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Mittwoch, 15.11.2017

Baustart auf Königsbrücker nicht vor 2020

Rödertal-Pendler brauchen noch Geduld. Aber Dresden hat den Bauantrag eingereicht. Es geht noch um kleine Details.

Von Peter Hilbert

So wird die Königsbrücke zwischen Louisenstraße und Bischofsweg aussehen. Das wird ein Kompromiss zwischen Verkehr und Stadtteilleben.
So wird die Königsbrücke zwischen Louisenstraße und Bischofsweg aussehen. Das wird ein Kompromiss zwischen Verkehr und Stadtteilleben.

© Visualisierung: Stadtverwaltung Dresden

Dresden. Auch wenn die Berufspendler aus dem Rödertal noch Geduld brauchen – das Aufatmen kann zumindest schon mal langsam beginnen: Nach jahrzehntelangen Diskussionen soll die Königsbrücker Straße in Dresden endlich ausgebaut werden; eine der wichtigsten „Einflugschneisen“ der Pendler. Im Juni 2016 war im Dresdner Stadtrat die Entscheidung zugunsten einer Kompromiss-Variante mit einer engeren Straße und breiteren Geh- und Radwegen gefallen. Vor Kurzem konnte der Bauantrag bei der Landesdirektion eingereicht werden. Das geschieht mit den sogenannten Planfeststellungsunterlagen. Nur ein Dokument ist dort noch nachzureichen.

Jetzt geht es vor allem um die Abstimmung von vielen Details. Dazu hatte die Lenkungsgruppe mit Vertretern der Stadtratsfraktionen, von Fachämtern und den Verkehrsbetrieben bei sechs Sitzungen dieses Jahr die Details debattiert. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) und Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz erläutern der SZ den aktuellen Stand.

Die Strategie: Kompromiss zwischen Durchgangsverkehr und Stadtteilleben

Die gewählte Variante für die knapp 1,5 Kilometer lange Verbindung zwischen Albertplatz und Staufenbergallee soll alle Interessen berücksichtigen und den Verkehr dennoch nicht ausbremsen. Vorgesehen ist ein eigenes Gleisbett für die Straßenbahn. Daneben gibt es je eine Fahrspur und den Radstreifen. Allerdings ist das nicht durchgängig so geplant. Im Abschnitt zwischen Katharinenstraße und Bischofsweg müssen sich Autos und Bahnen eine Spur teilen zugunsten von Gehwegen, die zwischen drei und über fünf Meter breit werden.

Fußgänger müssen auf der Ostseite keinerlei Einschränkungen hinnehmen. Für Radfahrer sind neben der Straße durchgängig eigene Wege geplant.

Detail 1: Straßenbäume zwischen den Parkplätzen an der Königsbrücker

Zwischen Albertplatz und Bischofsweg gibt es derzeit 118 Kfz-Stellplätze. Künftig fallen 48 weg, erklärt Koettnitz. Denn geplant ist jetzt eine Variante, bei der Ulmen zwischen den einzelnen Stellplätzen gepflanzt werden. Würden die Bäume neben den Stellplätzen angeordnet, gäbe es zwar zehn mehr. Doch dann wäre deutlich weniger Platz auf dem Gehweg.

Detail 2: Bessere Radweg-Anschlüsse am Bischofsweg

Bei der ursprünglichen Planung war am westlichen Bischofsweg nur ein Radweg gegenüber der Schauburg vorgesehen. „Doch der Bischofsweg ist eine der wichtigsten Radverkehrsrouten“, sagt Schmidt-Lamontain. Deshalb wurden am östlichen und am westlichen Anschluss des Bischofsweges zur Königsbrücker zusätzlich 1,25 Meter breite Radstreifen geplant. Der Platz ist dort äußerst knapp. „Das war ein Gefeilsche um jeden Zentimeter“, so Koettnitz.

Detail 3: Eine Baumreihe in Richtung Stauffenbergallee weicht Stellplätzen

Im nächsten Abschnitt zwischen Bischofsweg und Stauffenbergallee haben die Stellplätze Vorrang. Auf der Ostseite verläuft der ehemalige Reitweg, sodass es dort derzeit zwei Baumreihen gibt. Künftig wird es nur noch eine Reihe mit Linden geben und 51 Stellplätze. „Mit einer doppelten Baumreihe wären es wesentlich weniger geworden“, erklärt der Straßenbauamtschef.

Detail 4: Viele gute Gestaltungsideen bei Bürgerwerkstatt

Nach Lösungen für die Gestaltung von drei Bereichen wurde bei einem Workshop im September gesucht. Dabei ging es um die Flächen an der Schauburg, zwischen Eschen- und Scheunenhofstraße sowie vor der alten Post. In drei Gruppen wurde bei dieser Bürgerwerkstatt beispielsweise über Sinn oder Unsinn von Bänken vor den Häusern debattiert oder die Verkehrsberuhigung an den Einmündungen der Eschen- und Scheunenhofstraße. So sollen Fußwegquerungen auf der Fahrbahn deutlich erhöht und gut sichtbar gestaltet werden. Die Ideen werden derzeit ausgewertet. Landschaftsarchitekten müssen mögliche Lösungen dann noch in die Pläne einarbeiten.

Die Genehmigung: Langes Verfahren wird sehr aufwendig

Zum Genehmigungsverfahren hat die Landesdirektion noch ein Lärmschutz-Gutachten für die Umleitungen gefordert. „Das ist derzeit in der Endfassung“, sagt Koettnitz. Er rechnet damit, dass dieses Verfahren nicht einfach wird. Zuerst werden die Pläne ausgelegt. Außerdem gibt es einen Erörterungstermin, bei dem jeder seine Einwände anbringen kann, die geprüft werden. Letztlich wird die Genehmigung, der sogenannte Planfeststellungsbeschluss wieder ausgelegt. Klagt ein Betroffener aber vorm Verwaltungsgericht, verzögert sich alles. Verläuft das Verfahren zügig, könnte der Auftrag 2019 europaweit ausgeschrieben werden. Bis zur Vergabe dauert es bis zu acht Monate. Also könnte der Bau im günstigsten Fall 2020 beginnen.

Der Bau: Die Königsbrücker wird zur Einbahnstraße

Der Amtschef rechnet mit einer Bauzeit von mindestens zwei Jahren. Die Arbeiten beginnen im Abschnitt Albertplatz/Bischofsweg. Dann kommt das Stück Bischofsweg/Stauffenbergallee an die Reihe und zuletzt die Kreuzung Bischofsweg. Beim Bau wird die Königsbrücker stadtauswärts zur Einbahnstraße.