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Donnerstag, 08.11.2018 Aus dem Gerichtssaal

Auf der Jagd nach dem Müllsünder

Ein 75-jähriger Mann aus Hartha soll in Leisnig illegal Müll entsorgt haben. Ein Jäger will das gesehen haben.

Von Helene Krause

Das Amtsgericht in Döbeln.
Das Amtsgericht in Döbeln.

© André Braun

Döbeln. Am Vormittag des 15. Dezember 2017 will ein Jäger beobachtet haben, wie ein heute 75-jähriger Mann aus einem Harthaer Ortsteil Am Zöllnerberg in Leisnig Hausmüll, Schrott und Pflanzenabfälle entsorgt hat. Von einer Menge von ungefähr 30 Kilogramm ist die Rede. Weil der Jäger den Mann angezeigt hat, erhielt der einen Bußgeldbescheid über 250 Euro. Dagegen ging er in Einspruch. Der Fall kam vors Amtsgericht Döbeln. Vorgeworfen wird dem 75-Jährigen eine Ordnungswidrigkeit nach sächsischem Kreislaufwirtschaftsgesetz.

Der Angeklagte bestreitet die Tat. „Ich war dort nur austreten“, sagt er. „Ich habe keine Abfälle entsorgt.“ Zur Tatzeit seien er und seine Frau mit einem VW Golf auf dem Weg nach Leipzig gewesen. Die Frau bestätigt das in der Zeugenbefragung. Bevor sie weiterfuhren, habe ihr Mann lediglich seine Jacke in den Kofferraum getan.

Doch der Jäger schildert das Geschehen als Zeuge ganz anders. „Ein Auto stand dort“, sagt er. „Der Kofferraum stand offen. Er lud ein Bündel aus und trug es dorthin.“ Dann soll der Angeklagte den Kofferraum geschlossen haben, ganz schnell in das Auto eingestiegen und weggefahren sein. Der Zeuge, der mit seiner Frau auf dem Weg nach Grimma war, fuhr mit dem Golf hinterher. Unterwegs notierte sich die Ehefrau des Jägers das Kfz-Kennzeichen des mutmaßlichen Müllentsorgers. Obwohl der Jäger in der Zeugenbefragung schildert, dass er, als er den Pkw gesehen hatte, anhielt, sagt seine Frau als Zeugin etwas anderes aus. „Wir haben nicht angehalten. Wir fuhren hinter ihm her.“ Dass der Angeklagte an der Stelle Müll abgeladen hat, hat sie nicht gesehen. Erst als sie zurückfuhren, hätten sie angehalten und den Müll liegen sehen. Allerdings, so sagen beide Zeugen, liegt dort öfter Müll. Da der Jäger dort sein Revier hat, ärgert ihn die illegale Müllentsorgung gewaltig.

Richter Janko Ehrlich spricht den Angeklagten frei. „Der Zeuge glaubt, dass er endlich jemanden erwischt hat“, sagt er in der Urteilsbegründung. „Er konnte nicht sagen, was abgeladen wurde. Und auch die Ehefrau des Zeugen konnte nicht sagen, dass Sie etwas aus dem Auto genommen haben. Sie hätte dasselbe sehen müssen wie ihr Mann.“

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