• Einstellungen
Donnerstag, 14.06.2018

Beißverbot, Rekordprämie, Kosmosball

Das Warten hat ein Ende. Wer sich noch fit machen will fürs Fußball-WM-Turnier – die letzten Fakten vor dem Anstoß.

Von Daniel Klein

Die Weltmeister-Trophäe wird auf einem Kongress des Fußball-Weltverbands am Vortag der Eröffnung der Fußball-WM präsentiert.
Die Weltmeister-Trophäe wird auf einem Kongress des Fußball-Weltverbands am Vortag der Eröffnung der Fußball-WM präsentiert.

© Pavel Golovkin/AP/dpa

Endlich geht es los. Endlich wird nicht mehr über Doping, Kosten und Korruption diskutiert. Endlich geht es nur noch um Fußball – na ja, fast nur noch. Ein bisschen Tamtam vor dem Eröffnungsspiel am Donnerstag zwischen Gastgeber Russland und Deutschland-Schreck Saudi-Arabien muss schon sein bei solch einem globalen Großereignis. Also singt erst Robbie Williams und dann kommt endlich der Ball ins Spiel – und zwar beinahe direkt aus dem All. Zwei Monate umkreiste der Telestar 18, so heißt das Modell, an Bord der Raumstation ISS die Erde. Vor einigen Tagen brachte ein Astronaut die kosmische Kugel zurück auf die Erde. Hoffentlich denkt noch jemand dran, vor dem Anstoß um 17 Uhr das Spielgerät aufzupumpen. Was man sonst noch wissen muss vor dem Turnierstart:

Wer sind die Favoriten?

Russland wohl kaum, Holland und Italien ganz bestimmt nicht. Sie glänzen durch Abwesenheit. Der Kreis der Verdächtigen ist trotzdem nicht kleiner geworden. Denn außer Deutschland und Brasilien, die bei Experten, Wettanbietern und Wahrscheinlichkeits-Mathematikern vorn liegen, folgt in der Aufzählung hinter Portugal, Frankreich, Spanien und Argentinien auffällig oft Belgien. Dort spielt gerade die „goldene Generation“, zu der der Ex-Wolfsburger Kevin De Bruyne gehört. Der spielt für Manchester City, auch seine Nebenleute sind bei europäischen Topklubs unter Vertrag. 18 Spiele in Folge ist Belgien ungeschlagen. Für den Titel dürften sie zumindest in den K.o.-Runden nicht verlieren.

Wer wird zum Star der WM?

Vielleicht mal nicht die Werbemillionäre und Weltfußballer-Abonnenten. Lionel Messi und Cristiano Ronaldo haben schon so viele Titel gesammelt, dass es langweilig wäre, wenn sie auch in Russland die Besten sind. Neymar hat nach der missglückten Heim-WM zumindest einen kleinen Mitleidsbonus. Marco Reus würde man nach der unsäglichen Verletzungshistorie ein gutes Turnier wünschen. Oder aber Mohamed Salah stürmt mit Ägypten als Gruppenzweiter ins Achtelfinale, trifft dort auf Spanien, führt einen Zweikampf mit Sergio Ramos und … Der Fußball schreibt manchmal die verrücktesten Geschichten.

Wo wird gespielt?
In elf russischen Städten wird gespielt, diese liegen in vier verschiedenen Zeitzonen. Die gleiche Uhrzeit wie in Deutschland herrscht nur im westlichsten Spielort Kaliningrad. Zwei Stunden voraus im Vergleich zur Mitteleuropäischen Sommerzeit ist man in Samara, gleich drei Stunden sind es in Jekaterinburg am Ural. Alle anderen acht Spielorte, darunter die deutschen Gruppenspielorte Moskau, Sotschi und Kasan haben eine Stunde Zeitdifferenz. Ein Beispiel: Wenn das deutsche Auftaktspiel gegen Mexiko am Sonntag um 17.00 deutscher Zeit beginnt, ist es in Moskau schon 18.00 Uhr.

Gibt es noch Tickets?

Ja, aber nicht mehr für die deutschen Gruppenspiele. Der Weltverband verkauft seit vergangenem Freitag mehr als 100 000 zusätzliche Karten. Die Preise bewegen sich zwischen 85 Euro (Gruppenphase) und 900 Euro (Finale).

Wer macht am meisten Kasse?

Die Fifa ist nicht nur Ausrichter, sondern auch der größte Gewinner bei jeder Fußball-WM. 2014 in Brasilien summierte sich der Überschuss auf 2,2 Milliarden Euro. Wie das funktioniert? Die Vermarktungsrechte liegen sämtlich beim Weltverband, der so an jedem Trikot und jedem Plüschmaskottchen verdient, das weltweit über die Ladentheken wandert. Aber auch die teilnehmenden Verbände profitieren vom WM-Geschäft. Die Fifa schüttet an die 32 Länder insgesamt 668 Millionen Euro aus, 338 davon als Prämien. Garantiert sind 6,7 Millionen Euro, der Weltmeister bekommt 32 Millionen. Auf die Spielerkonten wandert dieses Geld aber nicht, sondern wird – im Idealfall – in die Nachwuchsarbeit investiert. Die Mannschaften handeln ihre Sonderzahlungen mit dem jeweiligen Verband aus. Die Spanier waren da am erfolgreichsten, jeder Spieler würde 825 000 Euro für den Titel bekommen. Die deutschen Weltmeister erhielten vor vier Jahren je 300 000 Euro. Diesmal wären es 50 000 Euro mehr, die Prämien sind stark leistungsbezogen, ausgezahlt wird erst ab dem Viertelfinal-Einzug.

Was ist außer dem Videobeweis neu?

Es gilt ein Beißverbot – wohlgemerkt auf dem Rasen. Das Erstaunliche dabei: Bisher tauchte diese Tätlichkeit nicht im Regelwerk auf. Nun ist das Zücken der Roten Karte für die Schiedsrichter vorgeschrieben. Auslöser der Regeländerung war Uruguays Star Luis Suarez, der 2014 Giorgio Chiellini gebissen hatte. Das Vergehen hatten die Schiris nicht bemerkt, deshalb wurde Suarez erst nachträglich gesperrt. Das kann nun nicht mehr passieren – wenn der Videobeweis funktioniert.

Um was wird eigentlich gespielt?

Wie bei jedem Freizeit-Turnier um einen Pokal natürlich, allerdings um einen namenlosen. Fifa-WM-Trophy heißt die 37 Zentimeter große und 6 175 Gramm schwere Goldstatue offiziell. Der 1974 abgelöste Vorgänger wurde noch als Jules-Rimet-Pokal überreicht. Den durfte der damals dreimalige Weltmeister Brasilien behalten. Diese Praxis hat man abgeschafft, die Titelträger bekommen nun Kopien. Nach der Einführung vor 44 Jahren durfte Franz Beckenbauer den Pokal als erster Kapitän in den Himmel recken. Seither hat ihn kein Land so oft gewonnen wie Deutschland – nach 1974 noch 1990 und 2014. Argentinien (1978, 1986), Brasilien (1994, 2002) und Italien (1982, 2006) siegten in der Zeitspanne je zweimal.

Womit stoßen die Fans an?

Auch wenn in Russland Wodka das Nationalgetränk schlechthin ist, kommt man an Bier nicht vorbei. Wobei die Fans in den Stadien in ihrer Auswahl stark eingeschränkt sind. Biersponsor der Fifa ist Budweiser, allerdings nicht die Brauerei aus Tschechien, sondern die aus den USA. Deshalb darf zu den Spielen nur diese Marke ausgeschenkt werden. In Deutschland werden andere Sorten neben dem Fernseher und Grill stehen. Die Brauer jubeln schon jetzt über Rekordumsätze, was aber auch am trocken-heißen Wetter liegen kann. Bei der WM 2014 und der EM 2016 stieg der Bierumsatz um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 2022 werden sich dann eher die Glühweinproduzenten freuen, der Dezember ist ein schwieriger Biermonat.

Wie läuft die WM bei der SZ?

Neben den Berichten in der Zeitung findet die Endrunde natürlich auch auf unserem Nachrichtenportal sz-online.de statt. Dort gibt es ein WM-Spezial mit Live-Tickern zu allen Spielen, Porträts aller Mannschaften, Hintergründen zum Gastgeberland und einer Karte mit über 70 Public-Viewing-Orten in Ostsachsen. (mit dpa/sid)

Desktopversion des Artikels

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.