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Mittwoch, 05.09.2018

Ausflug unter sich

Während sich die Mannschaft einen Bunten macht, suchen Dynamos Sportchefs weiter einen Trainer. Das eine ist unbedingt gewollt, das andere nicht.

Von Tino Meyer und Sven Geisler

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Den Begriff Mannschaftsausflug nehmen sie bei Dynamo wörtlich. Der Übergangstrainer fehlt ebenso wie die sportliche Leitung, vom neuen Chefcoach ganz zu schweigen.
Den Begriff Mannschaftsausflug nehmen sie bei Dynamo wörtlich. Der Übergangstrainer fehlt ebenso wie die sportliche Leitung, vom neuen Chefcoach ganz zu schweigen.

© Robert Michael

Ein Nachmittag ohne Chefs – der Spaß kommt dennoch oder gerade deshalb nicht zu kurz. Erich Berko zum Beispiel freut sich ausgelassen an der Tischtennisplatte.
Ein Nachmittag ohne Chefs – der Spaß kommt dennoch oder gerade deshalb nicht zu kurz. Erich Berko zum Beispiel freut sich ausgelassen an der Tischtennisplatte.

© Robert Michael

Nur nichts überstürzen. Was bei der Trainersuche gilt, trifft erst recht auf Marco Hartmann zu. Der zuletzt verletzte Kapitän grüßt aus dem Liegestuhl.
Nur nichts überstürzen. Was bei der Trainersuche gilt, trifft erst recht auf Marco Hartmann zu. Der zuletzt verletzte Kapitän grüßt aus dem Liegestuhl.

© Robert Michael

Die Kiesgrube im Dresdner Südosten ist gut gesichert. Gitterzäune stehen hier immer, am Dienstagnachmittag jedoch zusätzlich auch Sicherheitskräfte am Eingang des Strandcafés Leuben. Selten prominente Gäste sind da. Drinnen tummeln sich die Fußballprofis von Dynamo Dresden samt Anhang. Obstteller und kleine Kuchen stehen bereit, eine schwarz-gelbe Hüpfburg, dazu Tischtennisplatten. Und Beachvolleyball kann auch gespielt werden.

Was offiziell unter dem Begriff Mannschaftsausflug firmiert, ist ein entspannter Nachmittag im Kreise der Mitspieler. Genau das Richtige also, wie Kapitän Marco Hartmann meint. Dass man in den vergangenen Jahren zu diesem Anlass schon größer und weiter unterwegs war – mal auf der Elbe, mal im Zwinger, bei Karl May in Radebeul, in Moritzburg oder auch in der Gläsernen Manufaktur –, stört ihn nicht. „Entspannt im Liegestuhl, die Seele baumeln lassen, ein bisschen Sand zum Spielen für die Kinder, direkt am See – so würde ich meine Freizeit verbringen. Doch dieser Nachmittag ist auch wichtig, um uns besser kennenzulernen und als Mannschaft zu finden“, erklärt Hartmann.

Auch die Spieler sind gespannt

Druck werde es spätestens nächste Woche im Hinblick auf die Partie in Regensburg wieder genug geben. Außerdem seien die vergangenen Tage und Wochen mit Niederlagen und Trainerwechsel ja auch wieder turbulent genug gewesen.

Gewesen?

Die Turbulenzen sind längst nicht vorbei, was natürlich auch Hartmann weiß. Intensiver als sonst verfolgt er die Nachrichtenlage. Jeden Morgen sind auch die ersten Minuten in der Kabine spannender als gewöhnlich, schließlich kann, soll und muss der neue Trainer ja irgendwann vorgestellt werden. „Das ist eine wichtige Entscheidung, die der Verein trifft. Dass sich das etwas länger hinzieht, sollte für die Mannschaft kein Problem sein, wir haben uns in erster Linie mit uns zu beschäftigen“, betont Sören Gonther, der nach seinem Kreuzbandriss und elf Monaten Pause am Montag mit dem Mannschaftstraining begonnen hat. „Die Ansage ist“, ergänzt Hartmann, „dass Cristian Fiel bis auf Weiteres übernimmt. Mehr weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.“

Und mehr ist selbst für ihn an diesem Nachmittag nicht herauszukriegen. Es fehlen – anders als angekündigt – schlicht die Ansprechpartner, zumindest in der Zeit, als Medienvertreter an den Sicherheitsleuten vorbei das Strandcafé betreten dürfen. Was zweierlei bedeuten kann: Entweder wollen die Sportchefs Ralf Minge und Kristian Walter unangenehme Fragen vermeiden oder sie bringen gerade die Verhandlungen mit dem Nachfolger des vor zwei Wochen entlassenen Uwe Neuhaus zum Abschluss.

„Ich glaube“, sagt Hartmann, „da gibt es irgendwelche Probleme. Für uns geht es sowieso darum, professionell zu bleiben.“ Dem Vernehmen nach soll der neue Trainer nun am Donnerstag präsentiert werden. Das für Freitag geplante straffe Testprogramm ist zumindest schon reduziert worden. Die für 11 Uhr im tschechischen Usti angesetzte Partie fällt aus, lediglich um 18 Uhr in Wilsdruff gegen den Erstligisten Bohemians Prag wird noch gespielt.

Zwei Spiele an einem Tag sind derzeit allerdings ohnehin kaum möglich. Mit Patrick Ebert, Sascha Horvath und Jannis Nikolaou liegen drei Profis mit einem Infekt im Bett, fünf weitere sind auf Länderspielreise. Und die verbleibenden 18 harren offensichtlich mehr schlecht als recht der Dinge. Nach und nach versammeln sie sich auf dem Trainingsplatz. 11 Uhr soll die Einheit am Dienstagmittag beginnen.

Gemeinsam mit Fitnesstrainer Philippe Hasler, der einen grünen Pezziball unterm Arm trägt, kommt Fiel fünf vor elf, doch erst fünf nach elf haben sich alle Spieler eingefunden. Der Übergangstrainer tritt in die Mitte, redet engagiert, gestikuliert viel. Einige Worte dringen bis an den Zaun, wo einige Interessierte vielleicht gehofft haben, den neuen Chefcoach zu sehen. „Disziplin“ ist mehrfach zu hören. Dann übernimmt Hasler und verschärft das Tempo.

Kapitän Hartmann, der seinen Muskelfaserriss weitgehend auskuriert hat, dreht einsam seine Runden, in einer kurzen Pause wechselt er ein paar Worte mit Fiel. Beide kennen sich aus gemeinsamen aktiven Zeiten. Anders als dann am Nachmittag ist auch Minge da. Nach dem Training tritt der Ex-Stürmer selbst an den Ball, doch Baris Atik, eigentlich ein Mann fürs Mittelfeld, pariert den Schuss.

Sie können beide darüber lachen. Ein Volltreffer bei der Trainersuche wäre jetzt wirklich wichtiger.

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