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Donnerstag, 06.09.2018

Boss fliegt wieder

Rechtzeitig in der Ligapause ist Dynamos Neuzugang im Tor wieder fit – und sein Konkurrent nicht da. Dummerweise fehlt aber auch der neue Trainer.

Von Tino Meyer

Der linke Oberschenkel ist vorsichtshalber getapt, der Muskelfaserriss ereilt Tim Boss in der Vorbereitung aber trotzdem – im rechten Oberschenkel.
Der linke Oberschenkel ist vorsichtshalber getapt, der Muskelfaserriss ereilt Tim Boss in der Vorbereitung aber trotzdem – im rechten Oberschenkel.

© Robert Michael

Er ist wieder da – und damit ausnahmsweise nicht Cristian Fiel gemeint. Dass Dynamo Dresdens B-Jugend-Trainer immer noch die Trainingseinheiten der Zweitliga-Profis anleitet, ist tatsächlich die überraschendere Nachricht. Dabei sollte doch eigentlich die Rückkehr des zuletzt verletzten Torwarts Tim Boss perspektivisch von größerer Bedeutung sein. Schließlich ist Fiel, so sehr sich ihn ein Großteil der Fans als Chef auf Dauer wünschen, von Sportchef Ralf Minge kategorisch zur Übergangslösung erklärt worden.

Bleibt der Publikumsliebling – etwa aus Mangel an Nachfolgekandidaten des am 22. August entlassenen Uwe Neuhaus – nun doch länger? Eine offizielle Antwort darauf gibt es vorerst nicht, stattdessen unzählige Gerüchte und Spekulationen.

Auch Tim Boss macht sich seine Gedanken. „Die Umstände sind nicht so glücklich, das haben wir uns anders ausgemalt“, sagt der 25-Jährige. Er und seine Mitspieler haben genauso wie vermutlich Fiel selbst gedacht, dass der neue Trainer längst da ist. Ist er aber nicht, was Tim Boss im Prinzip egal sein könnte – und auch wieder nicht.

Nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel, den der Sommer-Neuzugang Ende Juli und damit zwei Wochen vor dem Ligastart zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt erlitt, hat er die Reha beendet und sich am Montag im Mannschaftstraining zurückgemeldet. „Der Zeitpunkt der Verletzung war wirklich sehr ungünstig, hadern hilft aber auch nicht“, sagt Boss, ein ruhiger Typ mit klaren Vorstellungen.

Die Mutmaßung, er hätte eine kleinere Blessur in der Vorbereitung nicht richtig ausheilen lassen und damit den Faserriss provoziert, weist er zurück. „Eigentlich hatte ich keine Beschwerden mehr, und dann ist es beim Aufwärmen für das Testspiel gegen Kaiserslautern doch passiert, genau an der gleichen Stelle“, erklärt er. Der ergebnisoffene Konkurrenzkampf, den Trainer Neuhaus damals ausgerufen hatte, war damit entschieden. Im Tor stand natürlich Markus Schubert, genauso wie bei den ersten drei Ligaspielen sowie beim Pokal-Ausscheiden gegen Rödinghausen.

Doch nun ist Boss wieder fit – und Schubert nicht da, sondern bei der U 21-Nationalmannschaft. Die Situation scheint also günstig zu sein. Die Punktspielpause garantiert schließlich neben vielen Trainingseinheiten auch noch ein Testspiel. Während Schubert mit der deutschen Auswahl am Freitag in Fürth auf Mexiko trifft, spielt Dynamo in Wilsdruff gegen den tschechischen Erstligisten Bohemians Prag. Wer dann als Trainer an der Seitenlinie steht, spielt für Boss erst mal keine Rolle. Sicher ist, dass er spielt. „Also denke ich mal“, entgegnet der gebürtige Kölner. Und nur darum geht es zunächst einmal.

Boss braucht dringend Spielpraxis, das Gefühl für Schüsse und das Auftreten seiner Vorderleute, unten denen sich mit Dario Dumic und Brian Hamalainen zwei weitere Neuzugänge befinden, die ebenfalls nach Sicherheit suchen.

Noch besser wäre natürlich speziell für einen Torwart, wenn der neue Trainer, sofern es ihn denn geben soll, so viele Vor-Ort-Eindrücke wie möglich sammeln kann. Insofern ist jeder ergebnislose Tag womöglich doch ein verlorener. Die Vermutung liegt jedenfalls nahe, dass dann auch die Torwartfrage nicht neu gestellt und gar entschieden wird. „Das weiß ich nicht, das muss der neue Trainer beurteilen“, betont Boss, und er wiederholt, was er bereits zum Auftakt der Sommervorbereitung gesagt hat: „Ich bin auch selbstbewusst genug zu sagen, dass ich im Tor stehe, wenn ich fit bin und meine Leistung bringe.“

Schubert hat die Kampfansage damals vernommen, und er wird auch diesmal wissen, dass er sich jetzt wieder neu beweisen muss. Und vielleicht denkt er dabei besser nicht an die letzte Länderspielpause der vergangenen Saison, also die Ende März. Als Dynamos Nummer eins ist er für die deutsche U 20 nominiert wurden, um dann – wie diesmal – aufgrund anderer Ausfälle sogar von U 21-Trainer Stefan Kuntz berufen zu werden.

So weit, so schlecht. Denn beim nächsten Ligaspiel der Dresdner stand dann sein Konkurrent Marvin Schwäbe plötzlich wieder zwischen den Pfosten.

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