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Donnerstag, 13.09.2018

Bessere Radstrecken für Dresden

Die Stadt hat zwei Aufgaben aus dem Radverkehrskonzept abgearbeitet. Hunderte fehlen aber noch.

Von Christoph Springer

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Dem grünen Pfeil nach! Radfahrer schätzen gute Strecken, kommen aber auch auf Problempisten voran. Gilt das auch für die Radwegplaner?
Dem grünen Pfeil nach! Radfahrer schätzen gute Strecken, kommen aber auch auf Problempisten voran. Gilt das auch für die Radwegplaner?

© Sven Ellger

Die Winterbergstraße zwischen der Zufahrt zur Margon-Arena und Altdobritz hat sich verändert. Aus der Schlaglochstrecke ist ein ansehnliches Asphaltband geworden. Es ist Teil der West-Ost-Radroute von Gorbitz nach Pillnitz. 60 000 Euro hat die Stadt für die Sanierungsarbeiten bezahlt, die Ende August gestartet wurden. Jetzt rollen Fahrräder viel besser auf dem Miniabschnitt, der parallel zur Straße An der Rennbahn verläuft. Er wird vor allem von Dresdnern genutzt, die zwischen Leuben und dem Stadtzentrum unterwegs sind. Komplett ist diese Trasse damit aber noch lange nicht.

Damit kann die Stadt an die „Maßnahmen“ 525 und 525b aus dem Radverkehrskonzept einen Haken machen. Sie sind erledigt. Im Internet-Stadtplan ist die Strecke, die vom Großen Garten kommt und unter anderem über die Winterbergstraße und die Pirnaer Landstraße Richtung Osten führt, als Alltagsverbindung markiert. Das bedeutet, sie gehört zu den wichtigsten Radfahrerstrecken der Stadt. 2017 registrierte das Straßen- und Tiefbauamt an der automatischen Zählstelle auf der Winterbergstraße zwischen der Zwinglistraße und der Liebstädter Straße rund 500 000 Radfahrer, sagt der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes Reinhard Koettnitz. „Diese Zahl hat uns überrascht“, ordnet er das Ergebnis ein. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2016 wurden an den sieben Dauerzählstellen der Stadt etwa 3,2 Millionen Radfahrer erfasst. Allein 880 000 fuhren damals über die Waldschlößchenbrücke.

Komplett ist die Trasse auf der Ostseite des Großen Gartens aber noch lange nicht. Es fehlen noch gekennzeichnete Überfahrten gleich am Ende der Hauptallee, wo die Radfahrer aus der Grünanlage auf die Winterbergstraße fahren. Und in Seidnitz ist vorerst Schluss mit dem Fahrradvergnügen, wenn sie von der Winterbergstraße kommend weiter Richtung Osten wollen. Die Straße An der Rennbahn hat noch keine Radwege oder -spuren, auch die Breitscheidstraße nicht. Die Straße des 17. Juni sei zu schmal, um ein Extraangebot für Fahrräder zu schaffen, sagte Koettnitz.

Immerhin: Für den weiteren Verlauf der Strecke neben der Pferderennbahn und für die Breitscheidstraße arbeitet die Stadt derzeit an Plänen oder hat sie schon in der Schublade. „Die Straße An der Rennbahn wollen wir breiter machen, vielleicht in beide Richtungen“, sagt Koettnitz. Dann könnten auch dort Fahrradwege entstehen. Für die Breitscheidstraße stellt er Radfahrstreifen am Fahrbahnrand in Aussicht, die vielleicht im nächsten Jahr kommen könnten. So wäre wenigstens die Strecke bis nach Leuben durchgehend fertig.

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) ist zufrieden mit dem Fortschritt. „Wir nehmen erheblich Fahrt auf“, beschreibt er den Arbeitsfortschritt im Rathaus. Sieben neue Planerstellen für den Radverkehr seien besetzt worden, damit befassten sich jetzt „fast zehn Leute“ in unterschiedlichen Abteilungen mit diesem Thema. „Und am Ende ist es ja nicht nur eine rote Linie auf der Straße“, erklärt er den Aufwand, der für neue Radwege betrieben werden muss.

Aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) geht es dennoch zu langsam. Der Verein hat einen Stadtplan im Internet veröffentlicht, auf dem alle 447 Problemstellen markiert sind, die laut dem Radverkehrskonzept der Stadt bis 2025 entschärft werden sollen. Das Papier hat der Stadtrat im März 2017 beschlossen, seitdem zählt der ADFC mit, wie es vorangeht. „Maßnahme 525“ auf der Winterbergstraße war am Mittwoch noch nicht als „erledigt“ markiert. Doch auch wenn diese Neuerung im ADFC-Stadtplan erfasst ist, ist das Ziel noch in weiter Ferne. Laut ADFC-Rechnung sind bisher rund 3,5 Prozent der 447 Projekte erledigt. Dabei sind aber bereits knapp 17 Prozent der Zeit von der Beschlussfassung 2017 bis zum Terminziel im Dezember 2025 vergangen. Will die Stadt alle Projekte wie vom Stadtrat vorgegeben abschließen, müssen sich die neuen Planer mächtig ins Zeug legen.

Immerhin: Drei große Projekte laufen derzeit oder werden gerade vorbereitet. In Wachwitz wird der rechtselbische Radweg gebaut, und in Loschwitz sollen in etwa zwei Wochen die Bauarbeiten am Körnerweg abgeschlossen werden. Und auch beim zweiten Elberadweg zwischen der Albertbrücke und dem Blauen Wunder geht es jetzt wieder voran, sagt der Baubürgermeister. Im ADFC-Plan betrifft das gleich zwei Maßnahmen. „Wir haben die Planungen ruhen lassen, weil wir mit der Waldschlößchenbrücke beschäftigt waren.“ Jetzt werde das Planungsverfahren wieder aufgenommen. Auf ein Datum für den Baubeginn mochte sich Schmidt-Lamontain allerdings nicht festlegen. Vor 2025 sollte der allerdings sein, will die Verwaltung den Radverkehrsauftrag des Stadtrats erfüllen.

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Insgesamt 16 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Täve Schur 2

    Wenn die Pressemitteilung vom 12.09.2018 der Stadt einfach abgepinselt wird, kommt so ein Artikel raus. Eine Lobhudelei auf die Stadt ohne mal die Richtigkeit des Inhalt zu prüfen. Die SZ als kostenpflichtiges Amtsblatt. - Der frisch asphaltierte Weg zwischen Altdobritz und Zufahrt Ballsporthalle ist ein Weg zwischen Kleingärten und nicht die Winterbergstrasse. Und die paar Striche auf der Winterbergstraße bis zum Großen Garten als Fahrradweg zu bezeichnen ist schon frech. Zwischen Zwinglistraße und Karcherallee ist es nur eine Frage der Zeit, wann es den ersten Unfall gibt. Denn die Autofahrer haben bisher nicht begriffen, dass dieser Bereich nicht mehr zweispurig ist. Man hätte ja auch einen richtigen Radweg bauen können, erhöht und von der Autofahrbahn abgegrenzt.

  2. Jörg

    Auf der Winterbergstr. zwischen Zwinglistr. und Großem Garten wäre genug Platz für einen richtigen Radweg und eine! Fahrspur gewesen. Warum man es nicht so gemacht hat? Mir bleibt es ein Rätsel?

  3. SK

    Der “Radweg“ auf der Winterbergstraße ist ein schlechter Scherz. Es ist dort kein Stück sicherer als vorher, denn weiterhin fahren die Autos zweispurig und drängeln sich dicht an den Radfahrern vorbei. Man hätte statt des überfahrbaren schmalen Schutzstreifens einen richtigen Radweg wie z.B. auf der Wilsdruffer Straße einrichten können und die Straße einspurig machen. Bei der jetzigen Lösung fahren viele Radfahrer weiterhin auf dem Fußweg, es sei denn, sie haben einen mutigen und unsterblichen Tag erwischt.

  4. Steinhardt

    Wie wird denn der zukünftige Radweg auf der Königsbrücker Straße zwischen Albertplatz und Stauffenberg-Allee aussehen ? Wird er extra gebaut oder nur wieder rot angepinselt und mit weißer Markierung von den bösen Autofahrern getrennt ?

  5. giro

    3,5 % erledigt in 2 Jahren, da sollte man mal prüfen, wer da den Fuß auf der Bremse hat! 7 neue Mitarbeiter eingestellt und nichts geht vorwärts. Der zweite, "richtige" Elberadweg parallel zum aktuellen hätte längst fertiggestellt sein können. Auch an der Nord-Süd-Verbindung herrscht Stillstand. Wir brauchen Radschnellwege mit entsprechendem Vorrang und kein jahrelanges Herumbasteln an einzelnen Problemstellen. Beispiel Kreuzung Winterbergstraße - Karcherallee: Hier muss es doch direkt geradeaus über die Straße in den Großen Garten gehen und nicht erst über den Fußweg! Und nach dem Großen Garten ist ohnehin Ende Gelände!

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