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Montag, 11.06.2018

Bolek erneut auf Abwegen

Das Stachelschwein ist wieder aus dem Görlitzer Zoo ausgebrochen. Tierparkchef Sven Hammer zieht jetzt Konsequenzen.

Von Matthias Klaus

Als könnte er kein Wässerchen trüben: Dabei ist Stachelschwein Bolek ein gekonnter Ausreißer. Nun wird es dem Tierpark mit seinen Eskapaden zu viel.
Als könnte er kein Wässerchen trüben: Dabei ist Stachelschwein Bolek ein gekonnter Ausreißer. Nun wird es dem Tierpark mit seinen Eskapaden zu viel.

© Matthias Wehnert

Görlitz. Es war offensichtlich eine recht kurze Nacht für den Tierparkdirektor. Gegen 22.30 Uhr am Sonntagabend hatte Sven Hammer noch im Görlitzer Zoo vorbeigeschaut, kontrolliert, ob alle seine Schützlinge gut und sicher untergebracht sind. Nur wenige Stunden später, 3.30 Uhr, reißt ihn am Montagfrüh das Telefon aus dem Schlaf. Die Polizei ist am anderen Ende: Das Stachelschwein ist wieder auf der Flucht, Anwohner haben es gesehen, eine Polizeistreife nahm es vorsorglich unter Beobachtung.

Bolek, so heißt der Ausreißer, auf Abwegen – nicht zum ersten Mal. Anfang Mai war das Stachelschwein gleich zweimal kurz hintereinander auf nächtliche Wanderschaft gegangen. Der Tierpark hatte reagiert, das Gehege umgebaut. Eigentlich sollte ein erneuter Ausbruch nun unmöglich sein. Eigentlich. Aber irgendwie hatte Sven Hammer am Sonntagabend offensichtlich schon ein ungutes Gefühl, als er auf seinem Rundgang war. Alle Stachelschweindamen schliefen, nur Bolek machte sich am Gitter zu schaffen. Er lebt gleich mit fünf Frauen zusammen. Nach dem Anruf war Sven Hammer gegen vier Uhr früh vor Ort. Da hatte sich Bolek allerdings schon wieder davongemacht. „Wir haben ihn dann auf dem Tierparkgelände gefunden“, schildert Sven Hammer. Dort, im Lager für Kisten, hatte er sich bereits nach seinem ersten Ausflug in die Görlitzer Nacht versteckt. Damals musste ein Narkosepfeil das Stachelschwein außer Gefecht setzen. Nun aber entwischte das Tier und versteckte sich zwischen den zooeigenen Bienenstöcken in der Imkerei. „Dort konnten wir Bolek mit dem Kescher einfangen“, sagt Sven Hammer.

Warum und wie das Stachelschweinmännchen erneut sein Gehege verlassen hat – ein Rätsel. „Vielleicht gibt es ja doch Stress mit seinen Frauen. Irgendwie scheint es da nicht so richtig zu stimmen“, sagt Sven Hammer. Inzwischen ist Bolek in „Einzelhaft“ im Quarantänegehege, ausbruchssicher. Der Tierparkchef zieht nach den nächtlichen Eskapaden jetzt jedenfalls die Konsequenzen. „Wir werden uns von Bolek trennen“, sagt er. Das Stachelschwein kommt auf eine Liste, ist damit für Zoos in ganz Europa sozusagen als „zu haben“ ausgeschrieben.

Ein Lob geht von Sven Hammer derweil an die Polizeibeamten. „Sie haben sich genau richtig verhalten: beobachten, nicht zugreifen“, sagt er. Görlitz, findet Sven Hammer, hat inzwischen eh die stachelschweinerfahrendste Polizei.

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