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Donnerstag, 12.07.2018

Cyrkus erobert Schloss

In Klingewalde bereiten 66 Kinder eine Artistikshow vor. Im Uferpark ist sie zu sehen.

Von Ines Eifler

Paula aus Niesky und Louis aus Görlitz gehören zu den Kindern und Jugendlichen, die diese Woche am Sommercyrkus im Schloss Klingewalde teilnehmen. Valentin Hacke (m.) leitet das Camp.
Paula aus Niesky und Louis aus Görlitz gehören zu den Kindern und Jugendlichen, die diese Woche am Sommercyrkus im Schloss Klingewalde teilnehmen. Valentin Hacke (m.) leitet das Camp.

© nikolaischmidt.de

Bunte Bänder wirbeln durch die Luft und zaubern Regenbögen rund um Paula. Die 15-Jährige hält die Schnüre fest in der Hand und lässt sie kunstvoll kreisen. Auch Louis übt sich in Jonglage, hat sich aber das Diabolo dafür ausgesucht. Konzentriert lässt er es hin- und herrollen, strafft die Schnur, um es in die Höhe zu werfen, und fängt es wieder auf. „Es macht so viel Spaß“, sagt der zwölfjährige Görlitzer. Er trainiert seit der ersten Klasse jede Woche im Cyrkusladen auf der Heiligen-Grab-Straße. Zum vierten Mal verbringt er auch in den Sommerferien Zeit mit dem Cyrkus. Paula kommt aus Niesky und nimmt schon zum sechsten Mal am Camp des Kulturbrückenvereins teil. „Ich liebe einfach die Stimmung hier, alles ist so ruhig und entspannt, viele kennen sich schon, aber man findet auch schnell neue Freunde.“

Genau wie Paula und Louis haben sich in diesem Jahr insgesamt 66 Kinder und Jugendliche für „Cyrkus im Sommer“ im Schloss Klingewalde angemeldet. Sie kommen aus Görlitz und Zgorzelec, aber auch aus weiter entfernten Städten wie Dresden, Breslau oder Warschau. In sechs verschiedenen Workshops studieren sie unter der Anleitung deutscher und polnischer Zirkuspädagogen artistische Nummern ein und beleben damit das Schloss.

In jedem Raum geschieht etwas anderes. Oben im Saal kommen Kinder im Clownerieworkshop ihrer komischen Seite näher. Aus dem Gartensaal dringen Klänge selbst erarbeiteter Musikstücke, Rap und Funk. Im großen Saal nebenan üben Jugendliche, die wie Paula und Louis schon seit mehreren Jahren am Cyrkus-Sommercamp teilnehmen, Jonglagenummern. Vor dem Schloss steht ein großes Trapez, an dem mehrere Kinder zu Seilakrobaten werden. In einem Nebengebäude üben Mädchen und Jungen Sprünge auf dem Trampolin. Ein Workshop passt eher für diejenigen, die nicht so gern im Rampenlicht stehen, sondern lieber malen und handwerklich arbeiten. Sie stellen die Kulissen für das Zirkusspektakel zum Thema „Insekten“ her, das die Kinder seit Montag entwickeln und einstudieren, um es am Sonnabendnachmittag im Görlitzer Uferpark an der Neiße aufzuführen. An einem Baum lehnt schon eine große grüne Heuschrecke aus dem Kulissenworkshop, die Bühne ist fast fertig.

„Cyrkus im Sommer“ mit seinen Zeltübernachtungen rund ums Schloss gehört zu den beliebtesten Görlitzer Ferienangeboten. Jeweils seit dem Frühjahr ist das Camp schon ausgebucht. „Und unsere Warteliste ist lang“, sagt Valentin Hacke, Projektleiter und selbst Heil- und Zirkuspädagoge. Zirkusprojekte seien auch insgesamt immer stärker gefragt in Görlitz und Umgebung, etwa bei Schulen und Kitas. Deshalb sei er, der anfangs immer zu den Vorhaben des Kulturbrückenvereins pendelte, vor einigen Jahren nach Görlitz gezogen, auch weil ihm die Stadt mit ihrem internationalen Umkreis als idealer Ausgangspunkt für seine europaweite Arbeit erschien. Für den Erfolg des vor zwölf Jahren erstmals veranstalteten Cyrkus-Sommercamps spricht, dass viele der ersten Kinder, die teilnahmen, heute als Helfer mit Verantwortung übernehmen. Dazu wird bald auch Paula gehören: „Wenn ich 17 bin, möchte ich gern als Betreuerin dabei sein.“

Termine: Freitag, 16 Uhr: Generalprobe am Schloss Klingewalde; Sonnabend, 15 Uhr: Aufführung im Görlitzer Uferpark

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