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Montag, 13.08.2018

Brückenschläge für Hoyerswerda

Architektur-Professorin Dr. Nina Gribat von der TU Darmstadt forscht mit Studenten bei einer Sommerschule.

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Schon 2003 war eine neue Altstadt-Neustadt-Brücke ein Thema im Projekt „Hoywoy unfolding“ einer Hamburger Uni.
Schon 2003 war eine neue Altstadt-Neustadt-Brücke ein Thema im Projekt „Hoywoy unfolding“ einer Hamburger Uni.

© N.Keipert

Prof. Dr. Nina Gribat leitet seit 2016 an der TU Darmstadt das Fachgebiet Entwerfen und Städtebau.Studiert hat sie in Darmstadt, in Berlin und in Sheffield (England).Ihre Dissertation beschäftigte sich 2010 mit der Zukunftsplanung im schrumpfenden Hoyerswerda.
Prof. Dr. Nina Gribat leitet seit 2016 an der TU Darmstadt das Fachgebiet Entwerfen und Städtebau. Studiert hat sie in Darmstadt, in Berlin und in Sheffield (England). Ihre Dissertation beschäftigte sich 2010 mit der Zukunftsplanung im schrumpfenden Hoyerswerda.

© Mirko Kolodziej

Frau Professor Gribat, was ist eine Städtebau-Sommerschule?

Eine Städtebau-Sommerschule ist ein Lehrformat in Form einer Blockveranstaltung. In der Regel findet so etwas in der vorlesungsfreien Zeit statt. Studierende, die Lust auf eine etwas intensivere Lehrveranstaltung haben, melden sich dazu an. Man macht das, weil man so eine ganz andere Intensität in der Zusammenarbeit mit den Studierenden erreichen kann.

Es sollte am 19. August losgehen. Warum wird es nun erst später?

Es gab ein paar organisatorische Unklarheiten. Da spielte zum Beispiel der Umstand eine Rolle, dass der August ein Ferienmonat ist. Das hatten wir nicht richtig bedacht. Dementsprechend fangen wir nun am 24. September an und werden bis zum 6. Oktober in Hoyerswerda sein.

Was ist die Aufgabe der Studenten?

Die Studierenden werden sich erst einmal intensiv mit Hoyerswerda, den Bewohnerinnen und Bewohnern auseinandersetzen, um zu verstehen, welche Historie die Stadt hat, wie es zu dieser nicht immer ganz optimalen Gegenüberstellung von Alt- und Neustadt gekommen ist oder wie sich dieses Verhältnis gewandelt hat. Das ist die Basis dafür, Interventionen vorzuschlagen, die im Prinzip Alt- und Neustadt etwas näher zueinander führen – sowohl in baulicher Hinsicht als auch auf der Ebene der Bewohnerinnen und Bewohner.

Der Brückenschlag im Titel der Sommerschule ist ebenso buchstäblich wie im übertragenen Sinn zu verstehen?

Genau. Deswegen haben wir auch ein Wort gewählt, das mehr als die Brücke an sich ist. Uns ist daran gelegen, etwas strategischer ans Entwerfen heranzugehen. Das ist ja ein Prozess, bei dem man landläufig darüber nachdenkt, im Prinzip ein Design als Antwort auf eine bestimmte Fragestellung zu produzieren, also etwa einen Brückenkörper zu entwickeln. Dabei ist oft die Zeit nicht so mitgedacht. Und beim strategischen Entwerfen ist das anders. Dabei wird die Zeit mehr mitgedacht.

Es geht nicht darum, im nächsten Jahr eine Brücke zu bauen, sondern zu überlegen, wie man Neu- und Altstadt über zehn oder zwanzig Jahre annähert?

Das ist die Idee. Wenn man alles auf die eine Brücke setzt, ist die Gefahr sehr groß, dass sie am Ende nicht gebaut wird. Dementsprechend gibt es auch keine Verbesserung. Wenn man ein Objekt entwirft, kommt es oder es kommt nicht. Damit geht man auf Risiko. Wenn ich mir aber einen strategischen Prozess überlege, in dem ich verschiedene Interventionen aneinanderreihe und die Folge dieser Interventionen vom Erfolg oder Misserfolg der vorherigen Intervention abhängig mache, habe ich viel größere Aussichten auf Erfolg.

Wird das nur eine Lehr-Übung oder eine Art Vorschlagsliste für die Stadt?

Es wäre natürlich wünschenswert, dass sich in der Stadt ein Interesse daran regt. Das können wir aber schlecht beeinflussen.

Muss das Rathaus sagen: „Her damit!“?

Naja, es muss nicht immer nur das Rathaus sein, das sich bestimmter Dinge annimmt. Es gibt ja in Hoyerswerda eine sehr aktive Bürgerschaft, die viel auf die Beine gestellt hat. Im günstigsten Fall kann man verschiedene Ideen gemeinsam entwickeln. Es ist nicht damit getan, dass wir einen Ideenkatalog erarbeiten und ihn übergeben. Sondern es braucht Leute vor Ort, die Lust haben, mitzumachen.

Wo können denn diese Leute die Studierenden und ihre Professorin treffen?

Wir haben verschiedene Termine geplant, wo wir uns wünschen, dass viele Bewohnerinnen und Bewohner aus Hoyerswerda oder Interessenten, die woanders wohnen, zu uns kommen und mit uns diskutieren. Wir werden aber auch relativ öffentlich arbeiten, teilweise an der Orange Box, teilweise im Bürgerzentrum und sehr viel direkt im öffentlichen Raum in der Stadt.

Fragen: Mirko Kolodziej