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Freitag, 13.07.2018

Betreut den Tag verbringen

Im früheren polytechnischen Zentrum gibt es jetzt eine Tagespflege. Die altersgerechten Wohnungen im gleichen Komplex sind fast fertig.

Von Sven Görner

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Pflegedienstleiterin Mandy Hiller (li.) und Sibylle Schröder (2.v.re.) bei der gemeinsamen Beschäftigung mit einigen Besuchern der Tagespflege. Insgesamt arbeiten in der neuen Einrichtung vier ASB-Mitarbeiter.
Pflegedienstleiterin Mandy Hiller (li.) und Sibylle Schröder (2.v.re.) bei der gemeinsamen Beschäftigung mit einigen Besuchern der Tagespflege. Insgesamt arbeiten in der neuen Einrichtung vier ASB-Mitarbeiter.

© Norbert Millauer

Von der schönen Terrasse kann man bis zum Markt der Zille-Stadt schauen.
Von der schönen Terrasse kann man bis zum Markt der Zille-Stadt schauen.

© Norbert Millauer

Radeburg. Vor dem Haus stehen Bauzäune und auch auf dem Hof und im Inneren des Gebäudes sieht es noch nach Baustelle aus. Doch das betrifft vor allem die zwölf altersgerechten Wohnungen, die hier entstehen. Ab September/Oktober sollen sie nach dem aktuellen Zeitplan der beiden Radeburger Bauherren Andreas Kremer und Thomas Leitermann vermietet werden.

Bereits seit der vergangenen Woche fertig ist dagegen die Tagespflege in der ersten Etage des Seitengebäudes. Betrieben wird diese von der ASB Dresden & Kamenz gGmbH. Betreut werden hier wochentags pflegebedürftige Menschen, die grundsätzlich zu Hause leben. Die Tagespflege kann montags bis freitags, aber auch nur an einzelnen Tagen besucht werden, beispielsweise wenn pflegende Angehörige verhindert sind. Die zu betreuenden Personen werden morgens durch einen Fahrdienst abgeholt und am Nachmittag wieder nach Hause gebracht.

Das Interesse an dem neuen Angebot in der Stadt ist groß, sagt Grit Klee, Leiterin Soziale Dienste des Betreibers. Von den 17 Plätzen waren bereits am Eröffnungstag zehn belegt. Inzwischen werden hier zwölf Radeburger betreut. „Der Tagesablauf bietet eine feste Struktur und berücksichtigt auch individuelle Vorlieben der Besucher“, sagt die Leiterin der Tagespflege Mandy Hiller. „Neben der pflegerischen und medizinischen Betreuung gibt es ein umfangreiches aktivierendes Tagesprogramm – von der Zeitungsschau über Bewegungsangebote und Rätsel bis hin zu Ausflügen.“

An den Tischen im großen Beschäftigungs- und Speiseraum wird von den älteren Herrschaften an diesem Vormittag gerade Obst- und Gemüsebingo gespielt. Die komplett eingerichtete Küchenzeile ermöglicht aber auch das gemeinsame Backen und Kochen. Was in den beiden kleineren Aufenthaltsräumen davor und dahinter sofort auffällt, sind die gemütlichen Ruhesessel, die sich per Knopfdruck problemlos in die gewünschte Position bringen lassen. Wer sich für das mittägliche Nickerchen lieber richtig hinlegen möchte, kann auch das. Denn zur Einrichtung gehören ebenso zwei Pflegebetten.

Alle Zimmer sind hell und freundlich, ohne steril zu wirken. Viele große Fenster sorgen nicht nur für Licht, sondern bieten den Nutzern der Tagespflege auch die Möglichkeit zu beobachten, was draußen passiert. Von der großen, mit Oleander geschmückten Terrasse, kann man bis zum Markt schauen. „Das kleine Beet hier oben haben wir gemeinsam bepflanzt“, ergänzt die Tagepflege-Leiterin.

Bei der Gestaltung der Räume der Tagespflege haben Andreas Kremer und Thomas Leitermann dem ASB als langfristigen Mieter und dem Architekten freie Hand gelassen, wie sie sagen. Der Arbeiter-Samariter-Bund hat in die Einrichtung rund 120 000 Euro investiert, knapp 60 000 Euro hat die Deutsche Fernsehlotterie beigesteuert. Allein die futuristisch aussehende moderne Pflegewanne habe rund 12 000 Euro gekostet, so Grit Klee.

Die Tagespflege in Radeburg ist eine von bisher vier Einrichtungen dieser Art, die durch die ASB Dresden & Kamenz gGmbH betreut wird. Neben der Tagespflege in Dresden-Cossebaude und im ASB-Pflegeheim Königsbrück gibt es 15 Plätze im neu gebauten ASB-Pflegezentrum Boxdorf, wo Tagespflege und häuslicher Pflegedienst unter einem Dach und damit eng verzahnt agieren.

In Radeburg ist der ASB bereits in der Nachbarschaft der jetzigen Einrichtung mit dem Pflegezentrum im Objekt des ehemaligen Hotels „Zum Moritz“ auf der Schulstraße präsent. Dort findet sich auch das ambulant betreute Wohnen mit seinen 22 Wohnungen.

Dank eines Aufzugs sind auch die künftigen Wohnungen problemlos erreichbar. Diese werden zwischen 40 und 70 Quadratmeter groß sein, sagt Andreas Kremer. Die Warmmiete werde voraussichtlich etwa 450 bis 700 Euro betragen. Den Einbau der Küchenzeilen mit Backofen in Augenhöhe wird das gegenüber ansässige Küchenstudio übernehmen.

In den nächsten Tagen, so hoffen die beiden Bauherren, sollen auch die großen Balkone vor einem Teil der Wohnungen montiert werden. Wenn der ASB am 25. Juli zu einem Tag der offenen Tür einlädt, können Interessierte dann vielleicht auch schon einmal einen Blick in die Wohnungen werfen.

Ursprünglich hatte die Stadt Radeburg geplant, die alten Gebäude abzureißen, um Platz für eine Neubebauung zu schaffen. Denn mit der Fertigstellung des Anbaus der Zille-Schule im Herbst 2006 wurde das frühere polytechnische Zentrum nicht mehr benötigt. Doch unterm Strich hätte die Stadt beim Abriss der Gebäude und dem Verkauf des beräumten Grundstücks nach dem aktuellen Bodenrichtwert minus gemacht.

Schließlich wurde das Areal, einschließlich des Wohnhauses an der Radeberger Straße, zum Verkauf ausgeschrieben. Nachdem Andreas Kremer und Thomas Leitermann dem Stadtrat ihre ersten Ideen für die künftige Nutzung präsentiert hatten, erhielten die beiden im März 2015 schließlich für 55 000 Euro den Zuschlag.

Das Seitengebäude für die Tagespflege sollte ursprünglich noch im gleichen Jahr hergerichtet werden. Doch dann zeigte sich, dass es auf Flusssand stand und erst einmal eine komplett neue Bodenplatte brauchte. So wurde zunächst das Wohnhaus in Ordnung gebracht, damit die Physiotherapie dort einziehen konnte. Dabei flossen auch Fördermittel aus der Stadtsanierung.

Mittlerweile liegen die Kosten für das Projekt deutlich über den ursprünglichen Planungen der beiden Investoren. „Wir waren von 1,7 Millionen Euro ausgegangen, am Ende werden es wohl 2,2 Millionen sein“, sagt Thomas Leitermann.