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Freitag, 05.10.2018

Bischofswerdaer Pilot wird Meister

Max Enderlein vom Freudenberg Racing Team hat sich total dem Rennsport verschrieben. Ein Ziel hat er in Hockenheim erreicht.

Von Sven Jänicke und Christian Kluge

Max Enderlein vom Freudenberg Racing Team Bischofswerda wird hier vor einem seiner Rennen gut gegen die Sonne geschützt. Mit Erfolg, denn am vergangenen Wochenende sicherte er sich den Deutschen Meistertitel in der Supersport600-Klasse.
Max Enderlein vom Freudenberg Racing Team Bischofswerda wird hier vor einem seiner Rennen gut gegen die Sonne geschützt. Mit Erfolg, denn am vergangenen Wochenende sicherte er sich den Deutschen Meistertitel in der Supersport 600-Klasse.

© PR/Toni Börner

Motorsport. Das muss dem 21-jährigen Max Enderlein erst einmal jemand nachmachen. Nur zwei Wochen nach der Operation am gebrochenen Schlüsselbein – der Bischofswerdaer Pilot hatte sich im freien Training in Assen bei einem Sturz verletzt – machte er beim Saisonfinale in Hockenheim den Sack zu und sicherte sich den Titel in der Supersport 600-Klasse der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM).

Dabei sah es am 7. September in den Niederlanden schon so aus, als könne der gebürtige Hohenstein-Ernstthaler schon vorzeitig die Meisterschaft feiern. Enderlein hatte satte 53 Punkte Vorsprung vor der gesamten Konkurrenz und hätte in Assen alles klarmachen können – bis Sturz und Schlüsselbeinbruch alles infrage stellten. Eine Woche später wurde der Freudenberg-Pilot operiert. Und zwei Wochen später kehrte er in Hockenheim zurück auf die Rennstrecke.

„Ich freue mich auf das Wochenende in Hockenheim“, sagte der 21-Jährige vor dem Saisonfinale. „Ich habe mich gut erholt und mit der Schulter geht es von Tag zu Tag besser. Klar werden wir erst auf dem Bike wissen, wie belastbar sie wirklich ist. Da es im Training aber schon ganz gut ging, bin ich zuversichtlich! Es wäre der Wahnsinn, wenn ich jetzt meinen ersten IDM-Titel einfahren könnte. Die Saison verlief bis jetzt – abgesehen vom Sturz – super.“ Und obwohl dem angeschlagenen Enderlein in Hockenheim keine weiteren Saisonsiege gelangen, reichte es für den Freudenberg-Piloten schon nach dem ersten von zwei Läufen zum Deutschen Meistertitel.

Danach strahlte er junge Mann bis über beide Ohren und sagte: „Es war schwierig für mich. Dass ich dann im ersten Rennen die Punkte für Platz drei einfahren und damit meinen ersten IDM-Titel perfekt machen konnte, kam doch etwas unerwartet. Aber nachdem mein ärgster Verfolger gestürzt war und nur wenige Punkte sammeln konnte, ging es sich zum Ende dann aus und die Punkte reichten für die Meisterschaft. Vielen Dank an meine Sponsoren, mein Team und meine Familie, die mir diesen Triumph ermöglicht haben!“

Riesenfreude auch beim Teamchef

Teamchef Carsten Freudenberg, der zur gleichen Zeit mit seinen drei anderen Fahrern beim WM-Finale im französischen Magny-Cours weilte und sich auch dort über feine Erfolge freuen konnte, zog aus der Ferne Bilanz und meinte: „Gratulation an Max. Ich freue mich riesig für ihn. Er ist ein wahrer Kämpfer und hat gezeigt, dass er auch nach einer Verletzung stark zurückkommen kann. Nachdem er im letzten Jahr schon so knapp dran war, hat er nun seinen ersten Deutschen Meistertitel verdient eingefahren.“

Doch wie begann eigentlich die Karriere von Max Enderlein? Bereits seit mehr als 15 Jahren ist der Hohenstein-Ernstthaler aktiv im Motorradrennsport unterwegs – auf nationaler und internationaler Ebene. Bereits in jungen Jahren konnte er erste Erfolge einfahren. So wurde er 2003 und 2004 Vizemeister mit dem Pocketbike. Danach ging es weiter zu den Minibikes und es folgten zwei Jahre mit Rennen in Spanien, bevor Enderlein 2012 in der IDM 125 den dritten Gesamtrang einfuhr.

2013 wagte er dann erneut den Sprung nach Spanien in das Umfeld der heutigen Junioren-Weltmeisterschaft (CEV). Nach zwei Jahren in der Moto 3 bei der CEV stieg er 2015 in die hart umkämpfte Moto 2-Europameisterschaft auf, wo er seine ersten Erfahrungen mit einem 600-ccm-Motorrad sammeln konnte. Das war die Basis für seine weiteren Erfolge.

2017 schlug der Sachse ein neues Kapitel auf und schwenkte mit seiner Karriere in den seriennahen Rennsport um – und zwar in die IDM Supersport 600. Gemeinsam mit dem Team Freudenberg aus Bischofswerda startete er auf einer Yamaha R6 und konnte von Beginn an bereits unter die besten Fünf fahren. Für Carsten Freudenberg war es allerdings nicht das erste Jahr mit Enderlein. Gemeinsam hatte man bereits in der IDM und in der CEV erfolgreich zusammengearbeitet.

Bereits in der Saison 2017 gelangen dem Freudenberg-Piloten dann sieben Podestplätze in den insgesamt zwölf Rennen in der IDM Supersport 600. „Damit war das Ziel für 2018 ganz klar gesteckt“, meinte Enderlein rückblickend. „Ich und meine Crew wollten den Titel in der IDM Supersport 600 in Angriff nehmen!“ Und das lief bis zum Rückschlag beim Assen-Wochenende nach Plan. Mit fünf Siegen und zwei weiteren Podestplätzen war die Meisterschaft schon greifbar nahe.

Doch in Hockenheim – Enderlein hatte vor dem entscheidenden Finalwochenende nur noch zwölf Punkte Vorsprung – unterstützte ihn sein Team mit allen Kräften und mobilisierte noch den erfahrenen Crew-Chief Diego Romero für die letzten beiden Rennen. Und mit ihm und einer schlagkräftigen Mechaniker-Mannschaft an seiner Seite gab es dann doch noch den ersten Deutschen Meistertitel für den Hohenstein-Ernstthaler!