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Dienstag, 07.08.2018

Bebendes Ferienparadies

Von Willi Germund,SZ-Korrespondent in Asien

Rettungskräfte suchen in einem eingestürzten Haus im Norden Lomboks nach Überlebenden. Foto: STR/EPA-EFE/REX/Shutterstock
Rettungskräfte suchen in einem eingestürzten Haus im Norden Lomboks nach Überlebenden. Foto: STR/EPA-EFE/REX/Shutterstock

© STR/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Gläubigen in der Moschee des Dorfes Lading-Lading hatten keine Chance. Als am Sonntagabend ein Erdbeben die indonesische Ferieninsel Lombok mit einer Stärke von 7,0 auf der Richterskala erschütterte, stürzte die grüne Kuppel auf die betenden Menschen. „Wir wissen nicht, wie viele Menschen begraben wurden“, erklärte ein Sprecher von Jakartas Katastrophenschutzbehörde BNPB. Weite Teile des Nordens von Lombok seien von der Außenwelt abgeschnitten. Wie viele Menschen bei dem Unglück gestorben sind, ist bislang unklar. Die Rede ist von 142.

Die kleinere Nachbarinsel von Bali war erst vor einer Woche von einem Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert worden. Dabei waren 17 Menschen getötet worden. Am Sonntag stürzten sowohl die beschädigten Gebäude als auch unversehrte Häuser ein. Das Beben war auch in Denpasar, der Hauptstadt Balis, zu spüren.

Besonders stark bebte die Erde auf den drei kleinen Inseln des Gili-Archipels nahe der Nordküste von Lombok, unter der das Epicenter lag. Viele Bewohner und die zahlreichen Urlauber, die überwiegend zum Sporttauchen nach Gili strömen, machten erst auf dem höchsten Punkt der Inseln wieder Halt. Der Grund: Seit dem Jahr 2004 sitzt die Gefahr eines Tsunami in allen Köpfen fest. Obwohl es sich um ein „Inlandsbeben“ handelte, lösten die Behörden einen Tsunami-Alarm aus. Nachdem sie nur eine kleine, kaum wahrnehmbare Flutwelle verzeichneten, wurde der Alarm wieder aufgehoben.

Doch viele der verängstigten Indonesier und Ausländer erreichte die Meldung nicht. „Ich habe zuletzt von meiner Tochter gehört, als sie verängstigt auf einem Baum saß“, schrieb die Mutter einer australischen Urlauberin auf dem Nachrichtenportal Twitter.

Auf Gili hielt die erste Panik auch am Montag an. Rucksacktouristen drängten sich am Strand der Inseln und versuchten, einen Platz auf den überfüllten Motorbooten zu erkämpfen. Denn nach dem schweren Beben vom Sonntagabend sorgten mehr als 130 Nachbeben für weitere Aufregung. Die Fluglinien waren dem plötzlichen Ansturm reisewilliger Touristen nicht gewachsen. „Wir versuchen, Flugzeuge zu finden“, hieß es bei der knapp kalkulierenden Billiglinie Air Asia. Garuda, Indonesiens staatliche Fluglinie, sprang schließlich mit Zusatzflügen ein.

Etwa 10 000 Menschen konnten am Montag Lombok verlassen. Unter den Passagieren befanden sich Australiens und Singapurs Innenminister, die bei einer Anti-Terror-Konferenz in Lombok waren.

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