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Mittwoch, 15.11.2017

Blumige Botschafterinnen

Caprice Zickler und Linda Bahr begleiten die Saison der Königsbrücker Kamelien. Erstmals mit neuem Auftrag.

Von Manuela Paul

Caprice Zickler und Linda Bahr sind die neuen Kameliendamen von Königsbrück. Sie freuen sich schon darauf, bei der Vermarktung der Winterblüher kräftig mitmischen zu dürfen. Stolz präsentieren sie den Kamelienkalender für 2018.
Caprice Zickler und Linda Bahr sind die neuen Kameliendamen von Königsbrück. Sie freuen sich schon darauf, bei der Vermarktung der Winterblüher kräftig mitmischen zu dürfen. Stolz präsentieren sie den Kamelienkalender für 2018.

© Matthias Schumann

Königsbrück. Schneeweißchen ist viel zu früh dran. Zerbrechlich wie Porzellan scheinen die ersten reinweißen Blüten, die der uralte Kamelienstrauch derzeit präsentiert. Rosenrot hingegen hält sich noch vornehm zurück. Doch die üppige Knospenpracht lässt schon jetzt eine Vorahnung auf das Blütenmeer in knallrot zu. Normalerweise blühen Königsbrücker Kamelien erst ab Januar oder Februar. Aber was ist heutzutage schon normal?

Schneeweißchen und Rosenrot sind die volkstümlichen Namen der exotischen Winterblüher. Botanisch korrekt heißen die weiße „alba plena“ und die rote „althaeiflora“. Beide Exemplare haben über 190 Jahre auf dem Buckel und sind natürlich der ganze Stolz der Königsbrücker.

So alt sind Caprice Zickler und Linda Bahr nicht mal ansatzweise. Dennoch sind die Neunt- und die Zehntklässlerin besonders eng mit den Winterblühern verbunden: Sie sind die neuen Kameliendamen und begleiten die Blütezeit der wertvollen Pflanzen. Bislang waren die Mädchen eher stille Botschafterinnen, sagt Peter Sonntag, Chef des Königsbrücker Heimatvereins. Das soll sich ab dieser Saison ändern. „Caprice und Linda werden diesmal die Kameliensaison eröffnen.“ Der Vereinsvorsitzende ist sich sicher, dass die beiden das gut meistern. Caprice hat als Botschafterin in Sachen Kamelien bereits Erfahrungen, ist die Aufmerksamkeit gewohnt. Denn sie hat bereits eine Saison hinter sich. Die absolvierte sie gemeinsam mit Sophia Rudolph. Beide hätten das Amt noch ein weiteres Jahr übernehmen können. Doch nur Caprice wollte weitermachen. Also suchte der Heimatverein eine neue Partnerin für sie. Und traf bei Linda auf Interesse. Die alte und die neue Kameliendame freuen sich schon darauf, bei der Vermarktung der Winterblüher kräftig mitmischen zu dürfen. Stolz präsentierten sie jetzt schon vorab den Kamelienkalender für 2018. Herstellung und Druck hat der Verein diesmal komplett aus Eigenmitteln finanziert, verrät Peter Sonntag. Keine Werbung und kein QR-Code lenken von den wunderschönen großformatigen Blütenschönheiten ab.

Hundert Stück hat der Verein zunächst drucken lassen. Die Vereinsmitglieder sind optimistisch, dass sich der Fotokalender gut verkaufen lässt. Zum einen ist er mit 9,50 Euro keineswegs überteuert. Zum anderen „gibt es in Deutschland keinen weiteren Kamelienkalender“, weiß Peter Sonntag zu berichten. Dafür aber eine Menge Liebhaber dieser exotischen Pflanzen. Die pilgern zur Saison gern nach Königsbrück, um die 190 Jahre alten, bis zu sechs Meter hohen, Kamelienbäume in voller Blüte zu bewundern. Immerhin gehören sie zu den ältesten Exemplaren in Deutschland.

Das genaue Alter ist zwar unbekannt, allerdings werden in einer historischen Chronik erstmals 1846 Kamelien in Königsbrück erwähnt. Der Verein vermutet, dass die Pflanzen zu dieser Zeit schon länger in Kübeln in der Orangerie des Landschlosses Königsbrück kultiviert wurden.

Seit dem Jahr 2000 werden die Königsbrücker Kamelien alljährlich öffentlich gezeigt. Während der Blütezeit zwischen Januar und April ist das Gewächshaus sonntags geöffnet. Neben den beiden Uralt-Sträuchern können Besucher noch etliche weitere Kamelien-Generationen bewundern. Eine schöner als die andere. Das Spektrum ihrer Blütenformen und -farben ist enorm. Es gibt Sorten mit einfachen und gefüllten Blüten, vom reinen Weiß über zahlreiche Rose- und Lachsnuancen bis hin zu intensivem Rot. Und seit vorigem Jahr sorgen auch zwei prächtige Duft-Kamelien immer wieder für Staunen.

Kein Wunder, dass diese Blüten-Pracht jedes Jahr Besucherscharen in die Kleinstadt an der Via Regia lockt. Denn in voller Schönheit präsentieren sich die Kamelien, wenn andere Pflanzen im Garten schon längst keine einzige Blüte mehr zeigen. Im tiefsten Winter verzaubern die Exoten mit unglaublicher Farbenpracht und Formenvielfalt. Kaum zu glauben, dass die Königsbrücker Kamelien zwischenzeitlich beinahe in Vergessenheit geraten waren. Jahrzehnte lang standen sie unbeachtet in der Ecke des Gewächshauses und sollten nicht nur einmal abgeholzt werden. Doch zum Glück gab es zivilen Ungehorsam und Widerständler, wie seinerzeit Gärtnermeister Siegfried Jähne und eine Handvoll Königsbrücker Heimatfreunde, die sich für den Erhalt der Kamelien stark machten. Aus Letzteren entwickelte sich schließlich die Kameliengruppe des Heimatvereines. Sie hegt und pflegt seither die kostbaren Pflanzen und vermarktet sie auch. Inzwischen gibt es nicht nur den Kamelien-Kalender, sondern auch eine Broschüre zur Geschichte der kostbaren floralen Zeitzeugen. Außerdem hat der Verein dank Fördermittel auch Ortseingangsschilder herstellen lassen – mit wunderschönen Kamelienblüten.

Kamelienkalender und -broschüre gibt es für 9,50 beziehungsweise 3 Euro in der Königsbrück-Information am Markt zu kaufen.

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