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Montag, 17.09.2018

Augustin glitzert nur als Zuschauer

Der RB-Stürmer wird von der Fifa gesperrt. Ohne ihn feiert Leipzig den ersten Saisonsieg und kehrt zur alten Taktik zurück.

Von Daniel Klein, Leipzig

Über Modegeschmack lässt sich streiten. Vielleicht wollte Jean-Kevin Augustin auch nur sichergehen, dass er sich genügend abhebt von seinen Mitspielern, die im Gegensatz zu ihm ihrer Arbeit nachgehen durften.
Über Modegeschmack lässt sich streiten. Vielleicht wollte Jean-Kevin Augustin auch nur sichergehen, dass er sich genügend abhebt von seinen Mitspielern, die im Gegensatz zu ihm ihrer Arbeit nachgehen durften.

© Picture Point/S. Sonntag

Fünf Pflichtspieltore hat Jean-Kevin Augustin in dieser Saison bereits erzielt, auf solch einen Stürmer verzichtet man ungern. Das hatte auch Ralf Rangnick nicht vor, der Trainer reservierte für den Franzosen einen Platz in der Startelf. Doch kurz vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 wurde der Angreifer plötzlich aus dem Kader gestrichen – auf Anraten der Rechtsabteilung von RB, wie Leipzigs Trainer und Sportdirektor verriet. Was war passiert?

Augustin hatte eine Einladung zur U21-Auswahl seines Landes erhalten, im Gegensatz zu Teamkollege Dayot Upamecano reiste er jedoch nicht an, blieb in Leipzig und bestritt hier eine Testpartie. Daraufhin reichte der französische Verband eine Beschwerde bei der Fifa ein, und die verhängte eine fünf Tage dauernde Sperre, die am Sonntag endete, also nach dem 3:2 gegen Hannover. Angesichts des ersten Bundesligasieges in dieser Saison war der Ärger bei Rangnick über das juristische Gezerre beinahe schon wieder verflogen – ein wenig grollte er aber noch. Sowohl der Deutsche Fußball-Bund (DFB) als auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) würden die RB-Ansicht teilen, dass es keine Abstellungspflicht für U21-Nationalspieler gebe, erklärte er. „Aber die Fifa interpretiert den Paragrafen offenbar anders.“ Und noch ein Punkt störte ihn. „Wir waren im Vorfeld auf alle betroffenen Nationalverbände zugegangen, hatten die zuständigen Kollegen angerufen und ihnen geschrieben. Der einzige, der überhaupt nicht reagiert hat, war der französische.“ In den nächsten Tagen sollen die Unstimmigkeiten ausgeräumt werden.

Für Augustin rückte gegen Hannover Yussuf Poulsen in die Startelf, der Däne erzielte prompt die Führung. Gänzlich vergessen machte das Fehlen des Franzosen jedoch Timo Werner, der erstmals in dieser Saison für RB traf – und das gleich doppelt. Die Entstehung der beiden Treffer, überhaupt die gesamten 90 Minuten erinnerten an den Stil, mit dem RB nach dem Aufstieg vor zwei Jahren für Furore und Erfolge gesorgt hatte – und der in der vergangenen Saison immer mehr abhandengekommen war: Das Spiel dem Gegner überlassen – Hannover hatte mehr als 60 Prozent Ballbesitz – , aggressives Pressing und blitzschnelles Kontern. 96-Trainer André Breitenreiter fand, dass RB „zu den Wurzeln zurückgekehrt“ sei. „Wenn sie im Zentrum den Ball erobern, geht es ratzfatz, dann kann man sie kaum noch stoppen.“

Die Leipziger Tore zwei und drei waren beinahe Kopien, Emil Forsberg leistete jeweils die präzise Vorarbeit. Der Schwede kämpfte in der vorigen Saison mit seiner Gesundheit und seiner Form. Dass er nun zu alter Stärke zurückfindet, wäre für die Mannschaft extrem wichtig. Nach dem Abgang von Naby Keita ist Forsberg fürs Kreative zuständig, vor allem für die Vertikalpässe auf den schnellen Werner.

Dass im Mittelfeld eine Lücke klafft, gab auch Rangnick erstmals zu. „Es fehlt ein Unterschiedspieler wie Keita, das ist unstrittig“, betonte er. „Aber einen zweiten Keita werden wir so schnell nicht herkriegen, den müssen wir selber entwickeln.“ In der Winterpause soll Amadou Haidara von Red Bull Salzburg kommen. Das ist auch Leipzigs nächster Gegner am Donnerstag in der Europa League. Die Sperre von Augustin ist dann längst abgelaufen.

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