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Donnerstag, 08.11.2018

Biber machen Ärger am Mühlteich

Die Tiere haben einen Damm gebaut, der den Hopfenbach überlaufen lässt. Ein Anwohner sieht das mit Sorge.

Von Jörg Richter

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Manfred Müller liebt Tiere und erfreut sich auch immer an tierischen Besuchern auf seinem Grundstück. Aber der Biber trägt dazu bei, dass Böden aufweichen und Bäume umkippen, so wie die Pappel im Hintergrund.
Manfred Müller liebt Tiere und erfreut sich auch immer an tierischen Besuchern auf seinem Grundstück. Aber der Biber trägt dazu bei, dass Böden aufweichen und Bäume umkippen, so wie die Pappel im Hintergrund.

© Anne Hübschmann

Biber – putzig, aber auch gefräßig.
Biber – putzig, aber auch gefräßig.

© dpa

Lenz. Eine riesige Pappel liegt hinter der Lenzer Wassermühle. Dessen Besitzer Manfred Müller hat die Baumkrone einigermaßen abgesägt, damit der Spazierweg um den Mühlteich frei bleibt. „Nicht auszudenken, wenn hier gerade jemand vorbeigekommen wäre, als der Baum umkippte“, sagt der 77-Jährige. Vor etwa zwei Wochen sei die Pappel umgefallen. Ihre breite Wurzel konnte sich in dem aufgeweichten Boden nicht mehr halten.

Manfred Müller kennt den Grund. Unweit von hier, im Hopfenbach nahe an der Staatsstraße 81, haben Biber einen Damm gebaut. Er hat den Bach angestaut und überlaufen lassen. Die angrenzenden Wiesen sind nass. Hier ist nichts davon zu merken, dass dieses Jahr eines der trockensten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung ist. Müller mag sich gar nicht vorstellen, wie groß die Überschwemmung gewesen wäre, wenn es ab und zu geregnet hätte. „Sicherlich wären noch mehr Bäume umgefallen“, ist der Rentner überzeugt. Große Eschen und Eichen säumen den Hopfenbach. Ihre Wurzeln gehen tiefer als die der Pappeln. Aber darauf vertrauen mag er nicht. Deshalb sagt Manfred Müller: „Ich hatte Angst, auf die Wiese zu gehen.“

Er hat versucht, sich Rat zu holen. Erst bei der Gemeindeverwaltung Priestewitz. Aber die verwies ihn auf die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Meißen. Jetzt gab es vor Ort ein Treffen mit deren Mitarbeitern und Vertretern der Landestalsperrenverwaltung. Sie beschlossen, den Damm teilweise abzutragen, damit das Wasser wieder abfließen kann. Mittlerweile ist das auch passiert. Die Situation am Hopfenbach hat sich entspannt. Doch Manfred Müller ist das nicht genug. „Der Damm muss raus“, fordert er und verweist auf ein Gespräch mit einem Jäger. Dieser hätte gesagt, dass die Biber so schnell nicht wiederkommen, wenn erst der ganze Damm verschwunden sei.

Doch der Biber steht unter Naturschutz. „Deshalb machen die Behörden nichts“, sagt Manfred Müller kopfschüttelnd. Er kann es nicht nachvollziehen, warum ein Wildtier mehr wert sein soll als alte Eichen. Letztere seien ja für die Luft so wichtig, argumentiert er. Biber könne man umsiedeln, Bäume dagegen nicht.

„Ich hab nichts gegen Tiere. Im Gegenteil. Ich freue mich jeden Tag, den Roten Milan oder manchmal auch einen Eisvogel zu sehen“, sagt der Rentner. „Wir haben sehr viele Vögel und andere Tiere hier. Aber wenn sie zur Plage werden, muss man sie einschränken. Man soll sie ja nicht töten.“

Beim Landratsamt Meißen ist der Fall bekannt. Aber auch dort verweist man darauf, dass der Biber nun mal geschützt sei. „Wir beobachten und kontrollieren den Hopfenbach und seine Nebengewässer“, bestätigt die stellvertretende Pressesprecherin Helena Musall. Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde seien deshalb zweimal pro Woche in Lenz und Umgebung und haben zwei Biberfamilien ausfindig gemacht. „Aber wenn die Biber dort sind, dann bauen sie auch“, sagt sie. „Das ist nun mal ihre Natur.“

Im Freistaat Sachsen hat sich ihre Population erhöht. Das Umweltministerium erfasst die Bibervorkommen in sechs Untersuchungsgebieten an den Flüssen Elbe, Mulde und Schwarze Elster auf einer Strecke von knapp 230 Kilometern. Auf Grundlage dieser Beobachtungen wird die Gesamtpopulation geschätzt. Demnach ist in Sachsen die Anzahl der Biberreviere von rund 450 im Jahr 2010 auf rund 600 im Jahr 2017 angestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Anzahl der Biber von rund 1 500 auf rund 2 000.

Nach Informationen des Umweltministeriums richten Biber relativ wenig Schaden an. 2016 hat der Freistaat rund 18 000 Euro Ausgleichszahlungen für Schäden durch Biber geleistet. Wölfe verursachten knapp 42 000 Euro Schaden. Doch das ist noch gar nichts im Vergleich zum Fischotter. Rund 144 000 Euro musste das Land 2016 an Ausgleichszahlungen berappen.