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Donnerstag, 09.08.2018

Brotzeit im Landkreis Meißen

Gegen Hunger: Der soziale Verein von Schauspielerin Uschi Glas engagiert sich mit Schuljahresbeginn auch in Sachsen.

Von Catharina Karlshaus

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Von ihr wurde brotZeit e.V. 2009 gegründet: Schauspielerin Uschi Glas (rechts) im Kreise von Kindern, die in den Genuss der Frühstücksversorgung kommen. Kredenzt wird es ihnen von ehrenamtlich tätigen Senioren.
Von ihr wurde brotZeit e.V. 2009 gegründet: Schauspielerin Uschi Glas (rechts) im Kreise von Kindern, die in den Genuss der Frühstücksversorgung kommen. Kredenzt wird es ihnen von ehrenamtlich tätigen Senioren.

© Michael Tinnefeld

Verantwortlich für den Raum Dresden: Isabel Kochale.
Verantwortlich für den Raum Dresden: Isabel Kochale.

© Anne Hübschmann

Ein Kind geht abends hungrig ins Bett. Es steht mit leerem Magen auf und sitzt am Vormittag, ohne einen Happen zu essen, in der Schule. Das gibt es tatsächlich in Deutschland? „Nein“, sagt Isabel Kochale. „Das gibt es nicht irgendwo in Deutschland, sondern gleich vor der Haustür, hier bei uns in Sachsen!“ Wie die Projektkoordinatorin des Vereins brotZeit für den Raum Dresden betont, würden bundesweit bis zu 30 Prozent der sechs- bis zehnjährigen Grundschüler während des Unterrichts an akutem Hunger leiden.

Alarmierende Zahlen, von denen vor fast zehn Jahren auch die Schauspielerin Uschi Glas hörte. Gemeinsam mit ihrem Mann Dieter Herrmann und Rechtsanwalt Dr. Harald Mosler gründete die mittlerweile 74-Jährige in München den Verein brotZeit. Kinder aus einem schwierigen sozialen Umfeld sollen zu ausgewogener Ernährung erzogen werden und dabei noch emotionale Zuwendung erfahren.

Während Uschi Glas und ihr Mann anfangs noch mit selbst gekauften, abgepackten Lebensmitteln in die Schulen gefahren sind, um sie an die Kinder zu verteilen, gibt es inzwischen ein deutschlandweites Netz an Helfern. Mit der Gründung des Vereins, so Isabel Kochale, sei das Projekt auf solide organisatorische Beine gestellt worden. Und habe mit unglaublichen sechs Millionen ausgegebenen Frühstücken einiges erreichen können.

Praktisch bedeutet das: In zehn Förderregionen – dazu zählen neben München, Hamburg, Berlin, Leipzig, Mittelfranken auch das Rhein-Ruhrgebiet, Frankfurt und Salzgitter – werden Mädchen und Jungen mit kostenlosem Frühstück versorgt. 200 Grund- und Förderschulen kommen durch Spenden, öffentliche Zuschüsse und zahlreiche Kooperationspartner in den Genuss von Milch, Müsli, Obst, Brot, Wurst, Käse und Marmelade.

„Die Lebensmittel werden dabei an sämtlichen Schulen von einem Kooperationspartner zur Verfügung gestellt. Über ein Online-System können die Schulen die Waren direkt beim zuständigen regionalen Vertriebszentrum bestellen. Sie werden dann ohne Unterbrechung der Kühlkette aller 14 Tage direkt geliefert“, erklärt Isabel Kochale.

Seit Juni baut die 41-jährige Dresdnerin den neuen Vereinsstandort rund um die Landeshauptstadt auf. 25 Einrichtungen, darunter die Förderschule in Priestewitz und die Schule für geistig Behinderte in Meißen, sollen ab Ende August beziehungsweise in der Zukunft zur brotZeit-Familie gehören. Das Besondere daran: Im Gegensatz zu anderen Bundesländern unterstütze der Freistaat Sachsen das Projekt zu 90 Prozent mit öffentlichen Fördermitteln. „Das ist ein erfreuliches und vor allem sehr deutliches Bekenntnis im Sinne der Kinder“, sagt Isabel Kochale.

Damit den Schülern zwischen Pirna Sonnenstein und der Domstadt aber tatsächlich bald der Frühstückstisch gedeckt werden kann, bedürfe es jedoch noch einer wichtigen Vereinszutat – den aktiven Senioren. Gut 1 500 in ganz Deutschland haben bisher auf ehrenamtlicher Basis das Vorhaben mit Leben erfüllt. Morgens das Frühstücksbuffet vorbereiten, nach dem Essen alles wieder in den Kühlschränken verstauen und darüber hinaus mit den Kindern schwatzen, lachen und ihnen das Gefühl geben, da ist jemand wirklich an ihnen interessiert.

„Das Rückgrat unserer Programme sind die aktiven Senioren! Über das Frühstück hinaus beteiligen sie sich auch an der gezielten Förderung der Schüler, um schulische Defizite im Bereich Sprache, Sozialkompetenz und Sport zu beheben“, so Isabel Kochale. Die lebenserfahrenen Frauen und Männer könnten Ängste nehmen und Barrieren zu überwinden helfen. In der Regel würden sie schnell zu wichtigen Bezugspersonen der Kinder, die Werte eben nicht nur erklären, sondern auch praktisch vorlebten.

Fleißige gute Geister, die momentan ganz schnell für den Raum Priestewitz und Meißen gefunden werden müssten. Geistig und körperlich rege Menschen, welche für den brotZeit-Verein tätig sein wollen. Nicht täglich, aber zu einem Pool von engagierten Mitstreitern gehörend, die ein- bis zweimal in der Woche aktiv werden.