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Dienstag, 13.03.2018

Bei Zinkes wird es eng

Die Caravan-Firma in Ebersbach kann sich vor Aufträgen nicht retten. Deshalb baut sie an.

Von Gabriela Lachnit

Matthias (links) und Jost Zinke zwischen den Wohnmobilen, die dicht an dicht auf dem Firmengrundstück stehen.
Matthias (links) und Jost Zinke zwischen den Wohnmobilen, die dicht an dicht auf dem Firmengrundstück stehen.

© Matthias Weber

Ebersbach. Jost Zinke wird es jeden Tag mehr bewusst: Es ist kein Platz auf dem Firmengelände, auch in der Werkstatt wird es eng. Deshalb hat der Inhaber von Caravan-Zinke jetzt gehandelt und wird ein Grundstück erwerben. Es grenzt genau an das bereits von seiner Firma genutzte Areal im Ebersbacher Gewerbegebiet an der Rumburger Straße, direkt an der vielbefahrenen S 148. Derzeit werden die Kaufverhandlungen abgewickelt. Jost Zinke hatte das rund 4 000 Quadratmeter große Grundstück seit langem im Auge, falls er sich mit der Firma erweitern will. Jetzt ist es soweit. Die Geschäftslage habe sich sehr gut entwickelt, sagt der Inhaber der Firma. Die Hersteller von Wohnmobilen kämen mit der Fertigung gar nicht hinterher, es gebe sehr viele Bestellungen, deshalb will Jost Zinke die Firma erweitern.

Das bislang genutzte Areal gibt kaum noch Stellflächen her für Wohnmobile und Wohnanhänger. In der Werkstatt wird es ebenfalls sehr eng. Und schließlich will Jost Zinke Neues anbieten, indem er künftig Caravans behindertengerecht ausbaut. Das sei logische Folge der demografischen Entwicklung, sagt er. Die Menschen, die mit Caravans und Wohnanhängern unterwegs sind, werden älter und haben oft sehr individuelle Ansprüche an altersgerechten Komfort. „Dafür brauche ich aber mehr Platz, auf dem Freigelände und vor allem in der Werkstatt“, betont der Caravan-Experte. Deshalb will der Unternehmer die Werkstatt mit einem Anbau erweitern. Wie groß genau der werden wird, kann er im Moment noch nicht auf den Quadratmeter sagen, weil er erst einmal die Gestaltung planen muss.

Auf alle Fälle werde der Anbau zwischen 400 und 450 Quadratmetern Grundfläche haben. Dort gibt es dann nicht nur Platz für mehrere Hebebühnen, sondern auch für die Lagerung von Material und eine Waschhalle. Vor allem aber sollen vier oder fünf neue Arbeitsplätze entstehen. „Immer mehr Menschen fragen nach behindertengerechten Wohnmobilen und -anhängern“, berichtet Zinke. Vom Werk werden die aber nach Standard geliefert. Bei Caravan-Zinke wird es dann künftig möglich sein, das Mobil individuell nach dem Kundenwunsch behindertengerecht anzupassen. Der Kunde, ganz gleich, welche Einschränkung er hat, kann dann mit dem Mobil entsprechend seinen Wünschen gut zurechtkommen.

Die zehn Mitarbeiter, die dort derzeit in der Firma tätig sind, schaffen das aber nicht, sodass eine personelle Aufstockung vor allem im Werkstattbereich jetzt nötig ist. „Es ist aber sehr schwer, Werkstattpersonal zu finden“, sagt er. Wie leer gefegt sei der hiesige Arbeitsmarkt, was Kfz-Elektriker, Mechatroniker und Meister angehe, sagt der Firmenchef. Deshalb sucht er jetzt nach Quereinsteigern mit handwerklicher Begabung auch im Tischlerhandwerk oder ähnlichen Bereichen.

Wenn alles klappt und nach Plan verläuft, soll noch im dritten Quartal dieses Jahres Baustart sein. Ende des kommenden Jahres soll alles fertig sein. Dann wird Jost Zinke eine höhere sechsstellige Summe investiert haben. Dann denkt er daran, vielleicht auch wieder einmal einen Lehrling auszubilden. Über die Unternehmensnachfolge braucht er sich jedoch keine Gedanken zu machen: Mit seinem Sohn Matthias steht bereits die nächste Generation in den Startlöchern.

Mit dem Verkauf der Fläche an Caravan-Zinke ist ein weiteres Grundstück im Gewerbegebiet an der Rumburger Straße in Ebersbach für eine Bebauung vorgesehen. Schräg gegenüber wächst derzeit der neue Firmensitz für die Firma Lutat Arbeitsbühnen. Das Unternehmen OF Stapler aus Neugersdorf wird sich ebenfalls in Kürze in dem Gebiet ansiedeln.

Knapp 20 Hektar groß ist das Gewerbegebiet an der Rumburger Straße. Der größte Teil der Flächen ist bereits an gewerbliche Unternehmen veräußert. „In den frühen 1990ern ist das Gebiet angelegt worden“, hat Stefan Halang recherchiert. Er ist in der Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf der Wirtschaftsförderer. Zuvor war das Areal Ackerland, das an die Stadt Ebersbach verkauft worden ist. Zu den ersten Unternehmen, die sich angesiedelt haben, gehörten der Obi-Baumarkt und der Magnet-Einkaufsmarkt, dort, wo heute Kaufland steht. Nach und nach füllte sich das Gebiet. Eine Tankstelle, Maschinen- und Anlagenbauer, Schweißtechniker, Metallbauer, Möbelproduzenten, Autohäuser und Verkaufsstellen für Heimelektronik haben sich angesiedelt und sorgen für einen guten Branchenmix im Gebiet.

Nur noch reichlich vier Hektar Gewerbefläche sind verfügbar. Sieben Teilflächen zwischen 4 400 und 7 200 Quadratmetern stehen zur Verfügung. Für die Interessenten dürften das gute Angebote sein, betont Stefan Halang. Die Bebauung ist sofort möglich, es gibt einen Bebauungsplan. Anschlüsse für Medien wie Strom, Wasser, Abwasser und Gas liegen bereits an und liegen meist in der Straße. Die Flächen sind über gut ausgebaute öffentliche Straßen mit einseitigen Gehwegen gut erreichbar.

Das Land ist baureif, hat keine Altlasten und keine Grundwasserschäden, berichtet Stefan Halang. Die zentrale Lage sei ein weiterer Vorteil für Unternehmen, sich hier anzusiedeln. Nur etwa acht Kilometer sei es bis nach Tschechien, die nächste Anschlussstelle an die Autobahn 4 ist nur 27 Kilometer entfernt. Der öffentliche Nahverkehr ist direkt an das Gewerbegebiet angebunden. „Und auch Fördermöglichkeiten für die Ansiedelung gibt es“, sagt der Wirtschaftsförderer.

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