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Freitag, 09.11.2018

Blockhaus wird bis 2022 umgebaut

Im Gebäude mit dem denkmalgeschützten Äußeren schwebt bald ein Kubus mit außergewöhnlichem Archiv.

Der Entwurf für die Blockhaus-Gestaltung.
Der Entwurf für die Blockhaus-Gestaltung.

© Nieto Sobejano Arquitectos

Ein Mittagessen mit Canaletto-Blick, das war zu DDR-Zeiten im Blockhaus möglich, das damals noch Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft hieß. Doch seitdem das markante Gebäude am Neustädter Augustusbrückenkopf 2013 vom Hochwasser betroffen war, ist es ungenutzt. Nun steht ihm eine Metamorphose bevor, die inhaltlich wie architektonisch nicht größer sein könnte.

So sieht es derzeit im Blockhaus aus

Was soll hier einziehen?

Bis 2022 soll im Innern ein adäquater Platz für das Archiv der Avantgarden entstehen, ein Geschenk des deutsch-italienischen Sammlers Egidio Marzona. Am Freitag informierte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) darüber, dass Marzona den SKD neben seiner ersten Schenkung von 1,5 Millionen Objekten im Jahr 2016 nun weitere 200 000 Stücke übertragen hat. Darunter Designgegenstände, Möbel und Glasobjekte aus dem italienischen Design der 1970er- bis 90er-Jahre. Das Dresdner Archiv hat jetzt einen Wert von geschätzten 139 Millionen Euro. Und es füllt ein Loch in der reichen Landschaft der bildenden Kunst in Dresden, das der modernen Kunst.

Wie wird das Haus dafür umgebaut?

Seit im Februar der Siegerentwurf des Büros Nieto Sobejano Arquitectos mit Sitz in Berlin und Madrid vorgestellt wurde, geht die Planung voran, sagt Dieter Janosch, der Technische Geschäftsführer des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Es sei nicht einfach gewesen, die Vision des schwebenden Kubus‘ im Raum umzusetzen. Zunächst war vorgesehen, ihn völlig aus Beton herzustellen, doch dank hochkarätiger Ingenieurskunst sei es gelungen, eine wesentlich leichtere Stahl-Beton-Konstruktion zu planen, die an zwei gegenüberliegenden Schächten für den Aufzug und das Treppenhaus befestigt werden soll. Sie nehmen die größte Last des Archives auf. Dazu kommen Konsolen in den Ecken des Kubus, die die Restlast ableiten. So wird der schwebende Kubus mit seinen drei Ebenen, in dem die Objekte der Sammlung in Rollregalen untergebracht sind, gestützt.

Im Erdgeschoss gibt es zudem eine Aktionsfläche für Vorträge, Ausstellungen und Workshops und eine Cafeteria. Über eine Wendeltreppe erreichen Besucher die Emporenebene mit den Forschungsarbeitsplätzen. Dazwischen fällt das Licht zwischen Kubus und Empore nach unten. Außerdem werden dort Büros für Mitarbeiter der SKD mit Blick auf den Neustädter Markt eingerichtet. Die 19 000 Quadratmeter Fläche des Blockhauses teilen sich nach dem Umbau auf in 37 Prozent für das Archiv, 39 Prozent Aktionsfläche und 24 Prozent für das Foyer, Büros und Lagerfläche.

Wie sieht der Hochwasserschutz aus?

Das Blockhaus hat bereits mehrfach unter Hochwassern gelitten. Nun wird eine sogenannte weiße Wanne gebaut. Das heißt, dass im Untergeschoss eine wasserundurchlässige Betonwand im Innern entsteht und die Fenster abdichtbar sind. Um den Brandschutz zu gewährleisten, wird als Fluchtweg eine frühere Öffnung zur Augustusbrücke geöffnet, die erst beim Umbau in den 1970er-Jahren zugebaut wurde.

Wann soll das Archiv öffnen?

achdem die Planung im Februar 2019 fertig sein soll und die Bauleistung danach EU-weit ausgeschrieben wird, soll im Herbst 2019 Baubeginn sein, sagt Janosch. Im Sommer 2022 soll alles umgebaut sein, das Archiv zum Jahresende öffnen.

Was kostet der Umbau?

Die zunächst geplanten 20 Millionen Euro werden angesichts steigender Baupreise und des hinzugekommenen Hochwasserschutzes nicht reichen, sagt Janosch. Eine genaue Summe sei noch nicht klar. Das Geld sei im Landeshaushalt eingeplant, sagt Finanzminister Matthias Haß (CDU).

Welche Perspektiven eröffnet der Bau?

Ganz große, nämlich die, mit der außergewöhnlichen Sammlung die SKD ins 21. Jahrhundert zu führen, sagt Kunstministerin Eva Maria Stange (SPD). Das Blockhaus sei ein Geschenk, weil es nicht für die Nutzung durch die SKD vorgesehen war. Das Archiv werde ein Museum für alle Neugierigen, nicht nur für Wissenschaftler und erobert auf der Neustädter Seite vielleicht ein Publikum, das den SKD bisher fehlt.

Geht es dem Mäzen schnell genug?

Verglichen mit Berliner Tempo absolut, sagt Marzona, der nach eigenen Angaben auch in die Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin involviert ist. „Da sind die Dresdner deutlich schneller.“

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