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Samstag, 10.11.2018

Borkenkäfer in den Startlöchern

Hitze, Trockenheit und Sturmfolgen haben die Kiefern in der Region geschwächt – ideale Bedingungen für Baumschädlinge.

Von Manfred Müller

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Revierförster Gunther Schwarz ist mit Schülerpraktikantin Julia Ockert im Straucher Wald unterwegs und zeigt ihr, wo der Borkenkäfer aktiv ist.
Revierförster Gunther Schwarz ist mit Schülerpraktikantin Julia Ockert im Straucher Wald unterwegs und zeigt ihr, wo der Borkenkäfer aktiv ist.

© Anne Hübschmann

Kleine Kiefernabsprünge findet man an jeder Stelle. Mal mehr, mal weniger.
Kleine Kiefernabsprünge findet man an jeder Stelle. Mal mehr, mal weniger.

© Anne Hübschmann

Großenhain. Eigentlich gibt es ihn gar nicht – den einen Borkenkäfer. Es ist eine ganze Familie von Rüsselkäfern, die den Forstfachleuten derzeit Sorgen macht. „An den Kiefern, die bei uns den größten Waldanteil stellen, nagen allein fünf verschiedene Arten“, erklärt der Straucher Revierförster Gunther Schwarz. Neben dem Sechs- und dem Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer sind das der Blaue Kiefernprachtkäfer und der Kleine und der Große Waldgärtner. Die Insekten kann man zwar immer in den Wäldern antreffen, und sie erfüllen dort auch eine wichtige biologische Funktion. Aber wenn sie sich massenhaft vermehren, können sie große Zerstörungen anrichten. „Die Käferlarven fressen sich dort ins Holz, wo die Kanäle für die Wasserversorgung verlaufen“, sagt Schwarz. „Wenn das zu viele tun, stirbt der Baum ab.“ Bei seinen Waldrundgängen hat der Förster alarmierende Anzeichen entdeckt: große Mengen von sogenannten Absprüngen. Das sind ausgehöhlte Kieferntriebe, in die sich ein Jungkäfer eingenistet hatte. Die Triebe brechen ab und liegen dann an auf dem Waldboden. Die Masse der Absprünge verheißt für die Waldbesitzer nichts Gutes. Denn Borkenkäfer haben pro Jahr zwei bis drei Vermehrungszyklen. Das heißt, bei guten Reproduktionsbedingungen könnten die Tiere 2019 tatsächlich zur Plage werden.

Normalerweise wissen sich gesunde Nadelbäume gegen die gefräßigen Besucher zu wehren. Sie sondern Harz ab, das die Borkenkäfer samt ihrer Brut einschließt und abtötet. Aber das extrem trockene und heiße Jahr 2018 hat die Harzproduktion der Bäume eingeschränkt. Dadurch überlebte der Käfernachwuchs in großen Mengen und kann nun ungestört überwintern. „Es müsste endlich mal längere Zeit richtig regnen“, sagt Gunther Schwarz. „Dann könnten sich die Kiefern erholen und dem Käferfraß nächstes Frühjahr widerstehen.“ Ausreichend Wasser sei das A und O, um größere Waldschäden zu verhindern. Auf einen kalten Winter zu hoffen, bringe hingegen nichts. Borkenkäfer sind ziemlich kälteresistent – sie halten bis zu minus 30 Grad gut aus.

Hinzu kommt, dass Sturmtief „Friederike“ im vergangenen Januar in der Region jede Menge Bäume umgelegt hat. Im Straucher Forstrevier, das von Koselitz bis Böhla bei Ortrand reicht, waren es mehr als 30 000 Festmeter. Der größte Teil davon wurde zwar mittlerweile geborgen, aber etliche Waldbesitzer verzichteten auf professionelle Unterstützung. Mit dem Ergebnis, dass die umgestürzten Stämme noch heute im Wald liegen und ein ideales Rückzugsgebiet für die Käfer bilden. Dadurch verschärft sich das ursprünglich wetterbedingte Problem noch. Deshalb appelliert der Revierförster an alle Waldbesitzer, ihre Bäume in den nächsten Wochen und Monaten genau in Augenschein zu nehmen. Es gibt mehrere Anzeichen für Borkenkäferbefall. Verfärbungen an den Nadeln zum Beispiel oder abgefallene Rinde. Wer genauer hinschaut, sieht an befallenen Stellen Harzpunkte auf der Borke, ebenso das Bohrmehl, das die Käfer produzieren. Bei solchen Beobachtungen empfiehlt es sich, den Förster hinzuzuziehen. Der kann genau einschätzen, wie schlimm die Sache schon steht. In der Regel muss dafür gesorgt werden, dass der befallene Baum gefällt und abtransportiert wird. Und das möglichst bis zum April, weil die Käfer eine „Betriebstemperatur“ von 16, 17 Grad Celsius haben und sich dann wieder ausbreiten können.

Wie schlimm es im Ernstfall kommen kann, sieht man derzeit an den Fichten und Lärchen im Norden des Landkreises. Diese wurden von den Borkenkäfern bereits in diesem Jahr irreparabel geschädigt. „In meinem Revier stehen glücklicherweise nur sehr wenige“, sagt Gunther Schwarz. „Aber ich fürchte, nächstes Jahr werden gar keine mehr da sein.“