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Samstag, 13.10.2018

Chaos durch verlegte Fernbushaltestelle

Die Bayrische Straße wird neu asphaltiert. Reisende suchen vergeblich Hinweisschilder.

Von Daniel Krüger

Parkende Busse auf zu engem Raum auf der Andreas-Schubert-Straße, Fahrgäste sind genervt.
Parkende Busse auf zu engem Raum auf der Andreas-Schubert-Straße, Fahrgäste sind genervt.

© Christian Juppe

Desorientiert steht eine Gruppe von Frauen mit Koffern am Straßenrand. Anstatt am Hauptbahnhof setzte der Flixbus sie an der Kreuzung Andreas-Schubert-Straße/Strehlener Straße ab. Wegen Bauarbeiten an der Bayerischen Straße mussten die Fernbushaltestellen verlegt werden. Die Frauen, die für ein Mädelswochenende aus Potsdam gekommen sind, suchen nun verzweifelt nach dem Weg zu ihrem Hotel. „Nicht mal eine Infotafel gibt es hier“, ärgert sich eine kurzhaarige Dame mit Brille aus der gleichen Reisegruppe. Und tatsächlich: Auf den provisorisch entlang des Bürgersteigs angebrachten Haltestellenschildern sind lediglich Aufkleber mit dem Logo des Anbieters Flixbus zu sehen.

Auch einen Infoschalter oder Abfahrtspläne sucht man vergebens. Eigentlich sollte hier immer eine Dame mit grüner Jacke stehen, an die man sich wenden kann, erklärt Herr Marci, ein Busfahrer, zwei aufgeregten Studentinnen, die den Bus nach München suchen. Die Servicemitarbeiterin ist jedoch weit und breit nicht zu sehen.

In Dresden wird zur Zeit so viel gebaut, stöhnt Marci. Er fahre die Strecke zwischen Mannheim und Dresden mehrmals in der Woche. Wegen der Bauarbeiten könne er jedoch nicht einmal mehr auf der richtigen Straßenseite halten, um die Fahrgäste einsteigen zu lassen. „Die haben mich einfach hier hin geschickt“, sagt Marci und wendet sich den nächsten Passanten zu, die weitere Fragen haben. Die Busfahrer sind hier offensichtlich die einzigen Informationsquellen für Reisende.

Generell scheint bei der Koordination und Organisation der verlegten Haltestellen einiges schiefgelaufen zu sein. Einzig an den aufgestellten Dixiklos bildet sich am Freitagmorgen keine Schlange. Eine Familie mit Kind steht inmitten einer Traube von mehr als hundert Reisenden. Ihr Freund möchte nach Berlin, erzählt die Mutter. Weil die Beschilderung vom Hauptbahnhof bis zu den Ersatzhaltestellen dürftig sei, habe er sogar den Bus verpasst. Über eine Stunde müssen die drei nun warten und auf einen freien Platz hoffen. Bei Flixbus indes sieht man keine Probleme. Es gebe genug Hinweisschilder, teilt die Pressestelle mit. Auf den Tickets sei zudem eine Karte mit den verlegten Haltestellen abgedruckt.

Gleichzeitig steuern immer mehr Busse die enge Straße an und behindern sich dabei gegenseitig. Ein junger Mann rennt vom Hauptbahnhof die Strehlener Straße entlang und ignoriert dabei mehrere rote Ampeln an einer großen Kreuzung. Der Fußweg vom Hauptbahnhof dauert circa sechs Minuten. Viele haben es eilig. Besonders weil sie nicht wissen, wo ihr Bus abfahren wird, begeben sich einige aus Zeitdruck auch in Gefahr.

Die Autofahrer scheinen sich im Gegensatz zu den Fernbusgästen gut auf die Situation eingestellt zu haben. Sie vermeiden die Unterführung an der Andreas-Schubert-Straße weitestgehend. An der Bayrischen Straße läuft der Verkehr gut, weil nur der Anliegerverkehr erlaubt ist. Von der Winckelmannstraße aus gibt es eine gut funktionierende Umleitung über Lindenau - und Bergstraße.

Die Bauarbeiten auf der Bayerischen Straße sollten eigentlich am Sonntag abgeschlossen sein. Das Straßen- und Tiefbauamt lässt hier bereits seit September die Fahrbahndecke erneuern. In diesem Zuge werden auch einige Straßenabläufe und Schachtabdeckungen repariert. Weil es dort jedoch zu Entwässerungsproblemen gekommen ist, hat die Stadt kürzlich mitgeteilt, dass sich das Ende der Bauarbeiten um eine Woche verschiebt. Am 20. Oktober soll alles fertig sein. Dann fahren die Fernbusse wieder am Hauptbahnhof ab.

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