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Dienstag, 10.07.2018

Bekommt Mulkwitz einen Friedwald?

Selbst auf den drei Friedhöfen hat die Gemeinde Schleife bergbaubedingten Nachholbedarf. Und eine interessante Idee.

Von Constanze Knappe

© Claudia Hübschmann

Eine Urnengemeinschaftsanlage mit Namenszug soll auf dem Friedhof in Mulkwitz entstehen. Dazu ein Friedwald mit mehreren Bänken. Diese besondere Form der Bestattungskultur möchte die Gemeinde Schleife den Einwohnern von Mulkwitz wie auch denen der anderen Ortsteile anbieten. Für die Umgestaltung des Friedhofs sind jedoch umfangreiche Bauarbeiten erforderlich etwa die Begradigung der Fläche. Auch sollen neue Wege angelegt werden. Alles in allem sind Kosten von 71 700 Euro veranschlagt. Die sollen nach Vorstellungen der Gemeinde Schleife mit einer Förderung in Höhe von 80 Prozent über die Ile-Region Lausitzer Seenland finanziert werden. In seiner jüngsten Sitzung beschloss der Gemeinderat, dafür einen Fördermittelantrag zu stellen. Mit großer Mehrheit befürworteten die Räte, den Eigenanteil von 14 300 Euro aus den Geldern zu bezahlen, die im Haushalt als Eigenmittel für den Breitbandausbau eingeplant sind, aber nicht benötigt werden.

An sich ist der Friedhof zu groß für Mulkwitz. Da der Ort abgebaggert werden sollte, bestand über Jahre kein Bedarf, sich damit zu befassen. Seit mit der Änderung des Revierkonzepts feststeht, dass Mulkwitz erhalten bleibt, rückte auch der Friedhof in den Mittelpunkt des Interesses. Die Gemeinde ließ ein Konzept erarbeiten, wie dessen ungenutzte Fläche gestaltet werden könnte. Mit einem Friedwald zum Beispiel. Dabei handelt es sich um eine alternative Bestattungsform. Die Asche der Verstorbenen wird in biologisch abbaubaren Urnen an den Wurzeln der Bäume bestattet. Nach den anfänglich bundesweit äußerst kontrovers geführten Diskussionen gibt es Friedwälder inzwischen in ganz Deutschland.

Wie Hauptamtsleiterin Marion Mudra informierte, fanden auf dem Friedhof in Mulkwitz einige Begehungen mit Planern und Ortschaftsrat statt. Über die Ausführung sei man sich weitgehend einig.

Nur mit Fördermitteln realisierbar

Um die Finanzierung auf den Weg zu bringen, gibt es – wie die Gemeinderatssitzung zeigte – noch etliche Hürden. Gemeinderat Ingo Schuster lehnte den Beschluss generell ab. „Ich habe nichts gegen die Mulkwitzer. Aber so lange die vom Freistaat zugesagten Mittel für den Breitbandausbau nicht schriftlich bestätigt sind, halte ich Beschlüsse wie diesen für grob fahrlässig“, erklärte er. Zunächst gehe es doch nur darum, die Fördermittel zu beantragen, so Kämmerin Carmen Petrick. „Wenn der Ile-Ausschuss das Vorhaben bestätigt, geht der Fördermittelantrag weiter an den Landkreis. Dann können wir das Vorhaben in den Haushalt 2019 einbringen“, erklärte sie den weiteren Werdegang. Umgesetzt wird das Vorhaben nur, wenn es tatsächlich Fördermittel dafür gibt.

Anträge auch für Schleife und Rohne

Das gilt für den Friedhof in Mulkwitz ebenso wie für den in Schleife und den in Rohne. Darüber war man sich bereits im Februar einig, als sich der Gemeinderat schon einmal mit den Friedhöfen beschäftigte. Auf dem in Schleife soll die Einfriedung erneuert und dafür der alte Maschendrahtzaun und die alte Hecke entfernt werden. Die großen Bäume sollen durch zusätzliche, schon größere Bäume ergänzt werden. Für die Baukosten von 100 000 Euro erhofft sich die Gemeinde eine 80-prozentige Förderung. In dem Antrag noch nicht enthalten ist eine Überdachung. Da die Trauerhalle unter Denkmalschutz steht, braucht es dafür einer Genehmigung der Behörde.

In Rohne sollen 50 Grabsteine mit sorbischen Inschriften restauriert und wieder aufgestellt werden. Geplant sind außerdem eine Urnengemeinschaftsanlage mit Namenszug und die Neugestaltung der Grünflächen und Wege. Auch für diese Kosten in Höhe von 62 500 Euro erhofft man sich eine 80-prozentige Förderung. In Schleife wie in Rohne war wegen der drohenden Abbaggerung auf den Friedhöfen nichts mehr passiert. Einstimmig fasste der Gemeinderat im Februar die Beschlüsse zu den Förderanträgen. Allerdings unter Vorbehalt. Bereits zuvor im Verwaltungsausschuss war man sich einig, dass beides nur mit Fördermitteln machbar ist. Auch da gab es die Bedenken, ob die vom Freistaat angekündigten Mittel für den Breitbandausbau tatsächlich kommen.

Daran hat Kämmerin Carmen Petrick jedoch keinen Zweifel mehr. Wie der stellvertretende Bürgermeister Jörg Funda jetzt im Gemeinderat verlauten ließ, habe der Lenkungssausschuss der Ile-Region dem Antrag auf Fördermittel für den Friedhof in Rohne stattgegeben, der für Schleife hingegen sei verschoben worden.

Für den Friedhof in Mulkwitz wurden mit dem Beschluss zur Beantragung der Fördermittel zumindest die Weichen gestellt. Es war der letzte Beschluss vor der Sommerpause. „Auch wenn das nach Urlaub klingt, die Verwaltung hat in dieser Zeit umfangreiche Arbeiten zu erledigen“, sagte Jörg Funda. Seit März vertritt der Gemeinderat den erkrankten Bürgermeister Reinhard Bork. „Es macht großen Spaß, aber es ist eine kraftraubende Arbeit“, erklärte er. Und noch dazu nur im Ehrenamt sei es „eine nicht unerhebliche Belastung“. Daher sei er froh, dass der Gemeinderat jetzt erstmal Pause hat. Gemeinderat Wolfgang Goldstein dankte Jörg Funda, dass dieser trotz vieler Schwierigkeiten „die großen Dinge zum Beschluss gebracht hat“.