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Montag, 17.09.2018

Betriebsfeuerwehr fürs Chemiewerk?

Die Stadt soll das Unternehmen Schill & Seilacher für diese Idee erwärmen. Aber hat eine solche Wehr auch Sinn?

Von Thomas Möckel

Ende August feierte Schill & Seilacher Richtfest beim Wiederaufbau der Produktionsanlage P1.
Ende August feierte Schill & Seilacher Richtfest beim Wiederaufbau der Produktionsanlage P1.

© Daniel Förster

Neundorf. Die Katastrophe kam im Dezember: Ende 2014 erschütterte ein heftiger Knall den Pirnaer Ortsteil Neundorf. Eine Explosion hatte im Chemiewerk „Schill & Seilacher“ die Produktionsanlage P1 zerstört. Ein damals 37-jähriger Produktionsleiter kam dabei ums Leben, vier Arbeiter wurden schwer verletzt. Trümmerteile flogen in die umliegenden Wohngrundstücke. Ob die Produktion jemals wieder aufgenommen wird, war lange unklar.

In diesem Jahr hat das Chemieunternehmen nun begonnen, diese Vielstoffanlage wieder aufzubauen. Flankiert wird das Vorhaben von einer ganzen Reihe von Sicherheitsvorkehrungen. So umgibt die neue Anlage ein explosionssicherer Stahlbetonmantel, es gibt extra Druckableitungsklappen, die so angeordnet werden sollen, dass in einem erneuten Havariefall die umstehenden Wohnhäuser nicht gefährdet werden. Ein unabhängiges Notstromaggregat soll zudem dafür sorgen, dass die Anlage in kurzer Zeit sicher und kontrolliert heruntergefahren werden kann. Dennoch ist die Angst der Neundorfer nicht vollends gewichen. Obwohl das Unternehmen versuchte, viele Bedenken auszuräumen, fürchten sich die Anwohner noch immer davor, eine solche Katastrophe könnte sich womöglich wiederholen, vielleicht sogar mit viel fataleren Folgen.

Nichts gegen Gespräche

Diese Sicherheitsbedenken beschäftigen nun abermals den Pirnaer Stadtrat. „Wir können die Ängste der Neundorfer Einwohner nachvollziehen und wollen etwas dazu beitragen, die Sicherheit der Betroffenen zu verbessern“, sagt Stadträtin Ina Richter (Linke). Im Kern geht es darum, dass möglichst rasch Hilfe vor Ort ist, sollte es noch einmal zu einer Havarie kommen. Daher stellte die Linke einen ungewöhnlichen Antrag: Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) sowie der Gemeindewehrleiter Peter Kammel werden gebeten, ein Gespräch mit der Geschäftsführung von „Schill & Seilacher“ zu vereinbaren. Ziel des Treffens soll sein, dem Unternehmen die Idee nahezubringen, am Standort in Neundorf künftig eine Betriebsfeuerwehr zu installieren.

Sowohl das Rathaus als auch die Abgeordneten können sich mit diesem Vorschlag arrangieren. Der Stadtrat stimmte jetzt mit großer Mehrheit zu, ein solches Treffen anzuberaumen.

Bei „Schill & Seilacher“ zeigte man sich zunächst überrascht von diesem Vorschlag, der Betrieb zeigt sich aber grundsätzlich gesprächsbereit. „Wir sind allen Maßnahmen gegenüber aufgeschlossen, die dazu dienen, die Sicherheit für unsere Betriebsangehörigen und die Anwohner zu erhöhen“, sagt Dr. Uwe Dittrich, Werkleiter des Betriebes in Neundorf. Beim Neubau der P1-Anlage investiere das Unternehmen ja schließlich auch in eine umfangreiche Sicherheitstechnik, die sich auf dem aktuellsten Stand befinde. „Gegen Gespräche über eine mögliche Betriebsfeuerwehr an unserem Standort haben wir nichts einzuwenden. Die Thematik sollte aber nüchtern und sachlich diskutiert sowie sorgsam betrachtet werden“, sagt Dittrich. Zudem schlägt er vor, dass auch Vertreter der Neundorfer Ortswehr an dem Gespräch teilnehmen.

Generell steht die Frage im Raum, ob eine solche Betriebsfeuerwehr überhaupt Sinn hat. Unter Umständen könnte sich als Problem herausstellen, dass eine solche Wehr Kameraden von der Pirnaer Feuerwehr abzieht. Ungeklärt ist auch die Frage, womit sich die Betriebsfeuerwehrleute beschäftigen, wenn sie nicht bei einem Notfall im Einsatz sind.