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Donnerstag, 07.06.2018

Benzin und Diesel bald klimaneutral?

Ohne flüssige Kraftstoffe geht es nicht - Flugzeuge und Schiffe, Lkw und die chemische Industrie sind darauf angewiesen. Doch sie belasten das Klima. Könnten künstliche Kraftstoffe ein Ausweg sein?

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Noch sind flüssige Kraftstoffe klimaschädigend.
Noch sind flüssige Kraftstoffe klimaschädigend.

© Andrea Warnecke/dpa

Berlin. Zur Erreichung der Klimaziele dürfen flüssige Energieträger wie Benzin, Diesel, Kerosin und Heizöl einer Untersuchung zufolge künftig nicht mehr aus Erdöl hergestellt werden. Die Umstellung von Treib- und Kraftstoffen auf erneuerbare Energie sei zu vertretbaren Kosten und wettbewerbsfähigen Preisen bis 2050 möglich, heißt es in einer am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie der Prognos AG. Man müsse jedoch umgehend damit beginnen, entsprechende Forschungs- und Entwicklungskapazitäten aufzubauen und einen allmählichen, aber stetigen Markthochlauf anstreben. Auftraggeber der Analyse sind Verbände der Mineralölwirtschaft.

Flüssige Kraft- und Brennstoffe stellen in Deutschland rund 98 Prozent der Antriebsenergie im Verkehrssektor und etwa 22 Prozent der Heizenergie bereit. Zudem deckt die chemische Industrie rund drei Viertel ihres organischen Rohstoffbedarfs mit Mineralöl. „Verbraucher und wichtige Wirtschaftsbereiche werden auch künftig flüssige Energieträger benötigen“, sagte Jens Hobohm von Prognos.

Um den Bedarf in allen Verkehrssektoren und in der Chemie zu decken, müssten bis 2050 rund 60 Millionen Tonnen klassischer Raffinerieprodukte durch die sogenannten E-Fuels ersetzt werden. Der Vorteil: Die Infrastruktur aus Pipelines, Tanklagern, Heizöltanks, Tankstellen und die bestehende Flotte könnten weiter genutzt werden.

Aus heutiger Sicht könnten die synthetischen Kraftstoffe zu Kosten zwischen 70 Cent und 1,30 Euro je Liter erzeugt werden - je nach Rahmenbedingungen. „Voraussetzung ist ein großindustrieller Einstieg in die Technologie“, erklärte Hobohm aber. Bislang sind nur kleinere Anlagen mit Jahreskapazitäten von 10 000 Tonnen geplant, die bis 2020 fertig werden sollen. „Die Ziele sind extrem ambitioniert“, sagte Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV).

Es sei enorm viel Strom aus erneuerbaren Quellen notwendig, um die benötigten Mengen flüssiger Kraftstoffe bereitzustellen. Küchen nimmt an, dass die Produkte in wind- und sonnenreichen Ländern produziert und anschließend in die Verbrauchsländer exportiert werden.

Ein Verfahren zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe besteht darin, Wasserstoff und Kohlenstoff mit Hilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen in einen flüssigen Energieträger umzuwandeln - ohne Rohöl als Ausgangsstoff zu benutzen. Der Kohlenstoff kann aus der Luft oder aus Biomasse gewonnen werden. Synthetische Kraftstoffe können zudem CO2-ärmer verbrennen als herkömmlicher Sprit. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Oh mein Gott!

    DAS darf doch nun überhaupt nicht passieren! Da müssen sich doch die Klimareligiösen ein anderes Feindbild gegen die bööösen Autofahrer erfinden. Die Forschung sollte schnellstens verboten werden. Ein Verfahren zur Herstellung von synthetischem Diesel aus Abfällen ist ja bereits erfolgreich beerdigt worden.

  2. Nee

    Es scheitert nicht daran, dass hier jemand die Technologie tot trampelt, sondern an den Rahmenbedingungen. Es ist doch absurd, dass alle Welt auf die Erneuerbaren wegen deren angeblicher nicht machbaren Verstetigung durch Speicher schimpft, aber vorhandene Speicher außer Betrieb gesetzt werden (siehe PSW Cossebaude). Der Grund ist schlicht. Für jede aus dem E-Netz entnommene kWh muss der Abnehmende die gesetzlichen Umlagen bezahlen. Da beim Speichern Energieverluste vorgegeben sind, muss der gespeicherte Strom entsprechend teurer werden. Da das aber keiner bezahlen will, ist es schlicht unwirtschaftlich. Das wird den synthetischen Kraftstoffen auch passieren, da mehr Energie reingesteckt werden muss als hinten nutzbar rauskommt. Im Übrigen warte ich nur auf den Aufschrei, wenn einer den letzten Satz mal liest und die Erkenntnis kommt, wir müssen den Erneuerbaren Sektor ausbauen.

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