gegner wie Kaiserslautern zum Erfolg zu kommen. Das wird uns auch gegen Duisburg und in Bielefeld erwarten. Deswegen war es ein richtig guter Test gegen den FCK, den wir leider nicht bestanden haben.

Sie waren vor 24 Jahren schon mal mit der Wattenscheid zur Vorbereitung in Herxheim. Was hat sich verändert?

Meine Haarfarbe auf jeden Fall. Und ich hatte noch so ein haariges Teil im Gesicht, das ich nicht vermisse.

Von den Trainingsplätzen waren die Spieler offenbar weniger begeistert. Wie haben Sie es empfunden?

Die Plätze haben definitiv Luft nach oben, was auch daran liegt, dass davor noch Kaiserslautern und Braunschweig hier waren. Auf dem Stadionplatz haben außerdem Spiele stattgefunden – auch während unseres Aufenthalts. Dann ist es natürlich schwierig, ihn in Schuss zu halten, er hatte schon einige Macken.

Außer den Fahrten zum Trainingsgelände standen drei Radtouren auf dem Programm. Warum ging es während des Camps so oft aufs Fahrrad?

Viele sagen: Laufen ist durch nichts zu ersetzen. Der Grund, es anders zu machen, ist die schonendere Beanspruchung der Bänder, Sehnen und Gelenke. Der Effekt fürs Herz-Kreislauf-System ist aber gleich.

Wie sind bisher Ihre Eindrücke von den sieben Neuzugängen?

Ich bin sehr zufrieden gewesen mit dem, was sie auf dem Platz gezeigt haben. Aber auch in puncto Integration, besonders bei Linus Wahlqvist, der erst am Montag zu uns gekommen ist. Für ihn ging es schneller, die Mannschaft kennenzulernen.

Gibt es bei Dynamo eigentlich Aufnahmerituale für die Neuen?

Ich lass mir noch was einfallen, aber im Moment haben wir noch nichts.

Sie haben in den Testspielen jeweils zur Pause durchgewechselt, dabei aber die Formationen nur minimal verändert. Ist das bereits ein Fingerzeig für die mögliche Stammelf?

Man kann nicht von Team A und B sprechen. Ich denke schon, dass wir in der Woche bis zur Generalprobe gegen Aston Villa weiterkommen werden, die Formation zu finden, die von den Spielertypen am besten zusammenpasst. Eine endgültige Stammelf wird aber wohl selbst das erste Saisonspiel noch nicht bringen.

Warum nicht?

Wir haben jetzt viel probiert, auch mit Positionswechseln. Sowohl Wahlqvist als auch Brian Hamalainen haben wir zuletzt als Innenverteidiger spielen lassen. Sie sind aber eigentlich für die Außenpositionen vorgesehen. Jetzt gilt es, dieses Puzzle zusammenzusetzen. Damit sind wir noch nicht ganz fertig.

Wie sieht es im Kampf der Torhüter um die Nummer eins aus?

Markus Schubert und Tim Boss sind bislang beide nicht fehlerfrei geblieben, haben aber hier im Trainingslager deutlich ansteigende Form gezeigt. Wir werden sicher die richtige Entscheidung treffen.

Wird die Partie gegen Aston Villa am Sonnabend, 14 Uhr, im DDV-Stadion einen Fingerzeig geben?

Ich habe, soweit ich mich erinnern kann, noch nie bei der Generalprobe die Mannschaft auflaufen lassen, die dann auch am ersten Spieltag zum Einsatz kam. Da rede ich nicht nur vom Torwart. Unsere Mannschaft ist auf vielen Positionen richtig gut besetzt. Für mich ist entscheidend, dass es diesen Konkurrenzkampf über die gesamte Spielzeit gibt. Wie wichtig es ist, im richtigen Moment topfit und auf den Punkt da zu sein, hat die vergangene Saison gezeigt, als wir immer wieder Ausfälle verkraften mussten.

Das ist leider auch derzeit ein Thema. In der Defensive fallen mit Florian Ballas und Marco Hartmann wichtige Spieler aus. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Marco fehlt immer, wenn er nicht dabei ist, weil er große Stärken in der Organisation hat, mit seinem Willen seine Mitspieler anschieben kann. Sollte er fehlen, darf das aber keine Entschuldigung sein.

Wie lange werden Sie auf ihn verzichten müssen?

Es ist zum Glück nichts am Meniskus kaputt, es steht keine Operation an. Er hatte einen Schlag auf den Knochen bekommen, wodurch ein kleiner Bluterguss entstanden ist, der Schmerzen verursacht. Es ist aber schon deutlich besser geworden.

Unabhängig von Hartmanns Verletzung hat Kristian Walter bei Dynamo-TV gesagt, das Kapitänsamt werde neu vergeben. Wer kommt dafür infrage?

Das machen wir in bewährter Weise und geben das am Ende der Vorbereitung bekannt. Jetzt noch nicht.

Sie wollten ein konkretes, ambitioniertes Ziel für die Saison formulieren. Haben Sie es schon gefunden?

Es ist nicht so, dass wir es nach dem 0:0 gegen Huddersfield fünf Plätze nach oben und nach dem 1:2 gegen Kaiserslautern acht Plätze nach unten schrauben. Ich habe Vertrauen in meine Mannschaft. Das adäquate Ziel werden wir noch ausrufen.

Wie gehen Sie damit um, dass mehrere Spieler von der Bundesliga sprechen?

Ich kenne die Spieler ja, und mit den Neuen haben wir auch über ihre Ziele und die des Vereins gesprochen. Dass jeder Profi das Ziel haben sollte, mal erste Liga zu spielen, ist doch völlig normal. Es ist auch mein Ziel, auch wenn‘s der eine oder andere nicht glauben mag. Ich will‘s auch noch mal schaffen. Über den Zeitraum kann man natürlich trefflich diskutieren.

Der Verein hat auf der Mitgliederversammlung im vergangenen November das Jahr 2021 ausgegeben.

Dann hätte ich ja noch eine Menge Zeit, aber ich will es natürlich so schnell wie möglich schaffen. Wichtig ist die Art und Weise, wie wir dieses Ziel angehen. Man kann tollen, begeisternden Fußball spielen und sein Ziel trotzdem nicht erreichen. Aber dann war alles richtig, was man auf diesem Weg unternommen hat. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass der Weg dorthin in diesem Jahr beginnt, mit einer bestimmten Art und Weise, Fußball zu spielen. Am Ende der Spielzeit wird man sehen, ob er der richtige war.

Der Trainerstab ist erweitert worden. Wie beeinflusst das Ihre Arbeit?

Die hat sich schon verändert, wir können jetzt für jede Gruppe spezialisierter arbeiten. Das bedeutet aber auch mehr Kommunikation im Trainerteam, um die vielen guten Ideen zu bündeln. Wir können die zwar nicht alle auf einmal umsetzen, das wird sicher ein paar Monate dauern, bis wir ein gutes Grundgerüst geschaffen haben. Nur die Örtlichkeiten im Stadion sind da noch nicht so, wie sie sein sollten. Wenn sich sieben Mann im Büro drängeln, herrscht schon mal Atemnot. Aber das sind Dinge, die wir im Moment nicht ändern können und mit denen wir sehr gut umgehen.

Das Gespräch notierte Cornelius de Haas.

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