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Dienstag, 12.06.2018

Auf Schumachers Spuren

Von Claas Hennig, Montreal

Sebastian Vettel hat mit seinem Sieg beim Formel1-Rennen in Kanada wieder die Führung in der WM-Fahrerwertung übernommen.
Sebastian Vettel hat mit seinem Sieg beim Formel 1-Rennen in Kanada wieder die Führung in der WM-Fahrerwertung übernommen.

© imago/LaPresse

Kurz vor dem Ende seiner grandiosen Siegesfahrt beim Grand Prix von Kanada hatte Sebastian Vettel noch Zeit, sich an sein Idol Michael Schumacher zu erinnern. „In den letzten Runden habe ich noch gezittert, dass alles hält, dass das Auto hält, und an Michael gedacht, an seinen letzten Sieg hier“, berichtete der Ferrari-Pilot und wurde ungewohnt emotional. „Es ist schade, dass er heute nicht dabei sein kann, den Tag nicht genießen kann, als Ferraristi.“ So sei es schwer gewesen, die letzten Runden, die Augen auf der Strecke zu halten.

14 Jahre war es her, dass die Scuderia in Schumacher ihren letzten Sieger in Montréal stellte, ehe Kanada nun wieder zum Ferrari-Land wurde. Auch wenn der 49-Jährige seit seinem folgenschweren Skiunfall Ende 2013 nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten ist, bleibt er bei Ferrari-Fans unvergessen. Sein Nachfolger und Schüler Vettel hat gelernt, auf der Pathos-Klaviatur zu spielen, um die Formel-1-Anhänger der Scuderia zu erwärmen.

Dabei geriet fast in Vergessenheit, dass der 30-Jährige als vierter Fahrer überhaupt die Marke von 50 Grand-Prix-Siegen erreichte und zudem die WM-Führung von seinem Dauerrivalen und Titelverteidiger Lewis Hamilton im Mercedes übernahm.

Doch sein Sieg am Sonntag könnte wie damals für Schumacher ein gutes Omen sein. 2004 war auch das Jahr, in dem der Rekordweltmeister seinen siebten und letzten Titel gewann. Vettel ist jetzt selbst auf dem besten Weg, einen eigenen Platz in der Geschichte des ruhmreichen Rennstalls zu erobern. Und das in einer Saison, in dem neben Ferrari im Weltmeister-Team Mercedes und Red Bull gleich zwei gleichwertige Teams als Gegner hat.

Die Souveränität von Vettels Auftritt in Montréal ließ zumindest Parallelen zu Schumachers besten Zeiten erkennen. Die Überlegenheit beeindruckte und erschrak vor allem die silberne Konkurrenz. „Zu keinem Zeitpunkt hatten wir eine Chance zu gewinnen“, meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolf. Aufsichtsrat Niki Lauda sah Mercedes von Ferrari „in allen Disziplinen überholt, in denen wir mal vorne lagen“. Vettel scheint in seinem vierten Jahr bei Ferrari seinem Ziel, den WM-Titel mit der Scuderia, endlich näher zu kommen. (dpa)

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