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Mittwoch, 14.03.2018

Bürgermeisters gute Stube

Der restaurierte Bautzener Ratssaal kann ab sofort wieder genutzt werden. Er verbindet Historie und Moderne.

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Blick in den Ratssaal

Tagen in historischem Ambiente: Der Ratssaal im Bautzener Rathaus wurde monatelang restauriert. Jetzt erinnert er optisch mehr als bisher an frühere Zeiten – und bietet als Konferenzraum trotzdem moderne Technik.
Tagen in historischem Ambiente: Der Ratssaal im Bautzener Rathaus wurde monatelang restauriert. Jetzt erinnert er optisch mehr als bisher an frühere Zeiten – und bietet als Konferenzraum trotzdem moderne Technik.

© Uwe Soeder

Bautzen. Monatelang war sie Baustelle, jetzt ist sie wieder vorzeigbar: die gute Stube im Bautzener Rathaus. Am Dienstag wurde das Ergebnis der aufwendigen Arbeit von Restauratoren und Technikern präsentiert. Im Ratssaal hatten sie einen Spagat zu meistern. Auf den ersten Blick dominiert das wiederhergestellte historische Ambiente: das bemalte Deckengewölbe, der dunklere Farbton an den Wänden, die hölzerne Wandverkleidung und das wieder glänzende Parkett. Doch der Ratssaal ist kein Museumsraum, der nur zeigen soll, wie Bautzens Ratsherren früher residierten. Hier werden auch heute Gäste der Stadt empfangen. Vor allem aber dient er als Sitzungsraum für verschiedene Gremien, vor allem die Ausschüsse des Stadtrates.

Blick in den Ratssaal

Dafür wurde – zum Teil etwas versteckt – moderne Technik eingebaut. So bietet der große Sitzungstisch alle Anschlüsse, die heutzutage gebraucht werden. „Unter dem Tisch verläuft ein Kabelbaum mit etwa 20 Zentimeter Durchmesser“, erklärt Jobst Jaekel, der die Arbeiten im Ratssaal betreut hat. Während früher meist Stellwände aufgebaut wurden, um bei Sitzungen etwa Karten oder anderes Anschauungsmaterial anzupinnen, gibt es jetzt für Präsentationen eine Medienecke mit Lautsprecher, Leinwand, Beamer und beschreibbarer Tafel. Wenn all das nicht gebraucht wird, verschwindet es in einem extra dafür geschaffenen Schrank. Die anderen Holzverkleidungen existierten bereits. An der Längsseite gegenüber den Fenstern wurden sie aber ein Stück in den Raum hineingerückt. Jetzt ist dahinter mehr Stauraum für solch profane Dinge wie Garderobe und eine Miniküche. Selbst zusätzliche Stühle finden in diesen Wandschränken Platz. So wirkt der Ratssaal nun sehr aufgeräumt.

Größte Herausforderung: die Akustik

Die größte Herausforderung, die bei der Sanierung zu meistern war, sagt Architekt Axel Jäkel, war aber die Akustik. Früher ließen sich wegen des Widerhalls die Diskussionen am Beratungstisch nur schwer verfolgen. Auch die fürs Protokoll gefertigten Aufzeichnungen auf Band waren akustisch mitunter kaum zu verstehen. Allerdings durften nicht einfach Schallschutzelemente, wie anderswo üblich, an die Wände geschraubt werden. Die Hälfte der Maßnahmen, die in einem Gutachten vorgeschlagen wurden, konnten laut Jäkel wegen des Denkmalschutzes nicht umgesetzt werden. Die Lösung für das Problem sieht gar nicht nach Schallschutz aus: Schwere dunkelrote Samtvorhänge an den Fenstern sollen nun zusammen mit gepolsterten Stühlen und einem Teppich unterm Tisch den Schall schlucken. Zusätzlich wurde ein Dämmstoff auf den Wandschränken angebracht – nicht sichtbar.

Sofort ins Auge fällt dagegen die Decke. Das Gewölbe war vorher komplett weiß getüncht, nur die farbigen Ornamente am Ende der Bögen setzten Akzente. Jetzt ist die Decke wieder reich verziert. In einem ersten Schritt waren 20 verschiedene Farbvarianten gefunden worden. Nach Rücksprache mit der Denkmalpflege wurde entschieden, die Fassung aus dem Jahr 1895 wiederherzustellen. „Es ist gelungen, über 90 Prozent der alten Bemalung freizulegen“, sagt Restaurator Jörg Freund. Der Rest wurde ergänzt. Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) ist vom Ergebnis begeistert: „Es greift lustvoll die alte Schönheit der Stadt auf.“

Tag der offenen Tür geplant

Etwas fehlt aber noch: Im Ratssaal soll in Zukunft wieder eine Galerie mit Abbildern früherer Bürgermeister hängen. Das war seit Mitte des 18. Jahrhunderts üblich, doch 1950 verschwanden die Porträts von den Wänden. Mehr als 70 sind laut Ahrens im Museum noch vorhanden. Daraus sollen nun 20 bis 25 ausgewählt werden. Dabei gebe es aber keine Eile.

Schon in Kürze werden hingegen alle, die sonst keine Gelegenheit dazu hätten, den restaurierten Ratssaal besichtigen können. Voraussichtlich in der Woche nach Ostern – ein genauer Termin steht noch nicht fest – soll ein Tag der offenen Tür stattfinden. Dann kann jeder sehen, wie Bautzens Stadtväter – heute wieder – residieren.

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