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Montag, 09.07.2018

Auto-Museum für einen Tag

Bei der Fahrt der Ottendorfer Oldtimerfreunde gab es viel zu staunen. Der Verein meldet einen Teilnehmerrekord.

Von Bernd Goldammer

Oldtimer in Ottendorf

Ein Blickfang für Oldtimerfreunde. Der BMW-Oldie des Radeberger Rechtsanwaltes Olaf Stallmach war ein Knüller. Zusammen mit seiner Frau nahm er am Sonntag an der 34. Zuverlässigkeitsfahrt der Ottendorfer Oldtimerfreunde teil.
Ein Blickfang für Oldtimerfreunde. Der BMW-Oldie des Radeberger Rechtsanwaltes Olaf Stallmach war ein Knüller. Zusammen mit seiner Frau nahm er am Sonntag an der 34. Zuverlässigkeitsfahrt der Ottendorfer Oldtimerfreunde teil.

© Bernd Goldammer

Ottendorf-Okrilla. Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Juli wird es auf dem Gelände der Kühnmühle eng. Der Grund: Ottendorfs Oldtimerfreunde laden dann zu ihrer Zuverlässigkeitsfahrt ein. Dass es diesmal einen Teilnehmerrekord geben würde, damit hatte man nicht gerechnet. Als dann aber ein Oldtimer nach dem andern auf die Parkplätze rollte, ahnten die Organisatoren, dass der Platz knapp werden könnte. Doch sie reagierten schnell. Weder Teilnehmer noch Besucher bekamen die zeitweilige Kalamität mit. Am Ende stand fest: Mit mehr als 170 Teilnehmern wurde ein neuer Rekord aufgestellt.

Oldtimer in Ottendorf

Die 34. Zuverlässigkeitsfahrt hatte ihren besonderen Zauber: Helmut Noack, ein langjähriger Fan der Ottendorfer Oldtimerfreunde, fuhr schon 90 Minuten vor dem Starttermin mit seinem Dixie A1 auf das Gelände. „Wenn es irgendwie ging, war ich bei den bisherigen Ausfahrten immer mit dabei“, erzählt Helmut Noack aus dem brandenburgischen Tettau. Frühzeitig ist er mit seiner Frau und seinem Wagen nach Ottendorf-Okrilla aufgebrochen. Mit hohen Drehzahlen hat es sein Oldi-Motor nicht so. Das Cabrio-Wetter am Sonntag genossen die Noacks umso mehr. Auf der Strecke nach Ottendorf ist langsame Fahrt angesagt. Auch Radebergs Oldtimerfreund Rechtsanwalt Olaf Stallmach hat sich mit seinem BMW Oldie und Gattin in die Fahrtlisten eingetragen.

Wer früh eintraf, konnte noch eine gute Position ergattern. Zu diesem Zeitpunkt war schon ein Treffen von Gleichgesinnten zu erleben. Sachsen, Brandenburger, Thüringer, alle haben sich viel zu erzählen. Und zu bestaunen gab es ebenso viel. Das weite Areal um die Kühnmühle hatte sich in ein großes, rollendes Automobilmuseum des 19. Jahrhunderts verwandelt.

Jedes Fahrzeug hat seine Geschichte. Hans Uwe Walter der Startsprecher der Oldtimerfreunde kennt sie alle. Als die Zuverlässigkeitsfahrt beginnt, erzählt er einige Geschichten: Woher die Autos stammen, unter welchen – mitunter kuriosen – Umständen sie in Scheunen und Garagen wiederentdeckt wurden und wie aufwendig sie wieder hergerichtet wurden. Viele Fahrzeug-Besitzer haben bei „Rost am Ring“ jahrelang Ersatzteile gesammelt. Durch Kontakte in ihrem Verein konnten sie die besten Lackierer und Polsterer ausfindig machen. Der Jubel war groß, wenn Schrotthaufen wieder zu einem rollenden Blickfang gemacht wurden.

Unbedarfte Zuschauer hatten das Gefühl, die meisten Autos wären erst vor Kurzem vom Fließband gerollt. Auch eine BMW-Isetta aus dem Baujahr 1956 war dabei. „Knutschkugel“ wurde der Zweisitzer genannt. Sie gehört Irene Wünsche aus Radeburg. Dass Oldtimer-Begeisterung nur Männer erfasst, ist mit diesem Beispiel widerlegt.

Auch die zwei historischen Feuerwehrfahrzeuge aus Grünberg und Langebrück waren zu sehen. Die Zuschauer sind froh, dass sich die Ottendorfer Oldtimerfreunde mit ihren jährlichen Aktivitäten so engagieren. Denn Ottendorf-Okrilla ist in den Kreisen der sächsischen Oldtimerfreunde etwas ganz Besonderes. Die Ottendorfer haben solche Ausfahrten schon gemacht, als es noch nicht so viele „einsatzbereite“ Oldtimer gab. Inzwischen hat sich das stark verändert. „Es ist Zeit für ein großes Dankeschön“, betonte Helmut Noack, bevor er Sonntagnachmittag wieder die Heimreise nach Tettau antrat. Es war ein schöner Tag mit tollen Menschen.